ntelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Sicherſtellung des Pferdebedarfs für den Fall der Mobilmachung der Bundescontingente.
Unter Hinweiſung auf mein unterm 16. Juni 1842 erlaſſenes, und in Nro. 25 des Kreisblatts von 1842 ent— haltenes Ausſchreiben, fordere ich Sie auf, die in Ihren Gemeinden befindlichen Pferde, welche zum Militärdienſt ſich eignen, im Monat Juli l. J. aufzunehmen, in die dort vorgeſchriebene Ueberſicht einzutragen, und ſolche bis zum 15. Juli ohnfehlbar anher einzuſenden.
Grünberg den 5. Juni 1844.
In Abweſenheit des Gr. Kreisraths: Hallwachs.
Geſundheitspolizeiliche Bekanntmachung.
b Alle Eltern in Friedberg, welche noch ungeimpfte, oder nicht mit ſicherem Erfolge geimpfte, Kinder, bis zum Alter von ſechs Wochen herab, haben, fordere ich, aus Veranlaſſung eines hier vorgekommenen Fal— les von wahren Menſchenblattern, auf, dieſelben unverzüglich impfen zu laſſen, wozu ich jeden Tag(ein meiner Wohnung, zwiſchen 11 und 12 Uhr Vormittags) bereit bin. Friedberg am 9. Junius 1844.. Der Großherzogl. Bezirksarzt Dr. Renner.
Sind unſre Waiſen ſo verſorgt, wie es die Humani— taͤt, wie es der Staat fordert.
Früher wurden die Waiſen unſres Landes, wie be— kannt, in einem eigens dazu erbauten Hauſe,„dem Waiſen— haus zu Darmſtadt /, in Gemeinſchaft, von dazu ernannten Erziehern und Erzieherinnen, bis zum 14. Lebensjahre erzogen und dann zu ihrem weiteren Fortkommen untergebracht.
Durch gute Gründe dazu bewogen, hat unſere hohe Staatsregierung vor Jahren dieſe Einrichtung aufgehoben
N
und angeordnet, daß künftighin die armen Verwaiſten an⸗ ſtatt dem Waiſenhauſe zu Darmſtadt ordentlichen Familien in ihrem Geburtsort oder unter Umſtänden auch anderswo zur Erziehung übergeben werden ſollten.
Dieſe Eiurichtung hat unſtreitig manches Gute vor der frühern voraus. Dahin mag vor Allem der Umſtand gerechnet werden, daß die Kinder ſo weniger aus den ge— wohnten Verhältniſſen geriſſen, und daß ſie in Familien erzogen werden. Das Kind des Landmanns, des Handwerkers ꝛc., tritt in ähnliche Verhältniſſe zu dem Pathen, dem Nachbar ꝛc., wofür derſelbe aus der Gemeinde- oder aus der Waiſenkaſſe angemeſſen entſchädigt wird;— und nicht ſelten wird dann der Pflegevater zugleich des Pfleglings Lehrmeiſter. Das und anderes Gute har dieſe neue Ein— richtung für ſich. Und— werden die Anordnungen, die die väterliche Fürſorge unſerer hohen Regierung weiter ge— troffen, treu befolgt, thun beſonders die Vorſtände des Ortes treu, was Ihnen hierbei zu than obliegt, ſo werden die Waiſen ſo unglücklich nicht ſein und werden, wie es am Grabe der Eltern ſcheint. Es giebt noch Menſchen, in deren Buſen warme Herzen ſchlagen, Menſchen, die geſchaffen ſind, ſolchen Verlaſſenen Vater und Mutter zu ſein. Aber wird— bei Verſorgung der Waiſen immer ſo vorſichtig und gewiſſenhaft zu Werk gegangen, als es der Gegenſtand fordert? Wird immer die gehörige Vorſicht getroffen, daß bei Bewerbung um ein ſogenanntes Koſtkind nur menſchenfreundliche und vernünftige Erzieher, nur gute Haus mütter berückſichtigt werden? Beobachte man ſolche verakkordirte Menſchlein, wie ſie oft bleich, ſchüchtern, mit düſtern Blicken und blauen Mälern— man nehme dieſe Schilderung nicht für übertrieben; Ein— ſender dieſes gibt ſie treu von Koſtkindern, die jedoch nicht immer im eigentlichen Sinn Waiſen ſind— dahin ſchleichen, ſo muß man das Gegentheil vermuthen, oder die Armen— Kommiſſion wird auf das Schändlichſte getäuſcht. Freilich, wenn durch übergroße Aengſtlichkeit in Verwaltung des Materiellen der Gemeinde, wenn durch Koncurenz die Ver— gütung mehr als zuläſſig herab geſchraubt wurde,“) dann iſt nicht immer zu erwarten, daß den Kindern von ihren ) Wir werden hier an eine Mittheilung aus dem Vogelsberge erinnert,
welche lautet:„In K. wurde ein uneheliches Kind, deſſen Mutter einige Tage zuvor geſtorben war, öffentlich an den Wenigſtneh— menden und, da wahrſcheinlich deſſen Forderung(wenn ich nicht irre 20 fl. pr. Jahr) noch zu hoch ſchien, zum zweitenmal ver— ſteigert.“ Die Red.


