Ausgabe 
25.5.1844
 
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Intelligenz-OBlatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. t.

eä

Sonnabend, den 2

5. Mai

Wegen der Pfingſtfeiertage erſcheint Mittwoch den 29. d.

M. keine Nummer d. Bl.

Amtlicher Theil. Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an die Großh. Buürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die vermißte Ehefrau des Johannes Roth III. zu Nieder-

beſſingen.

Rubrikatin hat ſich, vermuthlich in Folge von Ge müthskrankheit, am 15. d. M. von Haus entfernt, ohne bis jetzt aufgefunden worden zu ſeyn. Ich weiſe Sie an, die Rubrikatin, wo ſie ſich einfinden ſollte, in ihre Heimath ge leiten zu laſſen. Dieſelbe trug bei ihrem Entkommen einen braunen wollenen Rock, eine blaue Schürze, einen dunkel blauen Spenzer mit ſammetener Einfaſſung, ein kleines Häub chen, ſchwarze wollene Strümpfe und Schuhe.

Grünberg den 19. Mai 1844.

In Abweſenheit des Gr. Kreisraths: Hallwachs.

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Ueber Leſevereine auf dem Lande. (Schluß.)

3.) Am Beſten iſt es, wenn ein erwäͤhlter Vorſtand dem Geſchäftsführer zur Seite ſteht, damit er allenfallſige Unannehmlichkeiten nicht allein tragen muß. Der Vorſtand nimmt Mitglieder an und ſchließt ſie aus hinreichenden Gründen aus. Dieſe Gewalt muß ihm jedenfalls bleiben. Er beſtimmt die anzuſchaffenden Bucher. Jedes Mitglied darf Vorſchläge machen; aber der Vorſtand hat die Ent ſcheidung, damit nichts Schädliches ſich einſchleiche. Leider iſt auch mancher Dorfbewohner mit den Leihbibliotheken der Städte und mit dem Unrath, der hier bisweilen ſich findet, bekannt. Solche Verirrungen darf man nicht aufkomme laſſen.

4.) Eine nicht unwichtige Frage iſt es: Sollen die Bücher aufgeſtellt oder verſteigert werden? Ich ſtimme fürs Erſte. Der Erlös iſt gewöhnlich unbedeutend und auf dieſe Weiſe kann nach und nach eine ſchöne Dorfbibliothek ent ſtehen. Auch könnten vielleicht, wenn ein Vorrath da iſt, die Bücher an Nichttheilnehmer gegen eine paſſende Leſege bühr verabreicht werden, etwa ſo, daß man alle 14 Tage und drei Wochen 1 Stunde feſtſetzt, in welcher Bücher zu erhalten und wieder zurück zu geben ſind. Auch Mitglieder

erhalten nur zur feſtgeſetzten Stunde das begehrte ſchon aufgeſtellte Buch, damit dem Bibliothekar die Sache nicht zur Laſt werde.

5.) Alljährlich iſt wenigſtens eine allgemeine Ver ſammlung zu halten, wo die Rechnung vorgelegt und der Geſellſchaft Gelegenheit geboten wird, ihre Wünſche zu äußern. Vielleicht wäre es moglich alle Monat im Winter oder wenigſtens 23mal während deſſelben einen Abend zu einer Verſammluug zu beſtimmen. Hier könnte man ſich über die Lectüre unterhalten und über gemachte Vorſchläge in Bezie hung auf die Landwirthſchaft berathen. Hier könnte der Geiſtliche oder Schullehrer manche heilſame Belehrung er theilen, über wichtige Erſcheinungen unſerer Tage reden, nützliche Vereine, z. B. gegen den Branntwein, die Thier quälerei u. ſ. w., empfehlen und überhaupt ein Wort ſei ner Zeit reden. Bis jetzt konnte ich den Verſuch dazu noch nicht machen.

6.) Was die Wahl der Bücher betrifft, ſo kann man nicht vorſichtig genug ſein. Ein unſchädlich ſcheinendes Wort wird bisweilen mißdeutet, erregt Zweifelſucht und bietet Ent ſchuldigungsgründe für ſittliche Verirrungen dar. Kein Buch, das nicht eine reine Tendenz hat, in welchem nicht ein frommer chriſtlicher Geiſt weht, darf angeſchafft werden.

In politiſcher, religioͤſer und moraliſcher Beziehung ſtehe jedes Buch tadellos da, nicht blos der ganze Inhalt, ſondern auch die einzelnen Begebenheiten und Aeußerungen werden einer ſtrengen Unterſuchung unterworfen. Beſonders prüfe man auch die erzählten Anekdoten, Witze und dergl., da mit ihnen oft verderbliches Gift verſchluckt wird. Zur Veredlung des Volkes errichte man Leſegeſellſchaften und be denke das: Wehe dem Menſchen, durch welchen Aergerniß kommt! Man hüte ſich Unzufriedenheit mit dem Stande der beſtehenden Verfaſſung, Gleichgültigkeit wohl Feindſchaft gegen die Religion und laue ſittliche Grundſäͤtze zu verbreiten. Man ſey lieber zu ſtrenge, als zu laß.

Die Literatur der Volksſchriften iſt reichlich. Ich er laube mir auf die erprobten aufmerkſam zu machen; viel leicht wiederhole ich bisweilen die Anzeige der neu erſchie nenen mit kurzer Angabe ihres Inhaltes und Werthes, ſo weit mir dieſelben bekannt werden, vorausgeſetzt natürlich, daß die Sache Anklang findet. Bei Angabe der früher er ſchienenen Bücher habe ich die Schrift von Preuskar: Ueber Dorfbibliotheken u. ſ. w. benutzt.