Ausgabe 
3.1.1844
 
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ſeinen Spielen zuſah und ſich an der ſußen Stimme deſſelben entzüͤckte. Dann ſieht ſie es in ſeinem Todtenkleide, die kleinen Hände gefaltet und den matten Roſenſchimmer, wel⸗ chen der Kranz über die blaſſe, kalte Stirne verbreitete! Schluchzend drückt ſie die Tochter der Freundin an die Bruſt; jetzt fühlt ſie erſt, wie viele Jahre ſeit dem Tage verfloſſen, wo ihr der Tod die noch immer blutende Wunde ſchlug.

Nicht ſelten tritt uns bei zufälligen Veranlaſſungen die Flüchtigkeit der Zeit entgegen, an die Veränderungen der Zeit wird man oft gemahnt. Allein dieß ſind immer bloß zufällige Veranlaſſungen, welche auch ausbleiben können und doch iſt es für uns Alle ſo wichtig, des Wechſels der Dinge beſonnen und ernſt eingedenk zu ſeyn, ſonſt werden wir Jahre lang meiden, was wir thun wollten, und thun, was zu fliehen unſer redlicher Vorſatz war. Die Natur weiß für Alles Zeit und Stunde; ſie ſagt dem Menſchen, wann er ſäen und wann er erndten, wann er thätig ſeyn und wann er ruhen ſoll. Wer ruhig genug iſt, die Natur zu fragen, der geht ohne Antwort nicht weg. Aber bei allen Dingen, welche von der Willensfreiheit abhängen, da muß der Geiſt des Menſchen Zeit und Stunde feſtſetzen und ſich ſelbſt eine Ordnung aufſtellen, wann das auszuführen iſt, was er will oder ſoll. Geſchieht dieß nicht, wird es bis zu gelegener Stunde aufgeſchoben, ſo ſteht der Menſch nach Monaten oder Jahren noch an derſelben Stelle. Endlich wenn's mit dem Aufſchieben und Hinhalten doch zu toll wird, ärgert man ſich über ſich ſelbſt und macht ſich hurtig auf, um das lang Verſäumte nachzuholen. Leider iſt's aber als⸗ dann oft zum Nachholen zu ſpät!

Es wird darum doch gut ſeyn, daß man den Jah⸗ reswechſel, der eine ſo nahe, ſo dringende und namentlich eine regelmäßig wiederkehrende Veranlaſſung darbietet, dazu anwendet, um ſich gleichſam an's Ufer des Zeitſtroms zu ſtellen und den Wellen nachzuſchauen, die er dem Meere der Ewigkeit zuführt, wie denen entgegen zu blicken, die er aus dem Meere der Ewigkeit ſchöpft.

Das Intelligenzblatt macht bei ſolchem Zurück⸗ und Vorwärtsſchauen auch eine Bemerkung, die ihm ſonſt unter dem täglichen Drängen der vielen Auftrage, die es zu be ſorgen hat, wahrſcheinlich entgangen wäre. Bereits zehn Jahre wandert es in Stadt uud Land unter den lieben Bewohnern der Wetterau und rechts und links noch etwas weiter einher.

Es hat in dieſem langen Zeitraume manches freudige, aber auch manches traurige Ereigniß miterlebt und viel Neues gehört und geſehen und keineswegs geheim gehalten. Es hat die Verfügungen und Anordnungen höherer Behörden, welche der Erhaltung und Erhöhung des Gemeinwohles ge widmet ſind, allen ſeinen Leſern mitgetheilt, damit Jedermann erfahren möge, wie ſehr der Regierung das allgemeine Beßte am Herzen liegt. Auch aus den Tagen der Vorzeit hat das Intelligenzblatt aus zuverläſſigen Händen manches Wiſſens⸗ werthe mitgetheilt und überhaupt dazu beigetragen,, Liebe zum Heimathlande und Werthſchätzung unſerer vaterländiſchen

Zuſtände auf die Einſicht zu bauen, daß wir dazu triftige Gründe haben. Das Wirken der verſchiedenen gemeinnützi

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gen Vereine im Großherzogthum, beſonders des landwirth⸗ ſchaftlichen und es Gewerb-Vereins hat das Intelligenz⸗ blatt an ſeinem Theile mit zu fördern geſucht, indem es wichtigen Rathſchlägen derſelben eine größere Verbreitung möglich machte.

Wie indeß kein Menſch, er mag wiſſen, haben oder können, was er will, weder für ſich ſelbſt auf befriedi⸗ gende Weiſe ſeines Lebens froh zu werden vermag, noch das Wohl ſeiner Mitmenſchen, ſey es nun in der Familie, in der Gemeinde oder im Staate wahrhaft und dauernd zu erhöhen im Stande iſt, ohne religibs⸗ſittliche Geſinnung, ſo hat das Intelligenzblatt auch lehrreichen Erzählungen und Aufſätzen, Liedern, Sprüchen u. dgl. ſeine Spalten geöffnet, wodurch das Fundament aller Wohlfahrt ſeine Pflege findet.

Die Gunſt, welche die freundlichen Leſer bisher dieſem Blatte bewieſen haben, wird es auch ferner durch ſtrenges Einhalten der Gränzen zu rechtfertigen ſuchen, die es ſich geſteckt hat und welche ſicherlich vom Publikum gutgeheißen werden.

Wir leben in einer Zeit, wo man auf allen Wegen dem Vollkommneren zuſtrebt, ja im Stiften von Vereinen zur Erreichung löblicher Zwecke gehn Einige ſo weit, daß Andere der Meinung ſind, man überſchreite damit alles Maaß. Es fehlt alſo an Solchen keineswegs, welche das Fortſchreiten zum Beſſeren zu verdächtigen und zu hemmen ſuchen. Durch dieſen Widerſtand mag ſich denn am beßten herausſtellen, welche Forderungen wirkliche Zeitforderungen ſind. Zeitforderungen kenneu kein anderes Loſungswort als das des Marſchalls Blücher. Mit dem Rufe:vor⸗ wärts dringen ſie unaufhaltſam zum Ziele und wer hierzu das Seine, ſey es wenig oder viel, redlich beiträgt, der kann die Freude mit empfinden, mit welcher jeder Fortſchritt im Guten edle Seelen erfüllt!

Ber ſch ie d en es.

11 Frau von D... hatte nur einen Sohn, einen Knaben von ſechs Jahren, dem ſie daher, aus mütterlicher Liebe, in Allem ſeinen Willen that. Eines Abends hörte ſie ihren Sohn auf dem Hofe, laut weinend und mit dem Fuße ſtampfend, einem Bedienten zurufen:Ich will es aber haben! Frau von D... öffnete ſogleich das Fenſter und ſagte zu dem Bedienten:Johann! ſei Er doch nicht ſo unverſchämt! Warum will Er dem Kinde nicht geben, was es verlangt? Ich befehle es Ihm!Gnädige Fraul ver⸗ ſetzte der Bediente,er kann bis morgen ſchreien, er kann es doch nicht bekommen.Er impertinenter Schlingel! ſchrie die Frau von D..mir eine ſolche Antwort? Das ſoll Ihm angeſtrichen werden! Wuͤthend lief ſie zu ihrem Manne, der im Nebenzimmer mit einigen Bekannten war, die ihn beſuchten, und erzählte ihm den Vorfall. Herr von D..., ebenfalls nicht wenig entruͤſtet über die Inſolenz des Bedienten, eilte ſogleich auf den Hof, und ſeine Gat⸗ tin folgte ihm.Wie kann er ſich unterſtehen, fuhr er den Bedienten an,und ſich weigern, das zu thun, was Ihm meine Frau befiehlt? Was hat denn das Kind ver⸗ langt? Mit vieler Kälte verſetzte der Bediente:Die gnä⸗ dige Frau mag es dem Junker ſelbſt geben. Ich bin es nicht im Stande. Er hat hier in der Waſſertine den Mond geſehen, und nun verlangt er ihn von mir.

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