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40% kr. Außerordentliche Ausgabe) Zurückbezahlte Capitalien 111 fl. 32 kr., ausgeltehene Kapitallen 3000 fl., Ueberzahlung aus voriger Rechnung 497 fl. 56 ¾ kr., Summe 3609 fl. 28 kr. Zuſ. Ausgabe 52,297 fl. 18 kr, Die Geſammteinnahme von 55,500 fl. 10¼ kr., ver⸗ glichen mit der Geſammtausgabe von 52,207 fl. 18 kr. bleibt Reſt 3302 fl. 52% kr.— Am Schluſſe des Jahres 1843 waren Waiſen vorhanden 1203, zugegangen ſind im Jahr 1844: in Starkenburg 122, Oberheſſen 104, in Rheinheſſen 40, Lehrlinge, welche während der Lehrzeit Unter⸗ füützung erhalten, 86, zuf, 352; mithin wurden im Jahre 1844 verpflegt 1535, Enlaſſen wurden; in Starkenburg 130, Oberheſſen 58, Rhein⸗ heſſen 42, Waſſen, welche während der Lehrzeit Unterſtützung erhalten 76, zuf, 306; es verbleiben daher am Schluſſe des Jahres 1844 1249 Waiſen.
VII. Vertheilung der Preismedaillen am Schluſſe des Som⸗ merſemeſters 1845 in dem philologiſchen Seminar zu Gießen; 1. Preis dem Stud. philol. W. Uhrig, 2. dem Stud. philol. Adolph Satorius, beide aus Darmſtadt; 3. dem Stud. philol. Joſeph Reg⸗ nier aus Mainz.(Schluß folgt.)
Einiges über Ulrichſtein. (S. Intelligenzblatt Nr. 71.)
In Nr. 71. der Intelligenzblätter iſt von dem Namen Ulrichſtein und der fruhern Benennung des Marktfleckens, nämlich Molestein, eine Erklärung verſucht, welche man nach Kenntniß der alten deutſchen Sprache unmöglich glau— ben kann“). Ich erlaube mir darum, hier kurz zu bemerken, welche Erklärung ſich aus der Sprache ergibt.
Ulrichſtein bedeutet nichts anders als Ulrichs- Felſen, denn Stein iſt im Altdeutſchen auch ſo viel als Fels, im beſondern ein nackter Fels; Ulrich aber iſt nichts anders, als der Mannsname Ulrich(altdeutſch: Uodalrich, ſpäter Uolrich), man mag nun an den beliebten deutſchen Volksheiligen(den Biſchof von Augsburg) oder an einen Ritter dieſes Namens denken. Ulrich durch Allreich zu er— klären und ſomit Ulrichſtein durch Allreichſtein d. i. wohl der waſſerreiche Stein, wie im Intelligenzblatt Nr. 71. S. 284 ſteht, iſt eben nur ein Einfall, in welchem die jetzige Sprache auf die alte übergetragen wird. Allreichſtein würde in dem altdeutſchen Alarichistein, Alrichstein, gelautet haben, was nirgends zu leſen iſt und woraus ſich gar kein Ulrichſtein mit U bildet. Auch hat man in der Weiſe und in ſolcher abſtracten Bezeichnung keine Orte benannt. Der andere alte Name des Ortes, Molestein, könnte„Mühl⸗ ſtein/ ſeink! x), wenn er von länger her ſich vererbt hätte, als er vorkommt; zu der Zeit aber, wo er ſich findet, wurde Mülstein und Mülnstein geſagt worden ſein, wenn man den Ort hätte Mühlſtein nennen wollen. Doch es ſcheint, wie in Nr. 71. richtig bemerkt wird, gar keine Ver— anlaſſung vorhanden, den Ort, der keine Mühle hat und
*) Auch bei Wannhof liegt der Name Wenzel nicht zu Grunde, wie in dem nämlichen Intelligenzblatte vermuthet wird. Ich weiß nicht, wie alt der Hof iſt und wie der Name früher geſchrieben wurde. So viel aber weiß ich, daß, wenn man ihn auch früher Wannhof geſchrieben hat, Wann der altdeutſche Mannsname Wano (ſprich: Wanno) wäre und der Name bedeutete: Hof des Wann.— Bobenhauſen iſt altdeutſch Babinhüsen d. i. zu den Häuſern (dem Wohnſitz) des Babo; denn Babin iſt der Genitiv des alten Mannsnamens Babo und hüsen iſt Dativ von hüs Haus.
**) So gibt Schmidt in ſeiner Geſchichte des Großherzogthums Heſſen 1. Bd. S. 213 die Bedeutung von Molestein an.
wo man keinen Mühlſtein bricht, ſo zu benennen. Was iſt nun ſtreng der alten Sprache nach der Name Molesteinꝰ Er bedeutet: Molchsfels. Denn stein iſt, wie oben bemerkt, Fels, und altdeutſch der mol(Genitiv molles) iſt die gelb⸗ gefleckte ſchwarze Eidechſe, oder, wie man es vor 900 Jah⸗ ren erklärte,„die giftige Schlange, welche einer Eidechſe ähnlich iſt, auf dem Rücken mit ſternartig ſtehenden glänzen⸗ den Tüpfeln bemalt.“ Wir ſagen jetzt„Molch.“ Molles- stein oder, da das erſte s in dem zweiten aufgeht, Mole- stein(wie bei Schmidt ſteht) bedeutet alſo regelrecht: Stein (Fels) des Molches, d. i. Fels wo der Molch lebt. Ich weiß nicht, ob dieſes Thier dort angetroffen wird; das aber weiß ich, daß andere, ähnliche Felſenſchlöſſer auch von Thie— ren ihre Namen haben, z. B. Falkenſtein(früher Valken- stein) u. ſ. w. Eine Zuſammenſetzung endlich, wie Mollis- stein, d. i. Mildſtein, aus lateiniſch mollis und deutſch stein, was in Nr. 71. vermuthet wird“), iſt falſch und von einem Mönche und auch von einem Andern niemals gemacht worden.
Das Gelehrtere gehört nicht in den Raum dieſer Blät⸗ ter. Der Verfaſſer in Nr. 71 aber, den ich nicht kenne, wird mir dieſe wenigen Bemerkungen nicht übel nehmen; denn es galt mir nur darum, die nach den ſtrengen Regeln der alten deutſchen Sprache ſich ergebende wahre Erklärung von Ulrichſtein und Molestein darzulegen, wie ſie ſich mit Gründen vertheidigen läßt.“) W.
e) Daſelbſt wird auch der Name des Flüßchens Ohm lateiniſch bezeich⸗ net, nämlich amoena(d. i. das anmuthige Waſſer). Das iſt aber ebenfalls unrichtig. Die Ohm heißt in der älteren deutſchen Sprache nicht Amoena, ſondern ämena, wie auch die Dörfer Oh men heißen. Das Wort iſt zuſammengeſetzt aus amen und à. Dieſes à bedeu⸗ tet Waſſer, Fluß, was aber amen iſt, weiß ich— ich geſtehe es— jetzt noch nicht. Daß es lateiniſch amoena nicht iſt, geht ſchon daraus hervor, daß die Deutſchen ihren Flüſſen nicht late iniſche, ſondern deutſche Namen gegeben hatten.
an) Da aus obiger Mittheilung des Herrn W. hervorgeht, daß der fragliche Aufſatz in Nr. 71. nur Vermuthungen, aber keine wiſſenſchaftlichen Thatſachen enthält— was wir zu beur⸗ theilen nicht im Stande waren— ſo bedauern wir, der uns bereits zugeſendeten Fortſetzung jenes Artikels die Aufnahme nicht geſtatten zu können. Ohnehin würde durch ſie und das weiter in Ausſicht Geſtellte die Nachrichten über Ulrichſtein für den Raum unſeres Blattes auch allzu umfangreich. Die Red.
Grünberg, 1. October.
Wir begingen heute hier eine Feier, welche ſich wuͤr⸗ dig anderen derartigen, worüber dieſe Blätter öfters berich⸗ ten, anreiht.— Die Bürger hieſiger Stadt ließen nämlich heute bei einem ſolennen Feſtmahle, an welchem, außer einer großen Anzahl Bürger, auch alle hieſige Staatsdiener An⸗ theil nahmen, durch den Großh. Bürgermeiſter Herrn Hen⸗ rici dem Großh. Kreisrath des Kreiſes Grünberg, Herrn Ouvrier, in Anerkennung der vielfachen Verdienſte, welche ſich dieſer Beamte während ſeiner dretzehnjahrigen hieſigen Amtsführung um die Stadt und die Bürger Grünbergs er⸗ worben und als Beweis ihrer ungetheilten Verehrung und Liebe gegen ihn, einen geſchmackvoll gearbeiteten ſilbernen Pokal überreichen.— Der Gefeierte dankte, innig gerührt, in kurzer paſſender Rede, und weihte am Schluß derſelben den ihm dargebrachten Pokal mit einem Toaſte auf das Wohl unſeres allverehrten Großherzogs auf die würdigſte
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