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ein kräftiger, ungeſchwaͤchter Körper, zugleich aber Friſche und Klarheit des Geiſtes. Oder iſt der Menſch vielleicht eine Maſchine, die nur ſtärker angetrieben werden muß, um zu wirken, was man von ihr verlangt, ohne daß ſie ſelbſt ihre Kraft lenkt? iſt er einem Zugthiere zu vergleichen, das von dem Stecken des Treibers aufgeregt die letzte Kraft zur ver⸗ zweifelten Anſtrengung aufbietet?— Wahrlich der Sohn des unendlichen Gottes, wie wir den Menſchen doch nennen dür⸗ fen, iſt zu etwas Beſſerem geboren, iſt berufen, mit freiem Bewußtſein ſein Tagewerk zu beginnen und mit ungetrübtem Geiſte es zu vollenden. Wo aber bleibt der Geiſt friſcher als bei einem mäßigen Leben, als da, wo vor allen Dingen alles das verbannt wird, was die Nerven betäubt, die Sinne überſpannt und ſo die Klarheit des Denkens trübt? Zugleich aber wird der Körper nur da wahre Ausdauer beweiſen, wo ein reger, kräftiger Wille ihn belebt, während er bald ermat⸗ ten muß, ſobald die Seele ihre Spannkraft verloren hat.
Wir rühmen uns der Fortſchritte unſrer Zeit, wir freuen uns der Macht, die der Menſch über die Krafte der Natur gewonnen, durch die er über unermeßliche Abgründe die kuͤhnſten Bogen ſchlägt, durch die er auf den Fittichen des Sturmes über den Ocean dahin fliegt oder die furchtbare Kraft des Dampfes zu ſeinem Dienſte zwingt. Und doch möchte ich behaupten, daß unſer Geſchlecht erröthen muß, wenn es auf die Ausdauer hinblickt, mit welcher in ver⸗ gangenen Jahrhunderten die ungeheuerſten Anſtrengungen ertragen wurden. Der römiſche Soldat kaunte jenes Reiz⸗ mittel nicht, durch welches man in neuren Zeiten ſich er⸗ mutbigen und kräftigen will, und doch ertrug er Draͤngſale, vor denen ſelbſt wackre Krieger der Gegenwart erblaſſen würden. Derſelbe Legionsſoldat, der heute im Schatten der Cedern auf Libanon geſtanden, mußte vielleicht nach einem Jahre an den Ufern des Rheines oder der Weſer gegen wilde Feinde kämpfen oder an den Grenzen von Schottland Wälle und Mauern errichten wider die Feinde des Nordens.— Er trug auf ſeinem Rücken ein Gewicht von 60— 70 Pfund und doch machte er Tagemärſche in glühender Sonnenhitze oder unter herabſtrömenden Regengüſſen, die in unſrem Jahrhun⸗ dert kaum ein nicht bepackter Fußgänger auf ſchattigen, wohl⸗ gebahnten Wegen zurücklegen könnte.— Was gab ihm die Kraft? Neben der ſteten Uebung des Körpers ein feſter, ungebeugter Wille, eine ungetrübte Klarheit ſeines Geiſtes.
Wir bewundern die Bauwerke aus der Zeit unſrer Väter, die erhabnen Gotteshäuſer, die gewaltigen Burgen, und müſſen geſtehen, die Gegenwart würde ſie nicht gründen und er⸗ richten können. Haben aber unſre Ahnen bei ihren Arbei⸗ ten nur einen Tropfen eines Trankes gekoſtet, mit dem man jetzt ſelbſt unbärtigen Knaben Kraft einflöſſen will? Was unſre Väter ſo tüchtig machte, war ein kräftiger, weder durch ſchnöde Wolluſt noch durch viehiſche Schlemmerei ent⸗ nervter Körper, dabei ein Gemüth voll Frömmigkeit, ein Herz voll Vaterlandsliebe, ein Wille ſtark und unerſchütterlich, wie die Felſen, an denen ſich die Meereswoge bricht. Und ihnen wieder ähnlich zu werden in allem Großen und Edlen, dar⸗ nach laßt uns ringen mit eifrigem Muthe.
Wir errichten ja den edlen Vätern Denkmale, die ihren Namen der Nachwelt predigen ſollen, wir ſuchen uns in dem Anblick ihrer Bilder zu erſtarken. So hat denn die neueſte Zeit dem Retter Deutſchlands, Hermann dem Cherusker, ein würdiges Denkmal geſetzt, zu dem noch die ſpäteſten Enkel dankbar wallen werden. Und dies Denkmal, das hoch auf den Bergen emporſteigt, iſt errichtet von nüchternen, beſon⸗ nenen Männern, aus deren Mitte der würdige Meiſter alle Trinker verbannt hatte. Es zeigten ſich unter dieſer wackren Schaar von Bauleuten keine Schlemmer mehr und ſo durften ſie ein Rieſenwerk vollenden, ohne daß ein Menſchenleben verloren gegangen wäre.— Möge die Vorſehung es geben, daß in dem Andenken jenes Helden, der einſt Deutſchland von der Schmach der Knechtſchaft erlöſet, der Bund aller Guten einen Anhaltspunkt finde, um ein Uebel zu unterdrücken, das ſo viele Tauſende in die ſchimpflichſten Feſſeln ſchlägt, das ihnen Freiheit uud Kraft raubt und zuletzt der Geiſtes⸗ zerrüttung und einem elenden Tode entgegenführt. F.
Dienſſag den 19. Sept. b. J. wurde in Friedberg auf der breiten Straße ein Tuch mit etwas Kaffee gefunden. Der Eigenthümer kann Beides bei der Expedition d. Bl. in Em⸗ pfang nehmen.
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Bekanntmachungen von Behörden.
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Hofraithe-Verſteigerung. (1205) Wegen geſchehenen Nachgebots ſoll auf An⸗ trag der Eigenthüͤmer der Hofraithe Nro. 209, das Eckhaus der Judengaſſe neben Herrn Collector Reuß, Montag den 2. Oktober l. J., Vormittags um 11 Uhr, und zwar/ dieſer Hofraithe in hieſigem Rath⸗ hauſe einer nochmaligen öffentlichen Verſteigerung ausgeſetzt werden.
Friedberg den 7. September 1843. Der großh. heſſ. Buͤrgermeiſter D. Fritz. 8 Ediectalla dung. (1244) Friedrich Arndt, Seifenſieder, zu Butzbach beabſichtigt mit ſeiner Familie nach Nordamerika auszuwandern und hat um Vorladung ſeiner Glaͤu⸗ biger zum Verſuche eines gütlichen Arrangements ge⸗ beten. Da nach dem aufgenommenen stat. act. et passiv. eine bedeutende Ueberſchuldung vorliegt, ſo werden ſämmtliche bekannte und unbekannte Gläu⸗ biger des Friedrich Arndt zum Zwecke der Liquida⸗ tion ihrer Forderungen auf Freitag den 20. Oktober d. J., Morgens 9 Uhr, unter dem Rechtsnachtheile vorgeladen, daß die Nichterſcheinenden als den Beſchluͤſſen der Mehrheit der erſchienenen Gläubiger beigetreten angeſehen, daß aber, wenn ein Vergleich nicht zu Stande kommt, und das förmliche Concoursverfahren eingeleitet wird, weitere Edictalien nicht erlaſſen und die ſich nicht meldenden Gläubiger von der Maſſe ausgeſchloſſen werden. Butzbach den 8. September 1843. Großherzogl. Heſſ. Landgericht Völker. Dr. Irle. Edictal ladung. (1275) Johannes Joſt, K. S., von Oberſeiberten⸗ rod hat folgende, in der Gemarkung Ulrichſtein be⸗ legene, auf dem Namen des Eckhardt Bär von Boben⸗ hauſen im Grund- und Flurbuch ſtehende, dem Erſte⸗ ren jedoch angeblich gehörige Grundſtücke, nemlich: 393/41 1/890 3,0[iKlftr. Grabgarten am Hain an Georg Peuſchers Wittwe, 212/73 VII/23 347,0 Wieſe die Reichelwieſe an Kaspar Fritz, 16/38 V/76 308,0 Acker am Gießberg an Zehnt⸗ verwalter Schuchard, 260/2. 3. IV/60 872,0 Wieſe am Höfchen an Georg Scharmann, verkauft, vermag aber ſein Eigenthumsrecht nicht ge⸗ hörig urkundlich nachzuweiſen, weshalb alle diejeni⸗ gen, welche Eigenthums oder ſonſtige dingliche Rechte an jenen Grundſtücken ansprechen, zu deren Begruͤn⸗
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