Intelligenz Blatt
für die
n Provinz Oberheſſen liche im Allgemeinen,
* die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen . und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
* Auszuͤge aus dem Regierungsblatte. 7 Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 16. 5 2(Schluß.)
1 X. Ermächtigung zur Annahme fremder Orden: Am 15.
— Mai dem Staatsminiſter Frhrn. du Thil für das Großkreuz des k. bel⸗ * Rien Leopoldordens; dem Legationsrathe Frhrn. v. Lebuhardi für das
i Ritterkreuz der herz. braunſchweigiſchen Ordens Heinrich des Löwen.
d Butzbach XI. Dienſtnachrichten: Am 24. April wurde dem Steuercom⸗ miſſär Jäger zu Großgerau das Patent als Geometer 1. Cl. für den Kreis Großgerau ertheilt.— Unter dem 28. April haben S. K. H. der Großherzog S. D. den Grßh. Generallieut. und Generaladjut. Prinzen von Sahn⸗Wittgenſtein⸗Berleburg, wegen deſſen hieſiger Dienſt—⸗ functionen, von dem Poſten eines Geſandten am k. preuß. Hofe abzube⸗ rufen und an deſſen Stelle den Grßh. Generalmajor Frhrn. Schäffer v. Bernſtein zu Allerhöchſtihrem Geſandten bei dem genannten königl. Hofe zu ernennen geruht.— An demſelben Tage wurde der def. Ober⸗ finanzkammer⸗Acceſſiſt Pückel aus Büdingen zum Steuercommiſſär in Bingen ernannt und dem Forſteandidaten Seeger zu Rimbach das Pa⸗ tent als Geometer 2. Cl. für den Kreis Heppenheim ertheilt; am 29. der Revierförſter des Forſtreviers Eudorf, Klein, zum Revierförſter des F. R. Romrod,— der Revierförſter des F. R. Hatzfeld, Gutfleiſch, zum Revierförſter des F. R. Eudorf,— der Forſteandidat Klipſtein von Bingenheim zum Revierförſter des F. R. Hatzfeld und der Forſtcandidat 4 Stockhauſen von Darmſtadt zum Revierförſter des F. R. Niederram⸗ ſtadt ernannt; am 9. Mai dem Landgerichtsdiener Scharmann zu Ulrich— ſtein die Stelle eines 2. Landgerichtsdieners zu Gießen und dem Gendar⸗ men Amend zu Butzbach die Stelle eines Landgerichtsdieners zu Ulrich⸗ 1 ſtein, ſodann dem 2. Landgerichtsdiener Weber zu Biedenkopf die Stelle eines 1. und dem Kreisrathsdiener Fiſcher zu Bingen die Stelle eiues
7 2. Landgerichtsdieners zu Biedenkopf ertheilt.
XII. In den Ruheſtand verſetzt: Am 25. April der Forſtinſpee⸗ tor Werner zu Altlotheim, auf ſein Nachſuchen und unter Bezeigung der allerhöchſten Zufriedenheit mit ſeinen langjährigen treuen Dienſtleiſtungenz 8 am 5. Mai der Schullehrer Hof zu Erdhauſen.—
7 XIII, Concurrenz für die 2. evang. Schullehrerſtelle zu Orten⸗ 3 berg, Kr. Nidda, mit jährlich 255 fl.(Präſentation des Hrn. Grafen von 1 Stolberg⸗Roßla und Ortenberg); die evang. Schullehrerſtelle zu Leiſa,
g Kr. Biedenkopf, mit 203 fl. und 12 fl. für Heitzung des Schullocals.— 18— XIV. Geſtorben ſind: Am 7. Mai der Oberapellations- und 1 Caſſationsgerichtsrath Frhr. v. Stein dahier; am 12. der Friedensrichter Fuchs zu Wörrſtadt.
47 Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. 8(Fortſetzung von Nr. 43 d. Bl.) dberg 27) wandern, d. i. ſpucken. Wir ſprechen wetter- auiſch: wahnern und wannern, müſſen aber, wenn 0 wir das Wort hochdeutſch ſprechen wollen, wandern ſagen. „Es wandert, iſt bei uns gerade ſo viel, als„es ſpukt, oder wie man auch ſchriftdeutſch ganz ähnlich ſagt es geht um.“— Mit der wetterauiſchen Ausſprache von wandern iſt es gerade ſo, wie mit verandern, welches wetterauiſch
Mittwoch, den 11. Juni
verahnern und verannern geſprochen wird. Manche meiner lieben Landsleute haben gezweifelt, ob dieſes Wort ſchriftdeutſch verandern heißen könnte, wie ich im In— telligenzblatte von 1844. Nr. 95 geſagt hatte, und haben gemeint, es ſolle vereinern geſchrieben werden. Das iſt aber ganz falſch, wie ich jedem beweiſen wollte, wenn nicht ſchon hier wandern die Probe darauf wäre, daß meine Be— hauptung in Nr. 95 ganz richtig iſt. Auch die wetterauiſche Ausſprache Schale anſtatt Schalte oben ſpricht dafür.
28) Der Zelte, d. i. ein kleinerer viereckiger aufge— gangener Kuchen in der Art eines kleinen Laibchen Brotes. Die wetterauiſche Ausprache iſt: der Zeall. Solche Zeall empfingen früher die Armen am Neufjahrstage, als ſie noch um ein Neujahr gehen durften. Das Wort iſt ein ſehr altes Wort.
29) Das Golicht, d. i. das Unſchlittlicht(oder wie man wetterauiſch ſagt»Inſchlichtlicht“). Wir ſprechen wetterauiſch„Gulicht,« welches dann natürlich hochdeutſch Golicht iſt, wie z. B. wetlerauiſch wuhl, ſu, ruh, wu, Hureack GHuchreack) ꝛc. ꝛc. im Hochdeutſchen wohl, ſo, roh, wo, Hochrück ꝛc. ꝛc. geſprochen werden. In Franken und der ehemaligen Oberpfalz ſagt man Golliecht. Was aber nun das Wort Go voran bedeutet, das hat noch kein Sprachgelehrter bis jetzt ausgemacht. Keineswegs jedoch lautet unſer Wort Gulicht im Hochdeutſchen Gutlicht, wie einige bei uns vornehm ſprechen wollen.— Wenn ich nicht irre, ſo ſpricht man auch an manchen Orten bei uns: das Goulicht, welches hochdeutſch ausgeſprochen„Gu— licht“ lauten würde. Allein Goulicht ſcheint mir nur (was übrigens in unſerer wetterauiſchen Sprache ſelten vor— kommt) eine verdorbene Ausſprache des Wortes, weil dieſe mit keiner andern deutſchen Mundart ſtimmt.
30) Der Schluri, d. i. der nachläſſige Menſch, der ſich um nichts bekuͤmmert. Wetterauiſch ſpricht man das Wort:„Schlori“ und„Schluri“ aus. Es iſt recht be— zeichnend und kommt von niederdeutſch ſluren d. i. träge ſein, und ein Slur(mit langem u) bedeutet in der ältern deutſchen Sprache einen Müßiggänger, Faulenzer.
Zur gefaͤlligen Beachtung.
Wir ſehen uns wiederholt zu der Erklärung veranlaßt, daß Aufſaͤtze, deren Verfaſſer uns ſich nicht namhaft machen in unſer Blatt nicht aufgenommen werden konnen.
Die Redaction
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