Ausgabe 
30.9.1843
 
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1843

Intelligenzblatt

für die

Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend, den 30. September

1843.

Ein neues Vierteljahr-Abonnement

auf das wöchentlich zweimal erſcheinendeIntelligenzblatt für die Provinz Oberheſſen beginnt am 1. Okto ber. Geneigte Beſtellungen wolle man recht bald entweder bei dem Unterzeichneten, oder bei den den Abonnenten zunächſt gelegenen löblichen Poſtämtern einreichen. Abonnementspreis: pr. Quartal 24 kr. Inſeratgebühren: die beiden erſten Zeilen zuſammen 7 kr., die dritte und jede folgende Zeile 2 kr. Aufnahme der Inſeraten: Alle bis zum Sonntag Abend einge⸗ benden Inſerate kommen in das Mittwochsblatt, und alle, welche bis zum Mittwoch Abend eintreffen, in das Samſtagsblatt.

Carl Bindernagel.

Localſection des Großh. Heſſ. Gewerbvereins fuͤr den Kreis Friedberg.

Sitzung Montags den 2. Oktober.

Vortrag über Steinſprengen durch galvaniſche Electricität.

Mittheilungen aus Journalen uber: verbeſſerte Löthkolben Einklammern der Dielen auf der Hobelbank Mittel gegen die Faͤulniß des Holzes, welches in die Erde kommt Eiſenziegeln Wiederherſtellung dumpfig gewordenen Getraides Vorrichtung zum Verſchluß der Thüren Gummi elaſticum Auf⸗

loöſungen und Kitt daraus ꝛc.

nungen fur Bauhandwerker, Kupferſchmiede, Damaſtweber ꝛc.

Vorlage der von der Direction Großh. Gewerbvereins mitgetheilten Zeich⸗

Soldan.

Iſt der Brantwein als Stärkungsmittel

unentbehrlich?

Die Frage, welche die Ueberſchrift des gegenwärtigen Auf⸗ ſatzes enthält, möchte um ſo zeitgemäßer ſein, da die Sache der Mäſſigkeitsvereine, für welche ſich immer entſchiedner der beßre Theil unſrer Zeitgenoſſen ausſpricht, mit der Be⸗ antwortung derſelben zuſammenhängt. Einſender hält es darum nicht für überflüſſig, dieſem Gegenſtand eine kurze Be⸗ trachtung zu widmen.

Es iſt eine ziemlich allgemeine Behauptung, bei gewiſſen Arbeiten ſei der Genuß des Brantweins unentbehrlich, und es vermöge der Körper ohne ein ſolches Reizmittel nicht die Anſtrengungen zu ertragen, die von ihm verlangt würden.

Wir wollen recht gern zugeben, daß der Genuß des Brannt⸗ weins eine augenblickliche Aufregung der Nerven, ja ſelbſt ein gewiſſes Gefühl der Munterkeit erzeugt, welches denn ſcheinbar zur Arbeit tüchtig macht und insbeſondere eine größere Raſchheit aller Bewegungen zur Folge hat. Allein dieſe Aufregung iſt eine künſtlich erzeugte, welcher natur⸗ gemäß eine entſprechende Erſchlaͤffung folgt. Dieſer vor⸗ zubeugen, wird nach Ablauf einer gewiſſen Zeit ein neues Reizmittel genommen, das denn allmählig verſtärkt werden muß, und ſo entſtebt endlich jene Abſtumpfung der Ner⸗ ven, die zuletzt in den traurigen Zuſtand der Entkräftung übergeht. Denn das lehrt uns die Erfahrung, daß, wer einmal an den Genuß des Brantweins regelmäßig gewöhnt

iſt, eine immer größre Portion nöthig hat, um die gewünſchte Wirkung hervorgebracht zu ſehen und ſo in der größten Ge⸗ fahr ſchwebt, ein eigentlicher Säufer zu werden. So begeg nen wir unzähligen bedauernswürdigen Menſchen, die mit einer kleinen Quantität jenes Getränkes anfingen, den lieb gewonnenen Genuß täglich fortſetzten und endlich bis ſie an die Schwelle des Greiſenalters gelangt ſind, nicht mit Ehren ihr graues Haar tragen, ſondern als der Spott einer loſen Menge einherwandeln. Iſt es ſchon widerwärtig, einem Säu⸗ fer zu begegnen, der in der Kraft des Lebens ſteht, ſo kann es uns nur Thränen des Mitleids erpreſſen, wenn wir einen Greis dem Grabe entgegentaumeln ſehen, wenn wir wahr⸗ nehmen, wie er die Zeit ſeines Daſeins, da er die ſchöne Frucht der Weisheit ernten ſollte, in Stumpfſinn oder in wildem Rauſche verbringt. Woher kommt es daß wir nur ſelten einem Greiſe begegnen, der jene Geiſtesfriſche, jene ungebeugte Haltung ſich bewahrt hätte, von denen die Schrif⸗ ten des Alterthums uns ſo oft erzählen? Gewiß einzig daher, daß die alte Einfachheit und Mäßigkeit verſchwunden iſt. Darum möchten wir den Jünglingen und Männern, die einſt ein ſchönes Alter erwarten, ernſtlich entgegenrufen:entſaget einem Gifte, das die ſchönſten Blüthen eures Lebens zerſtoͤrt und den Keim eines fruͤhen Elendes in euren Körper legen wird.

Doch auch abgeſehen von dieſen ſchrecklichen, ſelten aus bleibenden Folgen können wir dem Genuß des Brantweins nicht das Wort reden. Er ſoll zur Arbeit tüchtiger machen? Dies läugnen wir unbedingt. Zur Arbeit gehört vorerſt