Ausgabe 
18.1.1843
 
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Mit dem Tode meines Vaters erbte ich das von

ihm durch ſeine gewöhnliche Beſtellung⸗ und Bewirth⸗

ſchaftung⸗ Art im mageren Zuſtande erhaltne Gut mit vielen Schulden und einem ſchlechten Inventar'. Die vier Pferde waren durch öftere Tauſchhändel mit Juden, die, wenn Sie einmal Gelegenheit zum

Tauſchen herbei führen können, es ſo einzurichten

wiſſen, daß der Bauer öfters tauſchen muß, und der dabei jedesmal wit Fruchtzugaben, die er nicht ſehr achtet, immer einen beſſeren Handel zu thun glaubt, bis er endlich gewahr wird, daß er mit ſehenden Augen blind war und betrogen wurde ſo ſchlecht, daß ſie, durch Alter und allerlei Fehler faſt unbrauch bar, bei dem magern ſchlechten Futter kaum die nöthi gen Feldarbeiten thun konnten. Die drei Kühe, waren abgemagert und gaben kaum Milch genug für den Hausbedarf; denn im Sommer wurden ſie auf die mageren Weiden und Waldhuten geſchickt; im Winter aber durch geſchnittenes reichlich mit Stroh gemiſchtes Grummetfutter und Aehren⸗ Stroh nothdürftig er halten. So wie ſich nun in dieſem Vieh' die Armuth zeigte, fand ſie ſich im ganzen Haushalte und der ubrigen Wirthſchaft; ich ſah alſo einer traurigen Zukunft entgegen und mußte da Muth faſſen, wo mich Bedrängniſſe aller Art niederdrückten. Meiner Frau, mit der ich faſt kein Vermögen erheiratbet hatte, deren Tugenden Reinlichkeit, Ordnungsliebe, Thätigkeit und Häuslichkeit mit Sparſamkeit vereinigt, mir aber das mangelnde Vermögen reichlich erſetzten, ſtellte ich offen unſre traurige, überdieß noch durch Schulden gedrückte Lage vor und ermuthigte ſie zu dem gemeinſchaftlichen Verſuche, durch angeſtrengten Fleiß und genaue Sparſamkeit, verbunden mit einer beſſeren Einrichtung unſerer Wirthfchaft, uns zu ret⸗ ten; und ſo geſchah es. Hört nur weiter, wie alles kam und ging. Das Beſte dabei verdanke ich zunächſt unſerm Herrn Schulmeiſter. Cortſetzung folgt.)

Wie man manchmal überraſcht wird. Eingeſendet.)

Um eine neue Kommode zu beſtellen, oder, wenn's moglich wäre, zu kaufen, begab ich mich vor einiger Zeit nach Friedberg. Ich erkundigte mich im Wirths⸗ hauſe, an welchen Schreinermeiſter ich mich wohl zu wenden habe, um auf die eine oder andere Art meine Abſicht zu erreichen. Man nannte mir den Schrei⸗ nermeiſter Hrn. Pfeffer, bemerkte, derſelbe wohne in der Nähe der Kloſterkaſerne und habe ſtets eine

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große Auswahl von Kommoden in Vorrath. Das war mehr, als ich, offen geſtanden, in Friedberg er⸗ wartet hatte. Als aber Einer unter den Gäſten noch anführte, bei Hru. Pfeffer könne man nicht allein geſchmackvoll gearbeitete Kommoden jederzeit kaufen, ſondern auch Sekretär's, Sopha's, Tiſche u. ſ. w., ſo ſchielte ich mißtrauiſch nach den übrigen Gäſten, indem ich gefoppt zu werden fürchtete. Die übrigen Gaͤſte blieben jedoch ganz ernſt, vervollſtändigten ſo⸗ gar tie Mittheilungen, die mir gemacht worden waren. Ich begab mich deßhalb zu dem Genannten und war in der That ſehr überraſcht, als ich zwei Zimmer voll neue, geſchmackvoll und ſolid gearbeiteten Meubels, welche alle in der Werkſtätte des Hrn. Pfeffer ge⸗ fertigt worden waren, vor mir ſah. Da ſtanden Tiſchchen und Tiſche im Preiſe von 2 fl. bis 30 fl.; Kommoden von 14 fl. bis 26 fl.; Sekretär's von 40 fl. bis 130 fl.; Sopha's von 30 fl. bis 80 fl.; Bett⸗ ſtellen von 13 fl. bis 24 fl.; Stühle pr. halbes Dutzend von 14 fl. bis 24 fl. u. ſ. w. Da die Preiſe keineswegs hoch geſtellt waren, ſo wurde ich mit Hrn. Pfeffer wegen der gewünſchten Kommode bald einig und freute mich nicht wenig, in meiner Nähe unvermuthet gefunden zu haben, was Mancher nur in der Ferne ſucht. Ich nahm mir ſogar ernſtlich vor, von meiner Ueberraſchung die Leſer dieſes Blat tes zu benachrichtigen, in der Hoffnung, dadurch Vielen etwas Angenehmes zu erweiſen, und daß ich es nicht beim bloßen Vorſatze gelaſſen habe, dafür zeugen dieſe Zeilen.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

NY Holzverſteigerung. (43) Montag den 23. d. M., des Morgens 10 Uhr, ſollen in dem Oberrosbacher Gemeindewald, Diſtrikt Roſenkranzheck und Loosholzſchlag: 10 8 ½ Stecken eichen Scheitholz,

i e 1 3) 1. eichen Prügelholz, 40* 7 nadel 7.

5) i, ichen Stockholz, 60 9/% nadel 5

7) 1025 Stück eichen Wellen,

8) 375 nadel

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9 30 Staͤmme, Eichen, vorzüglich zu Wagnerholz, 10 235 25 Nadel-Bauholz,

110 1 Stecken eichen Werkſchub,

12 1 Stück eiche Pflugsreh,

oͤffentlich verſteigert werden. Oberrosbach am 14. Januar 1843. Der großh. heſſ. Bürgermeiſter Lämmer.