Ausgabe 
23.3.1844
 
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Intelligenz-Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Maͤrz

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. treffend: Den Abgang der Landbeſchäler auf die Geſtütsſtationen.

Sie haben alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu brin gin, daß am 8. d. M. die Landbeſchäler auf die Geſtüts⸗ ſütion zu Altenſtadt abgegangen ſind.

Friedberg den 16. März 1844.

Küchler.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.

Fitreffend: Die Entweichung des Peter Großhaus angeblich von Haarbach aus dem Amtsgefängniſſe zu Hochheim.

Der Rubrikat iſt nach einem Schreiben des Herzoglich Niſſauiſchen Amtmanns zu Hochheim in der Nacht vom 11. auf den 17. d. M. aus dem Amtsgefängniſſe dortſelbſt mt noch zwei andern Arreſtanten entwichen.

Ich weiſe Sie an, auf denſelben zu invigiliren, ihn in Betretungsfalle zu arretiren und anher einliefern zu laſſen.

Grünberg am 19. März 1844.

Of ue eier

Signalement des Peter Großhaus: Alter 36 Jahre, Größe 57 3, Haare braun, Augenbraunen braun, Augen gau, Naſe gebogen, Mund gewöhnlich, Statur unterſetzt, kltuer zerriſſener Kittel, rothe Zipfelmütze.

Zur wetterauer Chronik.

Am Sonntag den 3. d. M. hatten in Steinfurth nehrere Schulknaben, wie dort und an noch manchem Orte Ibräuchlich, das Läuten zur Kirche verrichtet, als einer drſelben, Namens Joh. Volp, 13 Jahre alt, um das herunterſteigen der Thurmtreppe zu ſparen, gegen die War⸗ nung ſeines Kameraden, ſich an dem Glockenſeile hinabzu chen verſuchte. Kaum hatte er jedoch das mürbe Seil

ergriffen, als ſolches oben brach, und der Junge, herab⸗ ſtuͤrzend, auf der Stelle todt blieb. R.

Wie Einer einen Advocatem überliſtet als hätt' ihn der Advocat das ſelbſt gelehrt. (Aus Wickram's Rollwagenbüchlein, vom Jahr 1555.)

Ein Bauersmann ward vor dem Gericht um einer Sache willen verklagt und verſah ſich dazu, daß er ohne Geld nicht davon kommen werde. Das klagt er einem Ad⸗ vocaten, der ſprach zu ihm: Ich will Dir ſagen, wie Du Dir aus der Sache helfen kannſt und keine Koſten und kei⸗ nen Schaden zu tragen haſt. Aber Du mußt mir vier Gulden dafür bezahlen.) Der Bauersmann war dieß zu⸗ frieden und verſprach ihm die vier Gulden, ſofern er ihm aus der Sache nur hülfe. Alſo gab ihm der Advocat den Rath, wann er vor das Gericht kame, ſo ſolle er, man frage ihn auch da, was man nur wolle, keine andere Antwort geben, als das einig Wort: blä! Da ſie nun vor das Gericht kamen und auf den Bauersmann viel geklagt ward, konnte man kein ander Wort aus ihm bringen, denn blä! Alſo lachten die Herrn und ſagten zu ſeinem Advocaten:Was wollt Ihr von ſeinetwegen vorbringen? Sprach der Advo cat:Ich kann nichts für ihn reden, denn er iſt ein Narr, und er kann mir auch über nichts Ned' und Antwort geben, was ich für ihn reden ſoll. Es iſt nichts mit ihm anzu⸗ fangen, wie die Herrn ja ſelbſt hier ſehen. Man muß ihn billig für einen Narren halten und ihn freiſprechen. Alſo wurden die Herrn des Raths einig und ſprachen ihn los. Als nun der Advocat und der Bauersmann zuſammen heim⸗ giengen, forderte der Advocat die vier Gulden von ihm. Da ſprach dieſer:blä! Der Advocat ſprach:Du wirſt mir das Geld nicht abbläen! Ich will mein Geld haben! Aber der Bauersmann antwortete:blä und weiter kein Wort. Da gieng der Advokat vor das Gericht und ver klagte ihn, und als ſie beide vor dem Gericht ſtunden, ſagte der Bauersmann allweg:bla! Da ſprachen die Herrn 1) Dieß Rollwagenbüchlein enthält eine Anzahl luſtiger Geſchichten, mit

deren Erzählungen ſich die Kaufleute die Zeit kürzen ſollten, wenn ſie auf den damals üblichen Rollwagen auf die Meſſen und von den Meſſen fuhren. Solche Zeitkürzung aber brauchte man vor 300 Jah⸗ ren im Reich, wo die Fuhrwerke oft bis an die Achſen in den Glei⸗ ſen giengen und deßwegen ſo langſam, daß eine Schnecke hätte Vor- reiter ſein können. W.