Betracht ziehe.— Bezüglich der Capitalanlagen gegen Tilgungsrenten(Darlehn auf Amortiſation) heißt es in dem Rechenſchaftsberichte:„Dieſe Einrichtung hat ſich jetzt ſchon auf ſehr erfreuliche Art bewährt, und die Zahl derjenigen, welche die dargebotene Gelegenheit benutzen, um ſich durch einen regelmäßigen kleinen Zuſchuß zu den gewöhnlichen Zinſen ſchuldenfrei zu machen, oder aber ſich innerhalb einer beſtimmten Reihe von Jahren ein Capital zu erwerben, vermehrt ſich mit jedem Tage, ſo daß die An⸗ ſtalt auch in dieſer Beziehung in immer größeren Kreiſen einen unverkennbar ſehr wohlthätigen Einfluß ausüben wird.“ — Sodann erſieht man aus dem Berichte, wie die mit der Nentenanſtalt verbundene Depoſitenkaſſe ſich ebenfalls mehr und mehr in der Gunſt des Publikums befeſtigt. „Darin, daß dieſelbe tägliche Gelegenheit zur zinstragen— den Niederlegung von Geldern, welche auf anderweitige Verwendung harren, darbietet, ſowie daß das hinterlegte Geld jederzeit ganz oder getrennt zurückgefordert werden kann, die Verzinſung(zu 3 pCt.) binnen 20, längſtens 50 Tagen nach der Hinterlegung beginnt, und die fälligen Zin— ſen unverlangt dem Capital zinstragend beigeſchrieben wer— den: darin liegen offenbar die Vorbedingungen jener Gunſt.“ — Schließlich entnimmt man aus dem Berichte, daß ſich die Theilnahme des Publicums für die gemeinnützige Anſtalt auch im laufenden Jahre auf ſehr erfreuliche Weiſe bereits bewährt hat, indem ſich das active Vermögen des Inſtituts ſeit Anfang dieſes Jahres um ungefahr 60,000 fl. erhöhte und die bis jetzt verzinslich angelegten Gelder an 220,000 fl. betragen.— Möge die Anſtalt auch fernerhin gedeihen und
ſich immer kräftiger entwickeln.— (Gr. Heſſ. Ztg.)
Drehorgeln und Mordgeſchichten.
Der beſſere Theil des deutſchen Volkes— und dieſer iſt ſo gering nicht, als Manche glauben— iſt der Dreh⸗ orgeln und Mordgeſchichten überdrüſſig. Der ruhige deutſche Mann fügt ſich gerne in die polizeilichen Anordnungen; aber er wünſcht auch, daß auf Jahrmärkten nicht mehr die Verworfenheit der menſchlichen Natur beorgelt, erklärt, be— ſungen und dann in Beſchreibung nebſt Lied für einen Gro— ſchen verkauft wird, da es offenbar iſt, daß für öffentliche Sittlichkeit Nichts gewonnen werden kann, wenn Laſter und ſtrafende Gerechtigkeit durch die abgeſchmackte Erzählung gräuelhafter Mordgeſchichten, ſowie durch die noch gräuel— hafteren Melodieen lächerlich gemacht werden, und daß die ſ. g. Sittenpolizei allzu nachſichtig iſt, wenn die Gewinn⸗ ſucht mit Verbrechen hauſiren gehen darf.
In der Verbannung dieſer Mordgeſchichtler wuͤrde man zugleich eine Anerkennung des geſunden Sinnes des Publi— kums von Seiten der Polizei finden; die Jahrmarktinduſtrie wurde auch bedacht ſein, nicht mehr aus den Schlechtig— keiten einzelner Taugenichtſe, ſendern aus den Großthaten der Weltgeſchichte einen Nutzen zu ziehen, wie man denn auch ſchon in Wachsfigurenkabinetten Huß, Guſtav Adolf und den Reichstag zu Worms erblickte und mit
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Wohlgefallen bei den Geſtalten Luthers und Philipps des Großmüͤthigen verweilte. Durch Einführen der bibliſchen Perſonen in die Wachsfigurenkabinette wurde ſchon oft dem beſuchenden Publikum ein gemuͤthlicher Genuß dar— geboten. Die Geſchichte des deutſchen Volkes iſt nicht arm an Zuͤgen von Edelmuth, Menſchenliebe und Heldenſinn; welch ein Hebel für ächte Bildung wäre es, wenn im An— ſchauen der Figuren von Männern, die der Deutſche mit Stolz ſeine Landsleute nennt, im Anhören einer populären, aber edel gehaltenen Erklärung der Beſucher eine geiſtige Erhebung fände!
Vereine können viel Gutes wirken, aber die Sitten— polizei kann auch viel Böſes abwehren!— b—
Kirchenbuchs-Auszug vom Juli 1845. Lich.
Getraute:
24. Der Gr. Heſſ. Revierförſter des Reviers Dautphe, im Kreiſe Biedenkopf, Friedrich Ludwig Karl Chriſtian Cellarius, des Großh. Decans für das Decanat Lau— bach und hieſigen erſten Stiftspfarrers Georg Carl Cellarius ehelich lediger Sohn und Eliſa Johannette Wilhelmine Luiſe Braun dahier, des Gr. Heſſ. Fürſtl. Solms⸗Lichiſchen Forſt- und Kammerraths eheliche ledige Tochter.
Getaufte: 8. Dem hieſigen Ortsbürger und Bäckermeiſter Adam
10. Dem hieſigen Ortsbürger und Schuhmachermeiſter Joh. Heller III. ein Sohn, Johann Heinrich, geb. d. 15. Juni. Heinrich Ferſter eine Tochter, Katharina, geb. den 27. Juni.
11. Dem fürſtlichen Regiſtrator Otto Heinrich Emil Fried⸗ rich Drechsler eine Tochter, Marie Hermine Eugenie Ottilie, geb. den 24. Juni.
13. Dem hieſigen Ortsbürger und Großh. Bauaufſeher Friedrich Leonhard Förſter eine Tochter, Eliſabethe, geb. den 23. Juni. b
13. Dem hieſigen Ortsbuͤrger und Metzgermeiſter Jacob Walz ein Sohn, Georg Criſtian, geb. im Juni.
24. Dem hieſigen Ortsbürger und Knopfmachermeiſter Joh. Jakob Schmiedt eine Tochter, Anna Eliſe, geb. den 10. Juli.
27. Eine uneheliche Tochter, Eliſabethe, geb. den 9. Juli.
29. Dem hieſigen Ortsbürger und Schneidermeiſter Karl Joſeph Glöckner eine Tochter, Wilhelmine Helene Sophie, geb. den 16. Juli.
29. Dem hieſigen Ortsbürger und Kutſcher bei Sr. Durch⸗ laucht dem Prinzen Ferdinand von Solms-Lich Mat⸗ thäus Schützner eine Tochter, Marie Louiſe, geb. den 9. Juli.
30. Dem hieſigen Ortsbuͤrger und fuͤrſtl. Koch Chriſtian Gottlob Graul ein Sohn, Carl Heinrich Leopold, geb. den 13. Juli.
30. Ein unehelicher Sohn, Ludwig, geb. den 20. Juli.
Beerdigte:
2. Ernſt Wolfgang Oßwald, des hieſigen Ortsbürgers
und Schuhmachermeiſters Johannes Oßwald eheliches
Söhnchen, alt 4 Jahre, 4 Monate und 10 Tage, 1 den 29. Juni.
9. Karl Ludwig Wagner, des hieſigen Ortsbuͤrgers und
Metzgermeiſters Johann Heinrich Wagner eheliches
Söhnchen, alt 11 Monate u. 27 Tage, f d. 7. Juli.
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