Ausgabe 
23.11.1844
 
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% 371.

Zur Aufnahme in das Intelligenzblatt zu Friedberg.

Die Redaction iſt veranlaßt worden, als Erwiederung auf den Art.der heilige Rock zu Trier, welcher in Nr. 86 des Intelligenz⸗ Blatts enthalten iſt, den A. Artikel aufzunehmen, und hiermit die ſtattgehabte Verhandlung zu ſchließen.

Mainz den 31. October. Wir wurden mehrfach angegangen, auf einen Brief das Geeignete zu erwiedern, welcherJohannes Ronge, katholiſcher Prieſter unterzeichnet, gegen den Hochwürdigſten Biſchof Arnoldi von Trier, bezüglich der Trierer Feſtlichkeit gerichtet iſt und zuerſt in den Sächfiſchen Vaterlandsblättern erſchienen, von da in andere Blätter übergegangen iſt. Wir meinen nicht, daß es nöthig oder auch nur paſſend ſep, jenem Schreiben, daß ſein Gegengift in ſich ſelber trägt, eine Beſprechung zu widmen. Iſt der Verfaſſer wirklich ein katholiſcher Prieſter, ſo möchten wir ihn recht angelegentlich dem Gebete unſerer Leſer empfohlen haben; im Uebrigen benutzen wir dieſe Gelegenheit, um über⸗ haupt den Standpunkt feſtzuſtellen, von welchem dergleichen Vorkommen⸗ heiten zu beurtheilen find: die katholiſche Kirche hat in der Kirchen⸗Ver⸗ ſammlung von Trient als Glaubenslehre ausgeſprochen, daß es erlaubt ſey, Reliquieen zu verehren. Dieſe Erlaubtheit der Reliquienverehrung kann alſo Niemand läugnen,(wie es der Sendſchreiber gethan) ohne daß er dadurch aufhört, ein Mitglied der katholiſchen Kirche zu ſeyn. Ob ein Katholik dieſe oder jene Reliquie verehren will, iſt dann ſeine Sache, wie es auch ihm überlaſſen iſt, vernünftiger oder unvernünftiger Weiſe dieſe oder jene Reliquie für ächt oder unächt zu halten und ſich darüber aus⸗ zuſprechen. Desgleichen ſind wir weit entfernt, ein Recht, welches die katholiſche Kirche ihren Angehörigen einräumt, denen die außer der Kirche ſtehen, abzuſprechen. Rur eines darf in ſolchem Falle von Katholiken und Nichtkatholiken allzumal erwartet und gefordert werden, daß man ſeine Meinung in ſolcher Weiſe ausſpreche, daß dadurch diejenigen, welche mit gleicher Berechtigung der entgegengeſetzten Meinung ſind, nicht ungerecht verletzt werden und daß der Sache, welche man für gleichgültig hält, die aber andern ehrwürdig iſt, keine Verhöhnung widerfahre.

Was ſieheſt du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirſt nicht gewahr des Balken in

deinem Auge? (Chriſti Bergpredigt Matth. 7, 3.)

Unlängſt fuhr Herr S. aus X mit ſeinem Knecht nach

einem benachbarten Ort um eine Fuhr Hafer zu holen. Herr S. war mit dem Handelsjuden den nähern Fußweg gegangen und erwartete bei Herrn Sch., bei dem der Hafer gefaßt werden ſollte, den verſpäteten Knecht.Du biſt lange geblieben redete der Herr ſeinen Knecht an.Ja wohl bin ich lange geblieben,erwiederte derſelbe,der Donner ſoll ſol⸗ chen Weg holen, den fahre der T.; geladen fahre ich nicht dahin, ich will lieber den doppelten Weg auf der Chauſſee fahren. Herr Sch., dieſe Aeußerungen vernehmend, trat ſichtlich angegriffen in das Haus zurück und redete dann Herrn S. wie folgt an.Herr S., wie können Sie aber einen ſolchen gottloſen Knecht im Haus dulden? Will bei

mir ein Knecht oder eine Magd in Dienſten ſtehen, ſo mi ſen dieſelben ſich alles Fluchens enthalten. Die Herrſchaf

ten können ſo viel zur Frömmigkeit ihrer Dienſtboten bei 1

tragen, und das iſt ihre Pflicht.Da haben Sie auch vollkommen recht, Herr Sch. daß es Pflicht der Herrſchaf iſt, ihre Dienſtboten zur Frömmigkeit hinzuleiten. de Knecht iſt übrigens, das allerdings ſehr tadelnswerthe Fln⸗ chen abgerechnet, ſo ſchlimm nicht. Sein Unwille, den e

auf ſo unpaſſende Weiſe ausſprach, hat eigentlich ſeineß

Grund in der Liebe zu ſeinen Pferden und der Sorgfal für das ihm anvertraute Geſchirr. Er iſt auch ſonſt gam an ſeinem Platze, und wenn er das abſcheuliche Fluchen unterließ, ſo wüßte ich wahrlich keinen beſſeren Knecht z bekommen. wenu ich ſelber gehe. Geld, Wagen, Pferde und Allet kann man ihm ohne Weiteres anvertrauen. iſt ihm, trotz ſeinen derben Aeußerungen, ganz gegen di Natur; noch nie habe ich vernommen, daß er einem Thier vielweniger noch einem Menſchen muthwillig etwas zu Leid gethan.Nun das gebe ich zu, äußerte Sch.man muß aber doch auch gottesfürchtig ſein.

MWoährend dieſe beiden Herrn ſo redeten, hatte der gott loſe Knecht ſeine Pferde beſorgt und war eben zur Thü herein getreten. Ehe er ſich niederſetzte, bemerkte er einen Vogel mit den Beinen an eine Schnur befeſtigt an den Wand hängen, bald hin und her flatternd, bald ängſtlic ſich an der Wand anklammernd. Die Jungen des Herm Sch. aber luſtirten ſich an der Qual dieſes armen Thiere Wer hat denn den Vogel da angebunden? fragte del Knecht mit Entrüſtungihr Buben, ſchämt Euch doch, daß Ihr das arme Thier ſo quälen mögt, laßt's los und geh ihm ſeine Freiheit! Solche böſen Jungen haben do gar kein Gefühl, wendete er ſich zu ihrem frommen Vaten und weil Niemand es wollte, zog er ſein Meſſer aus den Taſche, löſte den Vogel von ſeiner Bande und ſchenkg ihm die Freiheit.O geht ſo meinte der Fromme das iſt ja ein Spatz, die müſſen wir vertiigen, wo w können, denkt nur an den Waizen, den ſie Eurem Herm jährlich rauben.Das wohl erwiederte der Knecht, ich tödte ſie auch und mein Herr tödtet ſie, aber er win nimmer ſo gottlos ſein und wird es dulden, daß ſeine Jur⸗ gen ein armes Thier ſo quälen. Herr S., der die Verla genheit des Herrn Sch. verſpürte, in die der gottloſe Knechnl denſelben dießmal gebracht, machte nun Anſtalten zum Hafels faſſen und dachte bei ſich:An ihren Früchten ſolllt ihr ſie erkennen.

Wenn ich ihn ſchicke, ſo iſt es ſo gut, agg Und Grobhen

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Bekanntmachung.

(14310 Montag den 25. d. M., Vormit⸗ tags um halb 11 Uhr, ſoll in hieſigem Rath⸗ bauſe das Reinigen der Straßen in hieſiger Stadt und die Armen Fuhren von Ort zu Ort für das Jahr 1845, ſodann die Liefe⸗ rung des Brennöls zur Straßenbeleuchtung und Nachtwache für das 1. halbe Jahr 1845, öffent⸗ lich an Wenigſtnehmenden verſteigert werden.

Friedberg den 7. November 1844. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter

D. Fr iſtz. Bekanntmachung.

0

(1432) Montag den 25, d. M., Vormit⸗ tags um 11 Uhr, ſoll in hieſigem Rathhauſe

das Einkommen von den Marktſtänden und der Butterwaage, ſowie auch das der Stadt waage für das Jahr 1845 öffentlich an Meiſt⸗ bietenden verpachtet werden. Friedberg den 7. November 1844. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter D. Lieferungen-Veraccordirung.

(1483) Die Lieferung

1) des erforderlichen Brodes,

29 1 Oeles und der Talg Lichter,

3) der 1 Schuhe, Sohlen und Flecke,

pro l. Semeſter 1845, ſodann 4) von 240 Stecken Buchenſcheitholz auf das Jahr 1845,(dieſes im Ganzen oder auch in Partieen à 80 Stecken) 8 für die Garniſon Friedberg wird auf dem Soumiſſionswege in Accord gegeben. Deßfallſige Forderungen ſind verſiegelt und mit der Aufſchrift der betreffenden Lieferung verſehen, längſtens bis zum 28. d. M., Vor⸗

mittags um 9 Uhr, in das am Eingange del hieſigen Militärverwaltungsbureaus befindliche;

Käſtchen einzulegen, und es werden die eil,

gegangenen Soumiſſionen, wobei die Soumt⸗

tenten oder Stellvertreter derſelben zugegen

ſein können, an den erwähnten 28. d. M,

wie folgt, eröffnet:

a) über das Oel und die Talglichter, Vor mittags um 9 Uhr, a

b) über die Schube, Sohlen und Flecke, Vol mittags um ½l0 Uhr,

c) über das Brod, Vormittags um 10 Uhr,

d) über das Holz, Vormittags um ½11 Uhr, Hierbei wird bemerkt:

1) daß die betreffenden Lieferungsbedingun gen auf dem erwähnten Verwaltungs

bureau zur Einſicht offen liegen,

2) daß unleſerlich geſchriebene, oder unter ſchriebene Soumiſſionen, oder ſolche ohm Namens Unterſchrift, Bezeichnung det;

Wohnortes des Soumittenten und Da tum, nicht berückſichtigt werden,

3) daß an die Gebote keinerlei Bedingungen

oder Vorbehalte geknüpft werden dürfen,

ſeution he an unt cen* sie den E* 40 eng ache

ieigerung Lell Montituns

I) Montag den 0 ür und 66 a0 I herden in dem J 5 Kaoſtercaſerne deu g Militar⸗ getragene Militär. Ae, Spencer, Han! Ie und leinene Pane Aachen, Hemden, S de, Tacos, Tormiſt ln ausrangirte Caf Aleguiſten, namen! Dett⸗Teppiche, Teo und partpieenwe Aung verſteigerk.

Die Herrn Bürge Miedbergs werden erſu da Wen ee de ſuſen zu wobed, daß Aigung um die demer ird.

Friedberg den 1.

Brennhol, 11506) Die Liefer Muchen und 200 St. hende Brennholz don auf das Jahr

et Soumiſſon, un

8) einmal mit dieſ zelnen Stecken b) einmal in 180 was der obigen ebenwohl im Wenigſegebot ausge Es werden dahe Aebernahme erwähn

0. rüngeh 5 worü

fdingunge