E
.
Intelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Sonnabend, den 27. April
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.
Betreffend: Anordnungen zur Verminderung der Maikäfer.
Die ungeheuere Menge von Maikäfern, welche ſich ſeit einigen Tagen zeigen, gebietet die alsbaldige Anordnung allgemeiner Maasregeln zu ihrer Verminderung. In Ge— mäßheit der desfalls vorliegenden höchſten Entſchließungen weiſe ich Sie daher an, unverzüglich die Lieferung einer entſprechenden Anzahl gegen eine aus der Gemeindekaſſe zu leiſtende Vergütung in zweckmäßiger Weiſe) anzuordnen.
*) In Hinſicht des Verfahrens gibt die landwirthſchaftliche Zeitſchrift von 1836 in Nr. 20 folgende Anleitung: Das Sammeln der Käfer muß auf folgende Weiſe geſchehen. Des Morgens, 2 oder 3 Stunden nach Sonnenaufgang, fängt man an, die Obſtbäume auf der Markung, einen Baum nach dem andern, plötzlich und auf einmal, damit die Käfer ſich nicht anklammern, zu ſchütteln und die heruntergefallenen Käfer ſorgfältig aufzuleſen. Jeder mit Aufleſen Beſchäftigte hat einen Sack von grober Leinwand, deſſen Oeffnung er mit einer Hand verſchließt, ſobald er die mit der andern Hand geſammelten Käfer hineingebracht hat. Auf Gras⸗ böden breitet man Tücher unter den Bäumen aus, weil die abge— ſchüttelten Käfer ſich ſonſt leicht unter dem Graſe verkriechen konnten. Bei ſtarken Bäumen, welche nicht am Stamm geſchüttelt werden können, müſſen Leitern angebracht werden, indem die Rinde ſonſt leicht durch die hinaufkletternden und auf den Aeſten ſtehenden Menſchen während des Safttriebs zerſtört werden könnte, auch die Bewegung durch das Hinaufklettern die Käfer zu ſtärkerem Feſt— halten veranlaſſen würde. Von den Leitern aus müſſen wo mög— lich alle Aeſte mit Raupen⸗Haken oder andern Werkzeugen gefaßt, und alle zugleich geſchüttelt werden. Die Käfer von den Bäumen mit Pfählen herunterzuſchlagen, iſt aus dem Grunde nicht zu rathen, weil auf dieſe Art manche Blüthe, manches Fruchtauge zu Grunde gerichtet würde. Dieſe Jagd müßte die ganze Dauer des Schwär⸗ mens über jeden Tag wiederholt werden. Am beßten iſt die Zeit zwiſchen 8 Uhr Morgens und 3 bis 4 Uhr Mittags, wo die Käfer in ihrem ſchlafähnlichen Zuſtand an dem Laube der Bäume hängen, und oft von einem leichten Windhauch abgeſchüttelt werden. Auch die auf der Markung befindlichen Weiden, Pappeln und andere, zur Zierde in Alleen gepflanzte, oder einzeln ſtehenden Bäume, ſo wie die in den Wäldern befindlichen, von den Käfern vorzugs- weiſe beſuchten Bäume ſollten, wo es nicht anders ausführbar iſt, durch eigends dazu aufgeſtellte und nach dem Quantum der von ihnen eingelieferten Käfer belohnte Leute auf die angegebene Art gereinigt werden, zumal da es nicht ſowohl die in dichtem Wald— beſtande ſtehenden Bäume, ſondern mehr nur die vereinzelt, oder
Die Beſtimmung der Größe der unter 157 des Ge⸗ meindevoranſchlags auf die Gemeindekaſſen anzuweiſenden Vergütung iſt dem Gemeinderath vorerſt überlaſſen, jedoch darf dieſelbe den Betrag von 12 kr. für den Kumpf Mai⸗ käfer in keinem Falle üͤberſchreiten. Zugleich iſt dafür zu ſorgen, daß die Vertilgung der gelieferten Maikäfer unter gehöriger Aufſicht geſchieht.
Ueber den Erfolg und die Menge der in jeder Ge— meinde vertilgten Maikäfer iſt unter Beiſchluß der Koſten— verzeichniſſe bis Ende Juni anher Vorlage zu machen.
Friedberg den 24. April 1844.
Küchler. an den Waldrändern ſtehenden Eichen, Ahorne, Vogelbeere u. a. ſind, welche von den Maikäfern beſucht werden. In den feuchten Waldboden legen die Käfer ihre Eier nicht, daher ſie ſich auch in den dichten Waldbeſtänden nicht aufhalten.“
Zwei Sagen von Gelnhauſen.“) I.
Einſt lag die Kaiſerin auf der Burg zu Gelnhauſen““) in ſchweren Wehen, die dauerten den Tag über bis in die Nacht. Da ward dem Kaiſer um ſeine Gemahlin bange und er beſchloß auszureiten und gelobte, er wolle den erſten, dem er auf dem Ritt begegne, zu einem adeligen Herrn machen und ihm ade— lige Güter geben, wenn bei ſeinem Zurückkommen in die Burg die Kaiſerin die Geburt glücklich überſtanden habe. Nun ritt der Kaiſer aus, durch die Nacht, und traf auf ſeinem Wege niemaud mehr an, als allein den Schinder, der noch ein todtes Stück Vieh hinausgebracht und ſich verſpätet hatte, daß er jetzt erſt heimfuhr. Der Kaiſer merkte ſich den Mann und ritt weiter. Als er heimkam und in die Burg einritt, ſagte man ihm die freudige Nachricht, daß die Kaiſerin gluͤcklich geboren habe, und er ſprang vom Pferde, ging zu ihr in ihr Zimmer und fand alles im beßten Stande. Am Morgen ließ er gleich den Schinder zu ſich rufen, adelte
2) Einſender dieſes erzählt die beiden Sagen, wie ſie ihm noch nach der Erzählung ſeines Großvaters, welcher ſich um 1760 zu Gelnhauſen aufhielt, im Gedächtniß ſind.
Einſender beabſichtigt, nur Sagen aus der Wetterau zu geben, um dieſelben noch vor ihrem allmählichen Verlorengehen zu ſchützen. In ſolchen Sagen beruhen noch Reſte des grauen Alterthums und der kindliche Sinn unſrer Vorfahren. Sie haben für den Alterthums⸗ forſcher großen Werth.— Wenn nun der Einſender hier über die Gränzen der Wetterau hinausgeht, ſo bleibt er doch hart daran, denn die alte Gränze der Wetterau gieng bis nahe an Gelnhauſen.
**) Im Mittelalter refidirten zuweilen deutſche Kaiſer zu Gelnhauſen.


