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Intelligenzblatt
fuͤr die
Provinz Oberbeſſen in Allgemeinen,
Kreiſe Friedberg, Grunberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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M 384.
Sonnabend, den 28. Oktober
1843.
Ein Bild aus Afrika und Amerika. (Eingeſendet.)
Viel ſpricht man in unſerer unzufriedenen Zeit von Druck, ſchweren Abgaben, vieler Steuer und wie die Pöſtchen alle heißen, und aus Hunderten Mund hört man ſagen:„O, wären wir nur in Amerika! Dort, dott iſt Freiheit, keine Abgaben, kein Zehnten, keine Communalſteuer u. ſ. w. Dort könn⸗ ten wir uns ein Sümmchen erſparen und für unſere Familien ſorgen. Ja das wäre ein Leben! ſo faſt im Gelde begraben ſein. Wer ſieht dort einen Amts⸗ diener mit einem Bündel Mahnzettel?— Hier muß man faſt allemal erſchrecken, wenn man nur einen Mann ſieht, der zweierlei Tuch am Nocke hat. Das bin ich müde. So wie's Frühjahr kommt reiſe ich mit dem erſten beſten Schiffe ab und— nach Amerika. Dieſen Winter habe ich Zeit meine Aecker und was ich ſonſt Unnützes habe an den Mann zu bringen. Die Aecker werden auf 6 Jahre verkauft und das Geld dem X. zu Y. wieder verkauft, dann werde ich doch einmal aus allen meinen Nöthen ſein. Nein, das ſoll mir Nichts gelten. Hab' ich doch einmal ſingen hören, als mich mein Vetter in der Stadt in eine Geſellſchaft, man ſagt, glaub' ich, Concert, mitnahm:„Zur Freiheit ſind wir geboren.“ Ja, hab' ich je ein wahres Wort gehört: ſo iſt es dieſes. Den Mann möchte ich kennen! Der iſt gewiß auch nach Amerika gezogen.“ Ach, nein lieber Mann, der kannte eine andere Freiheit, als keine Abgaben zahlen. So ſollſt auch du frei ſein, von deiner Un⸗ zufriedenheit. Denn die Laſt machſt du Dir ſelbſt. Greife nur in deine eigene Bruſt, du wirſt's ſchon finden. Aber daß du wiſſeſt wie's in Amerika aus⸗ ſieht, und wie die Amerikaner die Afrikaner als
Brüder behandeln, ſo höre, was ich in dieſen Tagen las:
„Die Amerikaner Chriſten treiben förmlichen Handel mit ihren ſchwarzen Brüdern, wie wir hier mit dem Vieh, nur daß wir menſchlich mit dem Vieh verfahren. Um nun Neger zu bekommen, bietet man den afrikaniſchen Königen Branntwein oder europaiſche Waate an. Jetzt verkauft der Füͤrſt ſeine Unterthanen, reißt das Weib aus den Armen des Mannes, den Sohn aus den Armen der Eltern, ja dieſe verkaufen ſelbſt ihre Kinder. Dies reicht aber nicht aus. Da wird Krieg angefangen. Man ſchleicht ſich in die Nähe eines friedlichen Dorfes, zündet es an, umringt es, mordet die Alten, raubt die Jungen und ſchleppt ſie nach den Handelsplätzen am Meeresufer oder durch die heiße Wüſte nach Marroko, nach Algier und Tunis, nach Tripolis und Aegypten. Auf dem Wege aneinander gefeſſelt, ſterben ſie vor Hunger oder Durſt oder an Wunden vom Krieg. Da iſt kein Erbarmen, kein Troſt, keine Rettung. Die Mutter muß ſehen, wie ihr Kind, das nicht gehen kann, mit Riemen auf ein Kameel gebunden wird, die ihm durchs Fleiſch bis auf die Knochen ſchneiden. Das gequälte Kind iſt ſchon halbtodt, die Mutter würde es gerne mit Aufbietung ihres letzten Hauches tragen, aber nein! der rohe Befehlshaber ſchleudert das(für ihn) werthloſe Weſen, weil es doch nicht mehr verkauft werden kann, in den heißen Sand. Da mag es hülflos verſchmachten. Der Mutter wird es durch die Geiſſel des Treibers verwehrt, die letzten Seufzer ihres Kindes zu hören. So kommt der Zug ans Meer. Hier übernimmt der chriſtliche Slavenhändler die unglücklichen Geſchöpfe. Es iſt aber nicht gleich ein Schiff da. Man ſperrt


