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Intelligenzblatt
Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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W 69.
Mittwoch, den 6. September
1843.
Darmſtadt den 21. Auguſt.
(Großh. Heſſ. Zeitung Nro. 231.) Die Nro. 225 der Kölniſchen Ztg. vom 13. Auguſt brachte einen Correſpondenzartikel aus Darmſtadt, vom 10. Auguſt, welcher von einem Gegenſtande, der im Augenblicke großes Intereſſe in Oberheſſen er— rege, handelt, der Auswanderung der ſeit ge⸗ taumer Zeit in dieſer Provinz heimiſchen ſogenannten Iſpirirten nach Nordamerika. Der Corre⸗ ſpondent betrachtet das Wirken der Mitglieder dieſer teligiöſen Secte, welche ſich aus der Schweiz, dem Eſſaß, aus Sachſen ꝛc. beſorders auf den fürſtlich ſenburg⸗büdingen'ſchen Domänen Herrenhag und Marienborn,“ ſowie auf der gräflich ſolms⸗
) Wagner ſagt in ſeiner Beſchreibung des Großberzog⸗ ums Heſſen, Bd. 3. S. 121:„Herrngehag(L. Bez. Büdingen) Hof; liegt 2 Stunden von Büdingen zwiſchen Diebach und Lorbach und gebört zu letzterem Orte. Herrn⸗ gehag haben im Jahr 1738 Graf von Zinzendorf und die Herrnhuter auf einem Dominalgut von 300 Morgen, das ſie um 10,666 Rthlr. erkauft, angelegt, und es wohnte daſelbſt eine Herrnhuter-Gemeinde, nahe an 1000 Seelen ſtark, mit ihrem Stifter, dem Grafen Zin⸗ zendorf. Verſchiedene Irrungen mit der Regierung nöthig— ten die Herrnhuter 1752 den Ort zu verlaſſen, worauf ſie ſich größtentheils nach Barby im Preußiſchen begaben. Die Wohnungen verfielen zum Theil, zum Theil wurden ſie auf den Abbruch verkauft und jetzt ſind nur noch 4 Hauſer mit dem v. Zinzendorf'ſchen Palaſt, der einen ſchönen Betſaal enthält, vorhanden.“ Seite 170 heißt es hinſichtlich des Weilers Marienborn, zwei Stunden von Büdingen und dem Grafen von Iſenburg-Meerholz gehörig u. A.:„Die Inſpirirten ſind 1826 aus Schwar⸗ zenau im Wittgenſtein'ſchen eingewandert und haben das Schloß gemiethet.— In den Jahren 1730— 1750 befand ſich hier eine zahlreiche Herrnhuter⸗-Gemeinde, auch war eine Zeitlang hier der Sitz des theologiſchen Seminariums der Brüder⸗ Gemeinde von der Wetterau, das nachher nach Lindheim verlegt wurde, und in den 1740r Jahren ward hier eine berühmte Synode gehalten, auf welcher Abgeordnete aus faſt allen Welttheilen, Wilde aus Ca⸗ nada und Mohren aus St. Thomas verſammelt waren. Auch in den Jahreu 1764 und 1789 wurden hier Syno⸗ den gehalten. Graf Zinzendorf hatte zu Marienborn eine Druckerei angelegt, welche für die Schriften der Gemeinde, und beſonders für die, welche aus der Feder ibrer Or⸗ dinari floſſen, beſtimmt war. Wegen Irrungen mit den
laubach'ſchen zu Kloſter Arnsburg und zu Engel⸗ thal niedergelaſſen, ruͤhmt ihren rechtlichen Wandel und frommen Sinn, dann die Vortheile, welche ſie durch Fleiß und Betriebſamkeit in induffrieller Be— ziehung dem Lande, beſonders aber jenen Gegenden gebracht, und ſchildert die Nachtheile, welche durch ihre Entfernung in mehrfacher Beziehung entſtehen müßten, namentlich daß„Fabrikweſen, Ackerbau, Guͤterwerth, Pachtpreiſe auf bedeutende Weiſe wie⸗ der ſinken würden ꝛc.“ Als Veranlaſſung dieſer Aus⸗ wanderung hebt der Verf. zwei Thatſachen hervor: „Die Nichtzulaſſung zum Handgelübde an Eides— ſtatt und die Verweigerung des Indigenats.“ Beide Thatſachen ſind unrichtig dargeſtellt. In Bezug auf das erſtere Moment enthält bereits die Nr. 230 der Kölniſchen Ztg. vom 18. Auguſt eine ausführliche, offenbar von einem Rechtskundigen herrührende Er— widerung aus Darmſtadt, 15. Aug., worin im weſent— lichen das Miniſterialreſcript vom Jahr 1839, wel⸗ ches die Inſpirirten auf Grundlage eines Gutachtens des oberſten Gerichts ausdrücklich zum Handgelübde an Eidesſtatt zuläßt, mitgetheilt wurde.— Die geſtri⸗ gen Frankfurter Blatter bringen nunmehr folgen⸗ den weiteren Artikel, den wir unſeren Leſern voll⸗
Gräfl. Iſenburgiſchen Haͤuſern verließ dieſe Gemeinde, ſo wie die von Herrngehag und Ronneburg, die Gegend größtentbeils, und in den 1780r Jahren wanderte auch noch der Reſt aus.“ Vergl. auch noch S. 164 und 165. „Lindheim“ und S. 245 und 246„Ronneburg“(Burg) und, außer Höck: Hiſtoriſch⸗ſtatiſtiſche Topographie der Grafſchaft Oberiſendurg. Frankfurt 1790, S. 52 8. v. Herrngehag, im Allgemeinen: Leben des Herrn Nikolaus Ludwig, Grafen und Herrn von Zinzendorf und patten⸗ dorf. Th. 1 bis 8. 1772— 1775, beſ. Th. 3. S. 630. 631. 633. 634., wo von dem Stifter der Secte der In⸗ ſpirirten, Rock, die Rede iſt. Zinzendorf ſelbſt erzaͤhlt: „Die Art ſeiner Inſpiration war dieſe, daß er plötzlich ſtark erſchüttert wurde. Dabei fuhr ſein Kopf oft mit unglaublicher Geſchwindigkeit hin und her. In dieſem Zuſtande ſprach er gewiſſe Worte in der Art von pro— phetiſchem Ausdruck, welche man Inſpiration nannte. Man ſchrieb dieſelbe unter der Rede auf, ſchickte ſie den Leuten zu, auf welche ſie zielten und ließ ſie nach Ge— legenheit drucken.“


