dige
ntelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. tetreffend: Den Abgang der Landbeſchäler auf die Geſtütsſtationen.
Sie werden alsbald zur öffentlichen Kenntniß bringen, ſuß die Landbeſchaͤler auf den Geſtütsſtationen dahier und 1 Ullrichſtein eingetroffen ſind.
Grünberg am 13. März 1844.
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Concert zu Butzbach.
Das Concert, welches den 17. Marz in dem freund— chen Becker'ſchen Saale zu Butzbach ſtatt fand und worauf ſhon in Nr. 21 d. B. aufmerkſam gemacht wurde, lieferte ir doppelter Beziehung ein gunſtiges Reſultat: faſt alle Vor⸗ täge wurden vorzüglich gut ausgeführt und das Publikum ſellte ſich ſo zahlreich ein, daß von der Einnahme, nach des Ein⸗ ſnders unmaßgeblicher Berechnung, wohl 80 fl. zum Bau der kirche nach Großlumda wandern werden. Durch die Her— zn Albach, Schuſter, Steinhäußer und Wirthwein purde das Concert mit einem Quartett eröffnet. Hierauf ſolgten abwechſelnd Geſangsvorträge durch Fräulein Hiepe, herrn Heyer und Herrn Pilger von Gießen, die für die zuhörer ſtets eine angenehme Erinnerung bleiben werden. berr Rektor Algeier trug auf ſeinem Fortepiano(einem vortrefflichen Inſtrumente) Fantaſie über Motive aus den hugenotten, von Thalberg, und Impromptu und Romanze, bon Dreyſchock, mit Gefühl und großer Präciſion vor; von ginz beſonders ergreifender Wirkung war der Choral in der eſten Piece. Herr Kreisbaumeiſter Holzapfel von Grün— berg verherrlichte den Abend durch ſeine Violine, auf der e Meiſter iſt. Wenn der Bau unter ſeiner Leitung empor— ſeigt(Großlumda liegt, wenn wir nicht irren, in ſeinem baubezirke), ſo möge er ſeiner Violine gedenken, die durch ten Zauber ihrer lieblichen Töne den Bau fördern half. Nöge überhaupt das ſchöne Beiſpiel ſämmtlicher Mitwir⸗ knden, durch ihr Talent mit freundlicher Bereitwilligkeit eine ute Sache fördern zu helfen, auch anderwärts Nachahmung inden. Möge ſich dann aber auch ein ſo verhältnißmäßig lahlreiches Publikum finden, wie es bei dieſer Gelegenheit in Butzbach war.
Mittwoch, den 20. Maͤrz
Wetterauer Sagen.
II. Die Sage, wie die drei Ortsnamen Okarben, Groß— karben und Kleinkarben entſtanden ſind.
Vor Alters einmal gieng ein Mann an der Nid fiſchen, da wo jetzt Okarben ſteht. Er ſah einen Karpfen und hätte ihn gern gehabt; aber der entwiſchte ihm und er rief traurig aus:„O, Karpfen!“ Darum wurde der Ort hier Okar— ben geheißen. Doch verfolgte der Mann den Fiſch die Nid abwärts, bekam ihn aber uicht eher wieder zu Geſichte, als da, wo jetzt Großkarben ſteht. Der Karpfen war ſo groß und ſchön, daß er ausrief:„Großer Karpfen!“ Aber er konnte ihn wieder nicht fangen, und der Ort, wo er ſo ge— rufen, wurde Großkarben genannt. Zuletzt erblickte er den Fiſch noch einmal, weiter abwärts in der Nid, und als dieſer ihm auch da entwiſchte, rief er ärgerlich, ohne ihn weiter zu verfolgen, weil er mud war:„Kleiner Kar— pfen!“ Darum heißt der Ort, wo dieß geſchah, Klein— karben.“) W..
r Zur wetterauer Chronik.
Wieder ein Opfer des Branntweins. In Münſter, Kreiſes Friedberg, trank den 16. März 1844, in Folge einer Wette, Münch von Fauerbach J. einen Schoppen Branntwein, dann Oel und darauf wieder einen Schoppen Branntwein. In der folgenden Nacht mußte er dieſe Unmäßigkeit mit dem Leben büßen.
) Daß dieſe Sage eine erſt ſpät entſtandene iſt, die ſich aus dem falſch verſtandenen Namen der Orte entwickelte und die Herleitung derſel— ben volksverſtändlich zu machen ſuchte, erſieht man ſchon aus unſrer wetterauiſchen Sprache, welche Karben und Karpfen wohl unter- ſcheidet, indem in ihr jener Name Koarwe, dieſes Wort(Karpfen) aber Koarpe lautet. Der Ortsname(Karben) iſt ſchon ſehr frühe entſtellt oder verdorben(bereits unter den Karolingern kommt Carben vor) aus Carbah. Dieß aber würde vollſtändig Carabah, eigent⸗ lich Charabah(Charbach, Karbach) lauten, wie denn auch andre Orte und Bäche ſo genannt werden; die Bedeutung iſt„Klagebacha, von altdeutſch chara d. i. Klage, woher auch unſer Charfreitag(d. i. Klagefreitag) kommt. Alſo wäre Karben:,„zu dem Klagebach.“ Nun ſind Großkarben(Grozinkarbin, Carben majus) und Klein- karben(Carben minus) leichtlich zu erklären, aber Okarben nicht. Man müßte dann unter deſſen früherem Namen Akarben,(welches altdeutſch acarabah, acharabah lauten würde):„zum Orte, wo der Klagebach aus iſt(aufhört),“ verſtehen.


