Ausgabe 
17.1.1844
 
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len, iſt nach Art. 36 des Geſetzes vom 19. März 1836, die Stellvertretung im Militärdienſt betr., diejenigen als zur Stellung von Stellvertretern unvermögend anzuſehen, welche nicht die Aſſecuranzzumme von 95 Gulden zu be⸗ ſtreiten vermögen.. Bis längſtens den 10. Febr. d. J. erwarte ich die ganz vollſtändig aufgeſtellten Ortsliſten, Depotanſprüche ꝛc. eingeſendet, widrigenfalls an die Säͤumigen Wartboten ab⸗ ehen. * Die nachſtehend verzeichneten Leute ſind zur Muſterung für 1844 verwieſen und es ſind daher dieſelben in die betr. Ortsliſten aufzunehmen.

Bellersheim: Heinrich Jüngel. Gambach: Heinrich Metzger. Holzheim: Konrad Seipp. Langs⸗ dorf: Johann Heinrich Roth. Laubach: Johann Wil helm Mauer. Gonterskirchen: Johann Konrad Graf. Lich: Karl Friedr. Müller.

Das Fomularpapier wird Ihnen zugeſendet werden.

Hungen den 11. Januar 1843.

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An die Großh. Bürgermeiſter des Landgerichtsbezirks Friedberg.

Wir benachrichtigen Sie, daß in Folge der eingetrete nen Veränderung bei dem hieſigen Gerichte die Geſchäfts tage von Florſtadt und Wickſtadt künftig auf den Donner⸗ ſtag, von Ilbenſtadt dagegen auf den Dienſtag beſtimmt worden ſind. Sie werden dieſes in Ihren Gemeinden als bald, mit dem Anfügen jedoch, bekannt machen, daß die be reits angeſetzten Termine noch zur beſtimmten Zeit abgehal ten werden.

Friedberg am 10. Januar 1844.

Großh. Heſſiſches Landgeicht. Hofmann.

Aus dem Vogelsberg am 12. Januar 1844.

Am 7. d. M. führte mich eine Geſchäftsreiſe nach dem oberheſſiſchen Städtchen Grünberg. Nachdem ich einige Freunde beſucht, wanderte ich einſam über die Trümmer der im Jahr 1816 eingeſtürzten Kirche dahin, eines Denk males frommer Jahrhunderte, das ich als Knabe noch in ſeiner ſinkenden Herrlichkeit geſchaut hatte. Wehmüthige Erinnerungen ſtiegen in mir auf, als ich ſah, wie die einſt ſo kühn emporragenden Gewölbe im Laufe der Zeiten zer⸗ fallen waren, wie ſelbſt die mächtig aufſtrebenden Säulen dem Untergange nicht hatten trotzen können; faſt mit Thränen im Auge blickte ich hin auf die ehrwürdige Linde, die ſeit ſo vielen Menſchenaltern daͤs erhabne Gotteshaus umſchattet, und die nun trauernd ob der Verwüſtung, in duͤſterer Einſamkeit dahinzuſterben ſcheint.

Als ich ſo ſchmerzlicher Empfindungen voll, meiner Herberge mich wieder näherte, ward ich aus meinen Träu men geweckt durch eine heranſtrömende Schaar fröhlicher Jünglinge und kräftiger Männer. Der Geſangverein zu Grünberg hatte ſeine Brüder aus dem nahen Solms⸗ Laubach mit gaſtlicher Bereitwilligkeit eingeholt, und beide Vereine beabſichtigten, ein gemeinſames Concert abzuhalten, deſſen Erträge unverkürzt für eine demnächſt in Grünberg

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neu zu erbauende Kirche beſtimmt ſein ſollten.

zelen Abtheilungen bei dem Vortrag der Geſänge ſelbſt.

In angemeſſenen Zwiſcheräumen trugen einige jüngere Muſikfreunde verſchiedene Stücke auf dem Piano mit Fer⸗

tigkeit und Geſchmack vor.

Nach beendigtem Concert verbrachten die Mitglieder der beiden Geſangvereine noch mehrere Stunden in heitrer Geſelligkeit, und ich freute mich im Stillen des männlich anſtändigen Auftretens, welches bei dieſen wackren Bürgern bald in fröhlichen Liedern, bald in angemeſſenen Trinkſprü chen, wie in einer belebten, ungezwungnen Unterhaltung

ſich kund gab.

Aufs Neue ward bei dieſer Gelegenheit die ſchon frü- her gewonnene Ueberzeugung in mir befeſtigt, daß Vereine dieſer Art unſer Volk für edlere Ideen begeiſtern und einer

würdigeren Lebensanſchauung entgegenführen. Nehmet da⸗ rum meinen Dank, Ihr gemüthlichen Sänger, für die ge nußreichen Stunden, die der Fremdling unter Euch verlebt; empfanget den Ausdruck meiner Hochachtung, Ihr edlen Männer, die Ihr mit raſtloſem Eifer und unter vielfachen Sorgen dieſe Vereine gegründet und bis hieher geleitet habt. Nimm auch Du meine beßten Wünſche hin, Du befreundete Stadt; möge der Herr mit ſeinem Segen Dich und Deine Kinder umſchirmen, möge er es den Gläubigen in Deiner Mitte vergönnen, ſchon in wenigen Jahren nach einem neuen Tempel zu wallen, in dem ihre freudigen Dankgebete zu dem treuen Lenker aller Welten emporſteigen, in dem ſie Stärke des Glaubens, liebevolle Begeiſterung und Freudig⸗ keit der lebendigen Hoffnung finden können.

Ein Oberheſſe.

Kirchenbuchs-Auszug vom Dezember 1843. Grünberg. Getraute:

3. Der hieſige verwittwete Bürger und Wagner Philipp Röhm, des hieſigen Bürgers und Wagners Wilhelm Röhm ehelicher Sohn, und Margaretha Kreuder, des hieſigen Bürgers und Strumpfwebers Daniel Krender eheliche Tochter.

5. Der hieſige Bürger und Actuariatsgehülfe Johannes Weiß, des hieſigen Bürgers und Leinwebers Heinrich Ludwig Weiß ehelicher Sohn, und Rebecka Wilhelmine Hoffmann, des hieſigen Bürgers, Gaſtwirths und Ge meinderaths⸗ Mitglieds Johannes Hoffmann eheliche Tochter.

Die nähere Kunde von dieſem Vorhaben ergriff mich aufs Lebhafteſte, ich verlängerte ohne Bedenken meinen Aufenthalt in der mir befreundeten Stadt, und eilte zur feſtgeſetzten Stunde nach dem Concertſaale, wo ich eine zwar nicht ſehr zahl reiche, aber doch rege Theilnahme zeigende Verſammlung fand. Die beiden Vereine, von ihren Lehrern geleitet, führ ten eine Anzahl von Geſängen mit lobenswerther Präciſion aus, und es offenbarte ſich bei den Bewohnern der zwei Nachbarſtadte eine erfreuliche Uebereinſtimmurg der Geſin nung, wie ein anzuerkennendes Ineinandergreifen der ein

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