„erſt doppelten Werth für mich erhielt, erinnern, „mich prüfen, ob ich dieſer Wohlthaten Ric. „würdig gemacht habe; Gott verſprechen, daß ich „ihrer mit jedem Tage wuͤrdiger werden will. Wahr⸗ „lich, Bruder, hätte uns Gott keinen Sabbath ge⸗ „geben, wir müßten ihn wünſchen, erflehn! Nimm, „Bruder, die angebotene Wohlthat dankbar an; be⸗ „nutze ſie zu deiner Seele Heil.“—
Die Alten ſprachen: Kirchengehen verſäumet nicht! und wenn der Sonnabend herankam, ſo wurde das Wochenwerk geſchloſſen, als ob ein altes Jahr ſich ſchließe, und jede Arbeit, die morgen hätte vor⸗ kommen können, wurde beſeitigt, das Haus geſäubert, Futter für das Bieh herbeigeholt oder bereitet, und am Sonntag ſtand der Hausvater am Tiſche mit den Seinen, die Bibel und das Geſangbuch in der Hand, ſtimmte ein Morgenlied an, las ein Kapitel in der Bibel, und Ernſt und feierliche Stille herrſchte im ganzen Hauſe, im ganzen Orte und auf der gan⸗ zen Flur. Und wenn endlich die Glocken tönen, da machte ſich auf, wer da nicht von Krankheit oder Alter ans Haus gefeſſelt wurde und von allen Seiten ſtrömte Jung und Alt, reich und arm, vornehm und gering, feſtlich geſchmückt herauf zum Tempel, auf daß der Sabbath geheiliget wurde. Und den ganzen Tag über durfte bei einem rechtſchaffenen chriſtlichen Hausvater keine Axt und keine Hacke angerührt werden. Der Nachmittag war frommen Betrachtun⸗ gen, ernſten Geſprächen, einem nachdenklichen Gang ins Feld, dem Beſoche eines kranken Freundes, einer frohen Zuſammenkunft unter der Linde u. ſ. w. ge⸗ widmet. Und noch heute ſprechen wir: Ja, da unſre Väter und Großväter lebten, da waren glückliche Zeiten!
Aber wir, wenigſtens leider viele unter uns, die wiſſen's beſſer. Da heißt es, wenn Sonntags zur Kirche geläutet wird, wie es im Evangelium ſteht: Ich habe einen Acker gekauft, ich habe ein Weib ge⸗ nommen, ich habe ein Joch Ochſen gehandelt, die Woche habe ich keine Zeit, heut will ich hin, ſie zu beſehen, ich kann darum nicht zur Kirche kommen, ich bitte dich, entſchuldige mich. Jetzt heißt's, nicht, es iſt Sonntag, kommt laßt uns ein gutes Lied ſingen, in der Bibel weiter leſen u. ſ. w., nein, es iſt Sonntag! heißt jetzt: Auf zu Tanz und Schei⸗ benſchießen! und der heilige Tag, an dem einſt der Herr auferſtand und uns zugerufen: Wandelt in einem neuen Leben, lebet fur die beſſere Welt! er wird ein Tag des Sündendienſtes, wo man für das höhere Leben untergeht.— Und unſere Zeitgenoſſen
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klagen bei all' ihrem Scharren und Ringen nach irdiſchem Gut und irdiſcher Luſt: Ach! es ſind ſchlechte Zeiten! und wirklich ſie haben recht.
Lieber Bruder! der du dieſes lieſeſi, bedenke doch das Wort: Von Gott kömmt Alles! es hilft uns nicht, daß wir die Sonntage arbeiten wie die Wochen⸗ tage, ſo der Herr uns nicht ſegnet. Bedenke es, wer die ſechs Wochentage fleißig daran iſt in ſeinem Berufe, der hat auch den ſiebenten mitgearbeitet. Wer ſechs Tage es ſich hat ſauer werden laſſen auf ſeinem Acker, in ſeiner Werkſtätte, dem thut's Noth, dringend Noth, daß er einen Tag raſte, ſchon um der Ruhe und Erholung ſeines Körpers willen. Wer Sabbath gehalten hat, beginnt am Montag mit er⸗ neuter Luſt und geſtärkter Kraft ſein Tagewerk, ſo daß er in zween Stunde mehr thut, als die, welche keinen Sabbath gehalten haben, in einem ganzen Tage.
Alſo, ſagſt du, wäre der Sabbath ein Tag, an dem man keine Schätze graben könne oder dürfe? Wie viele Tage verliere ich dadurch aber doch im Jahre, wo ich, wenn ich auch keine ſchwere Arbeit thäte, doch Manches Andre beſergen könnte, was leichter iſt, ſo manche Luſt und Freude genießen könnte, die der Menſch auch bedarf. Feiere ich die Sonn⸗ und Feſttage, wie ich ſoll, ſo verliere ich aller 7 Jahre wenigſtens ein volles Jahr, was bei einem ſo kurzen Daſein, wie das menſchliche Leben iſt, doch fürwahr einen großen Abzug macht.
Aber, ſage ich dir, Lieber! rede doch nicht ſo ver⸗ geblich. Habe ich dir doch ſchon früher geſagt, daß es noch gar höhere Schätze giebt, daß der Menſch zum Glücklichſein noch gar beſſerer Güter bedarf, als Gold und Silber, als Geſundheit und irdiſche Luſt! Ich meine die Schätze, von denen der Herr ſpricht, daß ihnen die Diebe nicht nachgraben, daß an ihnen Motten und Roſt nicht freſſen, daß kein Schickſal und ſelbſt der Tod ſie uns rauben könne! Den Schatz eines kindlichen Glaubens an Gott, mit dem wir in allen Verhängniſſen ruhig und heiter ſtehen, wie am fchönſten Frühlingstage! Ich meine den Schatz einer herzlichen und thätigen Liebe zu Gott und den Bruͤdern, in der wir Saaten ſtreuen, die jenſeits des Grabes reifen, die unſer Gewiſſen ruhig und uns würdig machen, einſt einzugehen zu den vollen⸗
deten Gerechten! Ich meine den herrlichen Schatz
jener heiligen Hoffnungen, welche, gegruͤndet auf den Glauben und die Liebe, bis über das Grab hinaus⸗ reichen und uns ſprechen lehren: Wer die Tugend
ſubet die al öchte Perle, Güter gewir Ewigkeit dal uit mit, lie werden woll Den
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Für die Unterzeichne von Herrn
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