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ſchweigen durfen? Und iſt es denkbar, daß die zum Theil noch lebenden Männer, welche ſich damals im Gefolge Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Emil befanden, auch nie ein Wort hierüber geäußert haben ſollten, wenn die Sache ſich wirklich ereignet hätte?
Friedberg im September 1844.
Prof. Ph. Dieffenbach.
* Der Ungluͤcksvogel. II.
Unglücksvogel nennt man nicht allein den, welcher Unglück hat, ſondern auch den, welcher Unglück bringt, von dem man wenigſtens glaubt, er bringe Unglück; und wenn es wahr iſt, daß es Unglücksvögel im erſten Verſtande gibt(S. Int.⸗Blatt Nro. 62), ſo möchte ſich das Vorhan⸗ denſein derſelben im andern Sinne des Worts gleichfalls kaum in Abrede ſtellen laſſen. Es klingt dieß allerdings verwunderlich und iſt auch ſo, aber die nachfolgende kurze Geſchichte möge ein Zeugniß für das Geſagte ablegen.
Dr. Sebaſtian Felix iſt der Name des Mannes, aus Leben deſſen ich heute einige Abſchnitte erzählen will. Grauſam hatte das Schickſal des Kindes geſpottet, als es daſſelbe unter dem Namen Felix“) geboren werden ließ, denn wie paßte dieſer Name zu dem, was Baſtian in der Folge ward— ein Unglücksvogel— wie zuerſt ſein eigener Vater ihn genannt hatte? Die Sache war die.
Der alte Felix war Rathsherr in einer Stadt und ein überaus reicher Mann. Unter ſeinen verſchiedenen Koſt⸗ barkeiten legte er einen ſehr hohen Werth auf ein von ſei— nem Urgroßvater überkommenes feines Kaffeegeſchirr, das eben darum auch im Staatszimmer zu Jedermanns Anblick auf einem Tiſche aufgeſtellt war. Einſtens nun, als Seba⸗ ſtian ungefähr 5 Jahre alt und mit ſeiner Mutter gerade im oben beſchriebenen Staatszimmer war, zog er das Brett, worauf das Geſchirr ſtand, vom Tiſche herunter, ſo daß es tauſend Scherben gab. Noch ſtierte die Mutter, wie vom Blitze getroffen, auf die Trümmer früherer Herrlichkeit, die zu ihren Füßen lagen, als der Rathsherr, durch das Geklin— gel der Scherben aus ſeinem Schläfchen geweckt, in die Stube trat und, den angerichteten Schaden bemerkend und ſogleich den Zuſammenhang der Sache erkennend, Baſtian⸗ chen mit den Worten andonnerte: Du Unglücksvogel du!—
Als ſpäter Baſtian die gelehrte Schule bezog, badete er einſt mit ſeinem beſten Freunde und kam, kaum daß er ins Waſſer geſtiegen war, in augenſcheinliche Gefahr zu er⸗ trinken. Sein Freund, die Noth, in der Baſtian ſchwebte, gewahrwerdend, ſprang ihm nach und half ihm wieder auf feſten Boden, er ſelbſt aber mußte ſeinen Edelmuth mit ſei⸗ nem Leben bezahlen und ſeit der Zeit nannte man in dem Gymnaſium den jungen Felix mit demſelben Namen, den ihm ſein Vater gegeben hatte, und noch viele andere Be— gebenheiten, die ich aber der Kürze wegen nicht alle an⸗
) Felix heißt der Glückliche.
ſchel v0 führen kann, hielten dieſe Benennung in fortwährze 00%, d a Erinnerung.% denn Je
Endlich bezog denn Felix die Univerſität und zu; b ae reichlich mit vielen Kenntniſſen und Fertigkeiten ech u hun q in ein Leben, in dem fonſt die Vorurtheile ſo ziemlig i, 2 verſchwinden pflegen, theils weil die Heiterkeit des ju, a 2 175 lich-freien Sinnes Alles im hellen Farbenſchmucke erſchiſg n läßt, theils weil man durch klares Erkennen der Wah bil es auch im Erkennen der Vorurtheile weiter bringt. 5 oy Felix war und blieb„der Unglücksvogel“— wo irgend eh e f Scherz, der gegen die, oft allzuſtrengen, akademiſchen g lie i Gdeluut ſetze verſtieß, gemacht wurde und Felix war dabei, da I are enz pielleid den gewiß die Theilnehmer zur Unterſuchung gezogen 10 1 ſeiner beſtraft und ſo auffallend war das Mißgeſchick, das in dy, I in Unſtern angebornen Beziehung den Fußſtapfen Sebaſtians nachſogg il hate, re daß er ſelbſt es für gerathen hielt, ſich, um ſeiner Freu 0 wum, 9 willen, mehr und mehr von den geſelligen Vergnügung bea e. 5 u. ſ. w. größerer Maſſen zurückzuziehen. ülig v
Für ſeine Studien war dieß von großem Vortfi 1 was il nachdem er 4 Jahre denſelben obgelegen hatte, era 1 25 d ſich die Würde eines Doctors der Geſammtheilkunde 1 den K vieler Auszeichnung, beſuchte dann noch die großen Spiag n G98 in Wien, Berlin, London und Paris und ließ ſich zul iin je in ſeiner Vaterſtadt als praktiſcher Arzt nieder. ban in 11
Wie es zu geſchehen pflegt, ſo geſchah es auch* n Dr. Felir— er wurde in der erſten Zeit ſeines ärztich fen, ſichen, Lebens von Kranken und Geſunden wahrhaft überlaiſe dn neden nn von Kranken, die bei den andern Aerzten bisher un nibe gewordel ihre Geneſung geſucht hatten und nun zu dem jungen is Gegenteil tor als zum eigentlichen Erretter aus jedweder Noth und wohl euch Leibes emporſahen und von Geſunden, die unverſtin eue Nabe genug waren zu meinen, man müſſe ſchon ein bischen iaß lernen, be ſein, um ſich ein Anſehen zu geben, und die darum i(bet nach de ein Gebreſte erheuchelten. Nicht lange aber, ſo wan abauet,— Mißgeſchick, das Dr. Felir bei ſeinen Patienten hatte,] Witern, wen Jedermanns Munde und ihm ſich anvertrauen hieß un der haben. fähr ſo viel, als einen Paß in jene andere Welt ſich!“—— ren laſſen. Das war, wie oben ſchon geſagt, la Kirchenb Folge ſeiner Unwiſſenheit, ſondern nur die Wirkung hen Unſterns, der über ihm waltete; Alle, ſelbſt ſeine Collega- und das will Etwas heißen— ſprachen mit Bewund un von ſeinem Wiſſen, aber auch Alle ſetzten dazu: ſchat- 4 er iſt ein Unglücksvogel. 25, Konrad
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Das zeigte ſich auch im geſellſchaftlichen Leben, u 0 wenn er einen Ausflug auf's Land mit ſeinen Frau Sohn
machte, gab's gewiß Regen; wenn er bei'm Kartſpiele il Morgar ter Eines Stuhle ſtand, kam derſelbe gewiß in Verluſt! ꝛc.— ſo daß man den Doctor am Ende wahrhaft für Bekannt und machte, wie es im Sprüchworte heißt, daß mam i immer drei Schritte vom Leibe blieb.
„Iſt aber der Mann zuletzt nicht ganz menſchenſen 5 geworden? hat er ſich nicht im Aerger und Verdruß dull n lei zwiſchen Büchern und Todtenknochen vergraben?“ Seu hubier
ö 3 fell“ duden Hundert Andere an ſeiner Stelle hätten es vie lch pu
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gethan, er aber that es nicht, und was war's, das g are, an der Klippe, an welcher viele Andere gewiß geſchen Mita,


