Ausgabe 
8.3.1845
 
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78.

zu ihm: Hier haſt Du einen halben Gulden; geh', und hole dort in jener Ecke für die Hälfte Brod für dich und Deine Geſchwiſter und bringe mir den Ueberreſt zurück. Mein lieber, guter Herr! Gott wird's Euch vergelten, ſprach der Kleine fröhlich, küßte dem Kaufmann die Hand, und ſprang elend davon. Ein Groſchen hätt's auch gethan, brummte der grämliche Buchhalter, jetzt wird er lachen und mit dem ganzen Gelde zum Teufel gehen. Wer weiß, erwiederte Richter, der Junge ſieht zu ehrlich aus, auch hat mich die Achtſamkeit, mit der er die Stecknadel aufhob, für ihn eingenommen. Eben kam der Knabe in vollem Lauf zurück, ein großes ſchwarzes Brod in einer, das übrige Geld in der andern Hand haltend. Da, lieber Herr! ſprach er faſt athemlos, da iſt das übrige Geld, und bat um ein Meſſer, um ein Stückchen Brod damit abzuſchneiden. Der finſtere Buchhalter reichte ihm eines, allmählich ſich erheiternd, und ſah dem Geſchäftigen mit immer freundlicherer Miene zu. Eilfertig ſchnitt dieſer ein großes Stück ab, doch ploͤtz⸗ lich legt er Brod und Meſſer auf den Boden, faltet erſt ſeine Händchen, und ſpricht mit Andacht das auf dem Lande ge⸗ wöhnliche Tiſchgebet: Komm Herr Jeſu, ſei unſer Gaſt, und geſegne uns, was du uns beſcheret haſt. Die unge⸗ heuchelte Frömmigkeit, die kindliche Einfalt, das von Andacht gluͤhende Auge des Knaben, machten auf den Kaufmann einen tiefen Eindruck. Unwillkührlich falteten auch ſeine Hände ſich zum Gebet; er dachte ſeiner trüben Jugend, der Hülfe guter Menſchen, die ihm oft geworden, Gottes ſeg⸗ nender Hand, die über ihn gewaltet hatt, und eine Thräne der Rührung trat in ſein Auge. Wohlgefällig blickte er auf den Knaben, der mit Heißhunger, und befragte ihn über ſeine Herkunft, ſeine Heimath und ſeiner Mutter Schick⸗ ſal. Er erfuhr aus den treuherzigen Mittheilungen des Kleinen, daß er aus dem acht Meilen von D. entfernten Dorfe L.. d gebürtig ſei, deſſen Bewohner häufig Getreide zum Verkaufe nach der Stadt brachten. Sein Vater habe ein kleines Häuschen gehabt, dieſes aber durch Brand ver⸗ loren. Durch mehrere Unglücksfälle ſei er ſo herabgekommen, daß er genöthigt geweſen, das kleine Stückchen Land zu ver⸗ kaufen, und endlich für geringen Lohn das Vieh ſeiner rei chern Nachbarn zu hüten. Vor drei Wochen wäre er ge ſtorben, ſeine Mutter ſei erkrankt und befinde ſich jetzt, da ſie nicht arbeiten konne, mit vier kleineren Kindern im größten Elende. Er habe Hülfe ſuchen wollen, ſei an fänglich von Dorf zu Dorf gegangen, und endlich auf die Landſtraße gerathen, und zuletzt, da er überall vergebens gefleht, bis hierher gekommen.

Der gefühlvolle edle Mann hatte mit ſteigender Theil⸗ nahme dem Knaben zugehört. Der Burſche iſt achtſam, ehr⸗ lich, fromm, dachte er bei ſich ſelbſt; liebt ſeine Mutter, und ſcheint nicht ohne natürlichen Verſtand das ſind Fundamente, auf denen ſich ſchon etwas bauen ließe. Ich bin ein reicher Mann, fuhr er ſtill überlegend fort, habe nur ein einziges Kind und, ſiehe da! der Knabe erſchien ihm in dieſem Augenblicke als ein lebendiger Wechſel, den Lott, der ihn ſo reich geſegnet, auf ſeine Dienſtbarkeit traſ

Höre Kleiner, fieng er plötzlich an, und ein Ent⸗

ſchluß ſchien in ſeinem Innern reif geworden zu ſein haſt Du denn Luſt etwas zu lernen? Ach ja! rief froh lich der Knabe, das möcht' ich wohl, mein lieber Herr; auch kann ich ſchon im Katechismus leſen. Bei dieſen Worten

zog er ein kleines Büchelchen aus der Taſche, ſchlug es auf

und las ziemlich geläufig:Du ſollſt deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohl gehe und du lange lebeſt auf Erden; ſeht, lieber Herr, das habe ich geſtern gelernt, als ich ſehr muͤde war und mich auf der Landſtraße unter einem Baum niedergeſetzt hatte; weiter bin ich aber noch nicht gekommen, denn zu Hauſe mußte ich den kleinen Bruder warten, weil meine Mutter krank lag. Ja, rief jetzt Richter plötzlich aus, ja! ich will dein Vater ſein, Du Armer, vom Geſchick Verlaſſener! und küßte den erſtaunten Knaben auf die Stirn. Wenn Du fromm, brav und flei⸗ ßig biſt, fuhr er fort: ſo will ich für dich ſorgen. Du ſollſt etwas lernen, Eſſen, Trinken und Kleider bekommen, und wenn Du größer biſt, und was verdienen wirſt, kannſt Du deine Mutter und Geſchwiſter unterſtützen und ſo des Herrn Gebot erfüllen. Ach! das iſt herrlich! rief der Knabe, ſprang an dem Kaufmanne hinauf, küßte ihm die Hände und ſchien außer ſich. Aber meine arme Mutter hat noch immer nichts zu eſſen, ſprach er, plötzlich traurig werdend, und ſah mit wehmüthigem Blicke auf das auf dem Boden liegende Brod. Der Kaufmann beruhigte ihn, verſprach, ſeiner Mutter durch einen anweſenden Ein⸗ wohner ſeines Dorfes Brod und Geld zu ſchicken, ſie zu be⸗ nachrichtigen, daß ihr Chriſtoph Gottlieb, ſo hieß der Kleine, bei ihm bleiben, und etwas Rechtſchaffenes lernen ſollte. Der Buchhalter erhielt den Auftrag, das Nöthige zu verfuͤ gen und an den Pfarrer zu ſchreiben, welchem Richter noch etwas Geld für die Wittwe beifügte, dieſe der Fürſorge des Pfarrers empfahl, und nächſtens wieder eine Beiſteuer zu ſenden verſprach. Für den Knaben ward in der Eile an⸗ ſtändigere Kleidung beſorgt, und Mittags führte Richter den kleinen Chriſtoph in ſein Haus, übergab ihn ſeiner Gat⸗ tin und unterrichtete dieſe von ſeinem Schickſal und ſeinen Plänen, die er mit ihm hatte.

(Schluß folgt.)

Zur Wetterauer Chronik.

Am 1. März wurde eine hochweiſeler Frau in Butz⸗ bach überfahren und ſo beſchädigt, daß ſie in der darauf folgenden Nacht den Geiſt aufgab. Dem Burſchen, der die Pferde lenkte, iſt, nach der Mittheilung von Augenzeugen, keine Schuld beizumeſſen: er fiel vom Wagen und die Pferde gingen mit letzterem durch.

Wie wir hören hat ſich auch in Obereſchbach ein Singverein gebildet. Nähere Angabe uͤber denſelben wuͤrde uns erwünſcht ſein.

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