iticum. Plaz 12 kr.— rn. Mann
Uwanger.
ten Publiku
Intelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Man ſollte es kaum glauben!
Kaspar. Was thut doch der J. H—. jeden Sonntag Morgen in der H—gaſſe?
Michel. Weißt du das nicht? deſto beſſer für dich. Wären Andere auch ſo unkundig!— Der holt ſeine Groſchen.
K. Was für Groſchen?
M. Gib Acht.— Der leiht den geringen Leuten Geld— 5, 10, 20 fl.— wie die Noth ſie treibt und nimmt fuͤr den Gulden wöchentlich einen Groſchen Zins.
K. Nun da iſt doch den armen Leuten geholfen.
M. So!— geholfen!— So hilft der T—! Du denkſt wohl ein Groſchen iſt eine Kleinigkeit? Laß ſehen, ob du rechnen kannſt. Vom Gulden einen Groſchen macht von 10 Gulden 30 kr.— nicht wahr?
K. Ich denke— ja.
M. Nun ja 30 kr. wöchentlich von 10 fl. und da das Jahr 52 Wochen zählt, ſo tragen dem J. H. 10 fl. jährlich 52mal 30 kr. oder— nun ſag, wie viel?
K. Ja wart'— 30 kr. iſt ein halber Gulden—
52 halbe Gulden ſind— 25— ſind 26 Gulden.
M Richtig 26 fl. Zins von 10 fl. Kapital. Und 100 fl. Kapital, wie viel Zins?
K.(Reibt die Stirne und beſinnt ſich.)
M. Nun's will nicht gehen? Frage deinen Käs—
per, der wird dir ſagen, daß es 260 fl. Zinſen macht.
K. O geh'— 260 fl. Zins von 100 fl. Kapital! Ich zahle dem Herrn Verwalter nur 5 fl.
M. Ja— man ſollte es kanm glauben— 260 fl. Zins nimmt der—, während ein redlicher Mann mit 4 und 5 fl. ſich begnügt. Und dabei treiben die feinen Leute noch andere Händel. Damit ſie ihre Zinſen ſicher empfan— gen, nehmen ſie dieſelben häufig vom Kapital weg. So hat neulich ein Mann aus meiner Nachbarſchaft 60 fl. geliehen. Der J. nahm aber ſogleich 10 Gulden Zins zurück und der arme Betrogene ſtellte einen Schein auf 60 fl. aus.
K. Das iſt aber doch ſchändlich! denen ſollte man doch das Handwerk verbieten.
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M. Ja wohl ſollte man es und mich daͤucht es würde auch ſicher geſchehen, wenn die Behörde ſolche Hän— del erführe.
K. Könnte man die Sache aber nicht vor dem Ge— richt anklagen?
M. Ja, gewiß könnte man dieß.— Wer will es aber thun? Jeder fürchtet das Amtsgeläuf und ſo verlieren die Unglücklichen endlich das Hemd auf dem Leibe.
2. Y. 3.
Zur wetterauer Chronik.
Friedberg. Neueſte Spuckgeſchichte. Seit einiger Zeit ſchon gieng das Gerücht, in der vor der Stadt gelegenen Mühle des Herrn Vorbach treibe ein erſchreckliches Geſpenſt ſeinen Spuck; zwiſchen 6 und 7 Uhr Abends er— ſcheine es, ſetze ſich an eine in den Garten gehende Thüre des Hauſes und verſchwinde dann wieder nach kurzem Auf⸗ enthalte und ſtumm, wie es gekommen. Bald ſetzte man hinzu: das müſſe wohl der Geiſt des Soldaten ſein, der vor Jahren(am 29. April 1817.) in der Nähe der Muͤhle eines unbußfertigen Todes geſtorben ſei, und als die Ein— bildungskraft einiger müßigen Köpfe ſich des Stoffes nur erſt bemächtigt hatte, da ließ man das Geſpenſt bald mit einem Knalle durch das Dach fahren, bald mit einem lan— gen feurigen Schweife durch eine Dachöffnung hinein und durch die andere wieder„herauspurren“ und— verſchwinden. Einige beherzte Männer von hier faßten zuletzt den Ent— ſchluß, den Geiſt zu bannen. In Begleitung vieler Anderer giengen ſie eines Abends an den Ort, wo das Geſpenſt ſchon öfter ſollte erſchienen ſein. Auch heute ließ es nicht auf ſich warten. Einer aus der Menge— ſo wird erzählt — rief, als er den hölliſchen Spuck ſah: Herr Gott, ſei meiner armen Seele gnädig und: alle guten Geiſter loben Gott den Herrn, aber die Führer des Zuges ſchritten, wenn ſchon(wie ſie ſelber ſagen) nicht ohne Grauen, dem unheim— lichen Gaſte näher, zogen ihm den verhüllenden Lacken vom Geſicht und ſiehe— es war Herrn Vorbachs Muͤllerburſche,


