— Intelligenzblatt
für die Provinz Oberbeſſen in Allgemeinen, 1. Okaehe die
128 N Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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57.
Mittwoch, den 26. Juli
1843.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
In Folge hoͤchſter Entſchließung iſt von heute an im Kreiſe Grünberg in allen den Orten, wo
sher Zunftzwang bezüglich des Gewerbes der Bäckerei beſtand,
derſelbe bis auf weitere Verfugung auf⸗
ehoben, und ſofort auch das Einbringen der Bäcker-Waaren von Außen geſtattet.
Grünberg den 22. Juli 1843.
Großh. Heſſ. Kreisrath des Kreiſes Grunberg. In Beurlaubung des Gr. Kreisraths: Hallwachs, Kr.⸗Sekr.
Der Branntwein und ſeine Wirkung.
(Schluß.)
Im vergangenen Februar erreichte das wüͤſte eben ſeine höchſte Spitze; acht Tage lang kam Ritter alle Abende betrunken nach Hauſe und warf ch unentkleidet auf ſein ärmliches Lager. Als er aber m zwei und zwanzigſten Februar heim kam, ent⸗ leidete er ſich und wollte am andern Morgen nicht ufſtehen,„weil er,“ wie er ſagte,„nicht ſaufen könne, enn Geld habe er nicht; der eine Schenkwirth, bei em er 3 Thaler 16 Groſchen ſchuldig ſei, wolle im nichts mehr borgen, und andere haben ihn heraus⸗ ſeworfen.“ Die arme Frau mußte ihren entſetzlichen Mann im Bette liegen laſſen, und ging, nachdem ſie as jüngſte Kind genährt und den andern zu eſſen egeben, auf Arbeit. Doch kam ſie ab und zu nach Hauſe und fand den Mann, deſſen brennender Durſt nit allem Waſſer nicht zu löſchen war, immer noch m Bette liegen.
Als ſie dann Nachmittags um 4 Uhr wieder ömmt, findet ſie die Hausthüre verriegelt; da ſie zuf wiederholtes Rufen keine Antwort erhält, weiß e ſich den Eingang zur Stube durch den Holzſtall u öffnen.— Hier der entſetzlichſte Anblick! Der Mann ſchwimmt im Blute— es iſt ihm der Hals durchſchnitten, ihm zur Seite, der fünfjährige Knabe Emil; in einiger Entfernung der dreijährige Auguſt und unter dem Manne der dreimonatliche Säugling.—
Alle im Blute gebadet; alle mit einem Raſiermeſſer durch des Vaters eigene Hand ermordet, der ihnen den Hals, die Gurgel und die Pulzadern durchſchnitten und dann zuletzt auch noch ſich ſelber den Tod ge⸗ geben hatte. In einem Zuſtande, für den es keine Worte gibt, floh die unglückliche Mutter den Ort des Entſetzens; man hörte ihr Geſchrei und Aechzen; Leute eilten herbei und mußten das Furchtbare auch erblicken.
In der Stadt Frankfurt, wo ſich dieſe ent⸗ ſetzliche Greuelthat ereignete, erregte die Kunde von dieſer Schreckenſcene Entſetzen und tiefe Betrübniß. Auch der Leichtſinnigſte ſtand erſchrocken und der Ruchloſeſte ſchlug ſchweigend an ſeine Bruſt.
Noch am Abend vor ſeinem Tode hatte der un⸗ glückſelige K. Ritter geäußert:„Es thut mir leid, daß ich alles Geld verſoffen und nicht noch ſo viel übrig behalten habe, um etliche Pfund Pulver zu kaufen um damit das Haus und alle ſeine Bewohner in die Luft zu ſprengen. Zu Frau und Kinder hatte er einige Zeit vorher geſagt:„Ihr werdet mich los wdeten; aber ehe ich mir Leids anthue, werde ich eine That vollführen, von der Kind und Kindeskind erzählen werden.“
In der Frühe des 26ſten Februar wurde die Leiche des Mörders auf dem Henkerskarren zur Ge⸗ richtsſtätte gebracht und dort eingeſcharrt. Die Leiber der armen dahin gemordeten Kinder legte man in einen Sarg, und an demſelben Tag, Nachmittags


