Ausgabe 
14.6.1845
 
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Unga

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Intelligenz-Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil. Das Grßh. Heſſ. Landgericht Friedberg

an die Gr. Buͤrgermeiſter des Bezirks.

Betreffend: Die Löſchung der Einträge in den Hypothekenbüchern. In Folge eingelangter höchſten Verfügung eröffnen wir Ihnen das Folgende:

10 Hypotheken können in den Amtshppothekenbüchern nur dann gelöſcht werden, wenn die Unterſchriften der Empfänger gehörig beglaubigt ſind.

2) Iſt der Empfänger eine andere Perſon als der urſprüng⸗ liche Gläubiger ſelbſt z. B. ein Erbe deſſelben, ſo muß ſeine Berechtigung zum Empfange durch genü⸗ gende Beſcheinigung nachgewieſen ſein.

3) Löſchungen in den Orts hypothekenbüchern durfen nie mals eher erfolgen, bis Ihnen entweder deßfallſige beſondere Weiſung des Gerichts zugeht, oder ihnen die kaſſirte Hypothek ſelbſt, auf welcher jedesmal die er folgte Löſchung von Seiten des Gerichtes notirt wer den wird, vorgelegt wird.

Sie haben ſich hiernach zu bemeſſen und insbeſon dere auf die Vorſchriften unter 1. 2. die betreffenden Per ſonen bei vorkommenden Gelegenheiten ſtets aufmerkſam zu machen.

Friedberg den 2. Juni 1845. Hofmann.

Die Spielbank. Aus: Vermiſchte Nachrichten, in der Kölniſchen Zeitung vom 4. Mai, Beilage J.

Vor einigen Monaten theilte unſer Blatt einen entſetz lichen Vorfall mit, der ſich in Folge des Beſuches der hom burger Spielhölle erhoben hatte. Ein Edelmann vom Rhein hatte ſeine ganze Habe verloren, ermordete ſich, und ſeine Frau wurde wahnſinnig. Die Sache machte unge heures Aufſehen, die homburger Spielpächter, Gebrüder Blanc, erklärten indeſſen kurzweg, daß ſie von derſelben nichts wüßten. Wir hatten Gründe die Sache bis auf Weiteres ruhen zu laſſen. Nun aber bringt dieAugsb. Allg. Zeitung,, welche in der jüngſten Zeit ſich nachdrück lich gegen den Spielunfug erklärt hat, folgendes Schreiben vom Rhein, das an einen ihrer Redacteure gerichtet worden

Sonnabend, den 14. Juni

1345.

iſt.Wir, die wir die ſchauderhaften Folgen des Spiels ſo oft in unſerer Nähe ſehen müſſen, beſchwören die Augsb. Allg. Zeitung ihr kräftiges Wort, ihren großen Einfluß öfter in die Wagſchale der Gegner jenes ſchändlichen Gewerbes zu legen. Was ſoll noch aus dieſem Zuſtande werden? Täglich, ſtündlich verurſachen die ſchändlichen Spielſpelunken, die von den Regierungen unſeres Mittel- deutſchlands privilegirt werden, neue Kataſtrophen, richten ſtets neues Unglück an, abſonderlich Homburg, wo vom 1. Januar bis 31. Dezember Tag und Nacht an drei Spiel tiſchen geopfert wird. Dazu kommt die Leichtigkeit der Communication, die Eiſenbahnen, Dampfſchiffe, die feine Speculation der Herrn Blanc, welche allein zwiſchen Frank furt a. M. und Hombung täglich 20mal hin und her für wenige Kreuzer Poſtwagen gehen laſſen, wofür ſie der Poſt verwaltung aufzahlen. Von Mainz nach Franffurt beſteht die Eiſenbahn, und ſo raſ't, wüthet denn die ganze Gegend hier herum nach dem Sodom des Herrn Blanc und Hunderte, Tauſende richten ſich und ihre Familien zu Grunde!

Blanc war dreiſt genug, den(von derKölni ſchen Zeitung berichteten) Fall mit dem unglücklichen Baron W. und ſeiner Frau zu läugnen. Allerdings bemerkte er, trügeriſch genug, es habe kein Spieler mehr als 2000 fl. auf einmal verloren, aber W. verlor ja ſein Vermögen nicht auf einen Tag, ſondern kam 10- oder 125 mal nach Homburg, und es iſt wahr, und bleibt es leider, daß er ſein Vermögen, Hab und Gut ver ſpielt hat, daß ſeine Frau im Irrenhauſe iſt und er ſich umgebracht hat, während die Kinder Bett ler ſind. Solche oder ähnliche Fälle könnte ich Ihnen zu Dutzenden erzählen, aber ich bin nicht des Schrei bens kundig, bin ein alter Soldat, habe lange den Degen gefuhrt, wie ich jetzt den Pflug fuͤhre, und habe meine feſte Zuverſicht auf Sie und Ihr Gemüth, daß Sie einſehen werden, wie der Himmel Sie nicht umſouſt an einen Platz geſtellt hat, wo es gilt, die Stimme fuͤr eine Sache der Ehre und Wahrheit zu erheben. Ich bin ein alter Mann, nahe den Siebenzigen, möchte mich nicht in die Debatten der Preſſe werfen, und Sie kennen ja die uns Deutſchen anklebende Scheu vor der Oeffentlichkeit; ich trete daher nicht mit meinem Namen vor das Publicum; thun Sie es fur mich und fuͤr die vielen Gleichgeſinnten am Rheine, die ſich der Schmach ſchamen, die durch die Spielbanken auf unſe rer Nation laſtet.

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