* 144
ſagt' ich gekränkt zu ihm und kehrte ihm den Rücken, um allein nach Hauſe zu gehen. f a
„„Bleib' doch!““ rief er mir nach,„„nicht darü⸗ ber lache ich, was du geſehen und gehört, wer wurde darüber lachen? ſondern darüber, daß du dich un⸗ nöthig härmeſt. Kennſt du denn die Geſchichten nicht von dem Tiger und ſeinem Reiche, von dem Kuckuck und ſeinem Sohne, von der Katze und den Mäuſen?““
„Nein,“ ſagte ich„doch erzähle und laß uns jetzt zuſammen den Wieſenweg dort wandeln.“
Und er hub an und erzählte: 5
„„Zur Zeit, als die Thiere noch ihre eigenen Könige hatten, entſtand eine Empörung gegen den Löwen, der das Scepter führte. Er hatte zwar recht regiert, aber gerade das hatte ihm Viele zu Fein⸗ den gemacht, er wurde in Ketten geſchlagen und in ſtrengen Gewahrſam genommen. Auf den Thron ſchwang ſich der Tiger. Du weißt ja was es mit einem Tiger auf ſich hat, du kannſt dir alſo denken, wie das Regiment beſchaffen war, welch ein Geiſt es beſeelte. Und wie das Regiment war, ſo waren auch die Regierten, und wie der Geiſt trieb, ſo be⸗ wegte ſich das Werkzeug. Siehe, der Löwe, den man bei uns knechtete, das iſt die gute Sitt' und Ordnung.—““
„Ich verſtehe ſchon,“ ſagt' ich zu meinem Freunde, „ich erlaß' dir die Lehre, fahre fort und erzähle die „andere Geſchichte vom Kuckuck und ſeinem Sohne.“
„„Der Kuckuck hatte— ſo ſprach Chriſtlieb— ſo recht nach Kuckucksart ſein Ei in das Neſt einer Grasmüͤcke gelegt, und ſprang nun Tag vor Tag auf den Aeſlen eines nahe ſtehenden Baumes, um zu erfahren, was aus ſeinem Eie werden würde und rief luſtig: Kuckuck! Kuckuck!— Ein Bauersmann beſtellte ſeinen Acker und hörte täglich dieſen Ruf und freute ſich ſein, da er ihm den Sommer zu verkündigen ſchien. Einſt ſtand er auch da und lauſchte dem Rufe und es ſchien ihm, als ob von der andern Seite in derſelben Sprache geantwortet würde— doch war es ſo leiſe, ſo dünn. Da trat er näher hinzu und ſah auf dem Boden einen halb⸗ befiederten Vogel zappeln, der verſuchte zu ſchreien: Kuckuck! Kuckuck! Ach! lachte der Bauer, wie die Alten brummen, ſo die Jungen ſummen.““
„Gut! gut!“ ſagte ich,„nur weiter, wie iſt das mit der Katze und mit den Mäuſen, du biſt ein er⸗ goͤtzlicher Erzähler, ſo ſonder Stachel, man hat ſeine Freude an dir. Nun mach'!“
„„Nun die letzte Geſchichte iſt kurz. Ein Mann hatte ein altes Haus und in dem alten Hauſe, wie das ſo zu gehen pflegt, ſehr viele Mäuſe. Darum hatte der Mann ſich eine Katze angeſchafft, daß ſie die Maͤuſe fange. Aber die Katze ſagte: das Mäuſe⸗ fangen macht Mühe, beſſer iſt's unter dem Ofen ſchlafen! Und da die Katze ſchlief, fingen die Mäuſe an auf Tiſchen und Bänken zu tanzen. Siehſt du, die Katze.——““
„Sehr lehrreich, fiel ich ihm ins Wort, aber nun will auch ich dir eine Fabel erzählen. Es war zu derſelben Zeit, als der Tiger König war, daß
ſich zwei Thiere, ich weiß nicht, welcher Art und welchen Geſchlechts, ſich einander begegneten, und das Eine wollte über die herrſchenden Zuſtände Klage gegen das Andere führen. Pſt! ſagte da das Erſte, ſei ſtill, die Wände haben Ohren, man darf nicht Alles ſagen, ruͤgen, was man ſieht und hört.“
„„Und wenn man es ſagen darf, ſetzte mein Freund hinzu, wie dieß bei uns der Fall iſt, ſo nützt es nicht viel, denn man hört nicht darauf.“
Da ſchieden wir von einander, im Geiſte betrübt, daß es ſo iſt, wie es iſt, da es doch ſo leicht anders werden könnte, und doch ſind wir Beide, ohne Ruhm zu melden, keine heuchleriſchen Fröͤmmler, ſondern Leute, die den Schein gar wohl vom Weſen, aber auch das Schickliche von dem Unſchicklichen zu un⸗ terſcheiden wiſſen.
Am Charfreitage 1843. Gottlieb.
Ferner ſind für den erblindeten Zimmer in Niederweiſel eingegangen: G. C. Müller in Frankfurt 1 fl. 45 kr.; von
G. in A. 2 fl. 20 kr.; von einem Ungenannten von A. 17 fl.
C. Bindernagel.
Bekanntmachungen von Behoͤrden. Pferdedung⸗Verſteigerung.
(445) Der bei der hieſigen Cavallerie-Diviſion erzeugt werdende Pferdedung ſoll vom nächſten Monat an nicht mehr wie ſeither monatlich, ſondern halb—⸗ monatlich und zwar jedesmal den 15. und letzten eines jeden Monats des Vormittags 10 Uhr in der Cavallerie⸗Caſerne dahier verſteigert werden.
Ildem man dies hierdurch zur öffentlichen Kennt⸗ niß bringt, erſucht man zugleich die Herrn Buͤrger— meiſter, insbeſondere die der Umgegend, in Ihren Gemeinden dieſe Anordnung noch beſonders durch die Schelle bekannt machen zu laſſen.
Butzbach den 30. März 1843.
In Auftrag: Cellarius, Unterquartiermeiſter.
Schäfereiververpachtung zu Altenſtadt. (446) Mittwoch den 3. Mai d. J., Vormittags 11 Uhr, wird in dem Gemeindehauſe zu Altenſtadt die Michaelistag laufenden Jahrs leihfällig werdende,
dem Gr. Heſſ. Fiscus gehörige Schäferei in den Ge⸗
markungen Altenſtadt, Rodenbach, Oberau und Rom⸗ melhauſen, welche mit 600 Stück Schafvieh betrieben werden können, auf anderweite 6 Jahre öffentlich verpachtet. Friedberg den 28. März 1843. Gr. Heſſ. Rentamt daſ. Bu ß. Edletalladung.
(462) Konrad Böcks Wittwe, geb. Fink, von Köd⸗ dingen beabſichtigt das ihr und ihrem verſtorbenen Mann gehörige Gut an ihre Söhne abzutreten, kann aber die desfallſigen Eigenthumsrechte an den betref⸗ fenden Grundſtücken, worüber der auf Verlangen zur Einſicht offen liegende Extract Flurbuchs das Nä⸗ here beſagt, nicht urkundlich nachweiſen. Dingliche
baichuete enen ace fern 2 ſud, nie den in der aul werden an dem aufgefor von dah ſchloſſene Ulre
krwor


