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„ Intelligenz-Olatt
De für die
wee Provinz Oberßbeſſen vein“ im Allgemeinen, f. die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
den. und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Mittwoch, den 22. Mai
Acc Pegen der Pfingſtfeiertage erſcheint Mittwoch den 29. d. M. keine Nummer d. Bl.
— 1315 Ueber Leſevereine auf dem Lande. 2 — Das Beſtreben auch die untern Claſſen des Volkes — uf ine höhere Stufe der Bildung zu erheben, offenbart dae ſch einahe in allen Ländern und Staaten des europäiſchen und Znkidteils. Die Schulen werden faſt allenthalben verbeſſert ind wie viel auch noch zu thun übrig bleibt, wir ſind wei— et kommen, als vor einigen Jahrzehnden. Nicht blos für — i ulpflichtige Jugend, nein auch für die Erwachſenen So irdgeſorgt. Fortbildungsanſtalten werden überall für nö— ang. buch igerkannt, hier und da auch ins Leben gerufen. Ja ſelbſt kü ie noch weiter im Allgemeinen Vorgeſchrittenen ſucht Inn zu wirken. Nützliche lehrreiche Bücher unter den Bür- — ern und Landleuten zu verbreiten, dafür iſt man beſonders In uſſerm deutſchen Vaterlande thätig. Es hat ſich in Zwi— ku dein Verein zur Verbreitung geeigneter Volksſchriften % geblet. Leſegeſellſchaften entſtehen hier und dort. Die Bü⸗ chen rzeichniſſe kündigen jede Meſſe zahlreiche populäre Schrif— zen ls neue Erſcheinungen an. Sie müſſen gekauft wer— der ſonſt würden ſie keine Nachfolger finden. Das Bedürf— iß u leſen und ſich zu belehren, ſcheint alſo auch in die „ bätn der Handwerker und Dorfbewohner gedrungen zu ein Wer ſollte ſich deſſen nicht freuen? Gewiß iſt die Be— „ cchöft gung mit einer zweckmäßigen Lectüre ein wirkſames Mittll, das Herz zu veredeln und den Geiſt zu bilden. Ade unſere Bemühungen für die Schulen und deren Erwei— „terug über das Confirmationsjahr werden von geringerem „ Etfoge ſich zeigen, wenn nicht für Bewahrung der geſam— malta Kenntniſſe und für deren Vermehrung auch in ſpä— tezen Jahren möglichſt geſorgt wird. Und wie können neue —Eiddkungen, Verbeſſerungen in dem Betrieb der Landwirth— 4* ſchaf, u. ſ. w. Gemeingut des Volkes werden, wenn nicht 547 die etreffenden Zeitſchriften und Abhandlungen in volks— thüxracher Form die Unwiſſenden darüber belehren? Fehlt mit den landwirthſchaftlichen Gewerbsvereinen das beſte 81 Mbit l, auf diejenigen zu wirken, denen es beſonders nöthig —iſiſ wenn nicht der Sinn fürs Leſen geweckt und demſelben „Fzutzech Befriedigung dargeboten wird? Iſt es nicht zu wün— e ſahn, daß unſere Landleute über den engherzigen Stand— ne pk ihres Heimathsortes erhoben werden und überhaupt n fin las Wohl der Menſchheit Theilnahme beweiſen? Kann die nicht durch paſſende Schilderungen aus dem Völker⸗ lekr geſchehen? Wird nicht durch Reiſebeſchreibungen und
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dergl. das Intereſſe an fremden Ländern und Nationen ge— weckt? Können nicht einzelne Darſtellungen aus der Vater— lands- und allgemeinen Menſchengeſchichte wahre Vater— landsliebe befördern? Können nicht einzelne Beiſpiele aus der Wirklichkeit oder auch zweckmäßige Dichtungen die Schön— heit der Tugend, den Frieden der Gottſeligkeit auch dem Ungebildeten vor die Augen führen, daß er neuen Muth und neuen Eifer für das Gute erhält? Wirkt nicht oft die Bekanntſchaft mit einem nützlichen Buche mehr, als das ſchnell voruͤbereilende Wort mündlicher Belehrung und Er— mahnung? Und noch Etwas, das Beachtung verdient— kann nicht dem Wirthshausbeſuche und den traurigen Nach— wirkungen deſſelben dadurch Einhalt geſchehen, daß wir den Familienvater und die erwachſenen Söhne durch eine inter— eſſante Erzählung in dem Familienkreiſe feſthalten? Nein, wir können es dem im Sommer vielfachbeſchäftigten Land— mann nicht verargen, wenn er im Winter Erholung ſucht. Hat er jetzt ſeine geringere Tagesarbeit vollendet, ſo will er auch eine angenehme Unterhaltung. Er beſucht wohl zu— weilen den gleichgeſinnten Freund, doch auch häufig die Zechſtube, um Geſellſchaft zu haben. Gelegenheit macht Diebe. Mancher Groſchen wird verzehrt, vielleicht, was am Schlimm— ſten iſt,— der Grund zur Trunkſucht gelegt. Kartenſpiel, Streitigkeiten u. ſ. w. ſtehen noch neben bei auf der Tafel, welche die Nachwehen der Zechgeſellſchaften dargeſtellt. Wäre es nicht zehnmal beſſer, die eigne Wohnung feſſelte einen Jeden, daß er nur ſelten nach der Schenke ſich ſehnt? Dieſe angedeuteten Gründe, denen ich leicht noch andere hinzu— fügen könnte, bewogen mich, an mehreren Orten für die Errichtung von Leſevereinen thätig zu ſein. Auch hat der Erfolg meinen Erwartungen entſprochen. Ich habe von ver— ſchiedenen Seiten bie Verſicherung erhalten, das Ausgehen am Abend wäre bei einzelnen Theilnehmern wenigſtens ein— geſchränkt worden. Auch fand ich bei den Landleuten grö— ßere Theilnahme, als ich erwartet hatte. Ich glaube, daß es nicht unpaſſend iſt, meine gemack Erfahrungen zur Prüfung vorzulegen, und ſie bei Berathung über Statuten ind dergl. zur Berückſichtigung zu empfehlen.
1.) Man ſuche Anfangs diejenigen Ortsbürger aus, von denen man Theilnahme vermuthet, und achte es nicht, ob es auch Wenige ſeien. Das Neue findet nicht überall gleich den erwünſchten Eingang. Der jährliche Beitrag darf nicht zu hoch und nicht zu niedrig ſein, daß ſich Etwas da—


