Ausgabe 
14.6.1843
 
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ungeduldig in einen Seſſel, der Alte ſchrieb den Schein, empfing die Obligationen und rief dem Fortſtürmen⸗ den noch nach: gehen Sie mit Gott und ſeien Sie vorſichtig auf der Reiſe.

Die Freunde des jungen F. waren über deſſen plötzliches Verſchwinden in der größten Unruhe. Kein Menſch konnte Auskunft geben, wohin er gegangen; ein alter Buchhalter hatte den Auftrag, zu ſagen, ſein Herr werde in längſtens 8 Tagen zurück ſein. Aber es gingen 14 Tage, 3 Wochen vorüber ehe etwas von ihm verlautete. Die ganze Stadt nahm An theil an dem Schickſal des braven jungen Mannes. Es kam ein Geſchäftsbrief nach dem andern an den Buchhalter, endlich ſtellten ſich Comiſſionäre mit Vollmachten, fur die Beſchlagnahme der Immobilien ein und der alte treue Diener kam in die peinlichſte Verlegenheit. Endlich kam F. und brachte ſeinen Bruder mit. Er erſtaunte nicht wenig über den Be ſuch in ſeinem Hauſe. Noch an demſelben Abende ſchickte er zum alten D. ſeine Ankunft zu melden und ſein Depoſitum zurückholen zu laſſen;den Schein konne er im Augenblick nicht ſinden.

Aber der Abgeſandte kehrte mit der Antwort zu rück, Herr D. ſei unwohl, und laſſe Niemand vor. F. eilte nun ſelbſt hin. Er fand den alten Mann mit verbundenem Kopf im Bette liegend. Ach, lieber junger Freund, ſein Sie mir willkommen, rief der Kranke, ihm die Hand entgegenſtreckend, ſind Sie endlich wieder da, wir waren alle in großer Beſorgniß um Sie; nicht wahr meine Herrn Zu einigen Beſuchern, die um ſein Bette ſaßen) die ganze Stadt hat mit der größten Theilnabme von Herrn F. geſprochen. Aber wo waren Sie denn auch nur; ſo Knall und Fall abzureiſen, ohne ſeine Freunde vorher zu avertiren! Ich kann's Ihnen nicht vergeſſen. Sie ſcherzen Herr D. und es freut mich, daß Sie bei Ihrem Unwohlſein noch ſo aufgeräumt ſind; Sie wußten ja recht gut, wo ich war; indeß bin ich Ihnen dankbar, daß Sie mein Geheimniß bewahrt haben, welches jetzt, nach dem glücklichſten Ausgang meines Vorhabens nicht mehr verſchwiegen zu werden braucht. Ich verſtehe Sie nicht, ſagte der Alte.

Nun Sie ſind ein ſpaßhafter Mann, ſagte F., allein bei alle Dem muß ich doch dieſen Abend um Rückgabe meines Depoſitums bitten; es ſind einige nißtrauiſche Geſchäftsfreunde hier, mit denen ich in dieſer Stunde noch abrechnen und abbrechen will. Sie werden daher die Güte haben, einen Ihrer leute zu beauftragen. Ich glaube, Sie raſen, junger Menſch, fuhr der Kranke, ſich in ſeinem Bette trhebend auf; und wenn das ihr Ernſt iſt, ſo nehme ch alle Herrn hier zu Zeugen, daß ſie mich alten Mann, den Freund Ihres ſeeligen Vaters, zum Spitzbuben machen wollen. F. ſtand wie verſteinert; aber plotzlich rief er: ich habe ja eine Quittung von Ihnen? Von mir? Allerdings, und ich werde ſſe ſogleich präſentiren. Er eilte nach der Thuͤr, tannte der Treppe hinab und zum Hauſe hinaus. Aber er kehrte ſchon auf dem halben Wege wieder

um er hatte ſeine Brieftaſche, ohne es zu be⸗ merken, in der Taſche ſtürtzte ins Zimmer, brei⸗ tete ſeine Briefſchaften auf dem Tiſche auseinander und rief endlich:hier! hier! Herr D. Alle dräng⸗ ten ſich herzu, D. ließ ſich ſeine Brille geben, man faltete das Papier auseinander; es war weiß.

Der alte D. hatte mit einer Dinte geſchrieben, die in kurzer Zeit verblaßt und unſichtbar wird. Er war ein ausgemachter heucheleriſcher Schelm. F. war in Verzweiflung. Er machte ſogleich einen Prozeß anhängig und es wurde ein Termin geſetzt, wo D. den Reinigungseid ſchwören ſollte. Der Tag kam; es war ein kuͤhler Herbſtmorgen. Der Sün⸗ der kam, gegen ſeine Gewohnheit, in einem Wagen am Gerichtshauſe angefahren. Man glaubte, er werde den Eid noch in der letzten Stunde ablehnen. Aber er trat, bleich und zitternd zwar, aber mit einer ge⸗ wiſſen haſtigen Eile, welche Ruhe und Entſchieden heit ſein ſollte, vor. Ehe er ſchwur, gab er ſeinen Hut und Stock, welcher einen großen elfenbeinernen Knopf hatte, in die Hand des Berichtsdieners und ſchwur jetzt: daß er die verlangten 50,000 Thlr. nicht habe. Unter der Thür des Gerichtsſaales trat ihm F. mit ſeinem Bruder noch einmal ent⸗ gegen und ſah ihn an D. nahm langſam eine Prieſe und hielt der Blick ruhig aus. Nun aber eilte er der Treppe zu; doch kam ihm hier durch ſeine Haſt, ſein Stock zwiſchen die Beine, er ſtürtzte der Treppe hinab, der Knopf zerſprang auf den ſtei⸗ nernen Stufen und heraus fielen die Obligationen, für die er einen falſchen Eid geſchworen. Alle ſtanden ſtarr vor Schrecken und glaubten hier Got tes Gericht zu ſehen. Der alte Sünder hatte ge meint, wenn den Stock mit dem Papiergeld im Au- genblick der Eidesleiſtung ein anderer in Händen habe, könne er Gott und ſein Gewiſſen hintergehen. Er ſtarb an den durch den Fall erhaltenen Wunden unter den ſchrecklichſten Gewiſſensbiſſen.Der Herr wird den nicht ungeſtraft laſſen, der ſeinen Namen mißbraucht.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

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Gras⸗Verſteigerung. (776) Montag den 19. Juni l. J., Vormittags um 10 Uhr, ſoll in hieſigem Rathhauſe das Gras zu Heu und Grummet von ohngefähr Morgen ſtädtiſchen Wieſen in den Lachenwieſen, von 10 ¼ Morgen das Gras zu Heu auf der Sauerweide in 5 Abtheilungen, und das Gras zu Heu von der Ochſenwieſe 3 Morgen 53¼ Klafter. Großh., oder 4 Morgen 4 Ruthen Orts-Maas haltend, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Friedberg den 7. Juni 1843. Der großh. heſſ. Buͤrgermeiſter D. Fritz Edietalla dung. (722) Die Erben der verſtorbenen Johannes Spiel⸗⸗