Ausgabe 
28.5.1842
 
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Thierquaͤlerei.

Wenn ein orientaliſcher Tyrann meint, alle Menſchen, die ſein großes Reich in ſich faßt, ſeien uur um ſeinetwillen da, und er könne mit ihnen machen, was er wolle, ſo halten wir Europäer eine ſolche Meinung für eine recht unſelige, aber auch fuͤr eine recht unſinnige. Iſt denn aber die Meinung, daß alle Thiere nur um der Menſchen willen ge⸗ ſchaffen ſeien, weniger unſelig und weniger unſinnig? Man ſollte denken, weil uns Gott die Gabe verliehen hat, vernünftig zu denken und zu fühlen, ſo gebrauch ten wir ſie auch, dem Viehe gegen über, immer auf eine Weiſe, wie der große Vater, der uns und das Vieh erſchuf, es haben will, das heißt, wir zeigten uns auch als vernünftige und fühlende, und nicht als grauſame, unvernünftige und gefühlloſe Weſen. Wo nun irgend ein Raum iſt fur ein Leben, in und auf der Erde, im Waſſer und in der Luft, da hat die ewige Liebe ihn auch erfüllt mit Geſchöpfen, großen und kleinen in tauſenderlei Geſtalten; alle wollen ſich ihres kürzeren oder längeren Daſeins freuen. Das wäre aber ein thörichter Gedanke, zu wähnen, daß dieſe unendliche Menge von Weſen nur um des Menſchen willen geſchaffen ſein ſollten. Sie ſind um ihrer ſelbſt willen da, wie der Menſch auch um ſein ſelbſt willen da iſt. Sie ſind ſich ſelbſt Zweck, wie es der Menſch iſt. Nur aber iſt jeder ein ganz anderer, ein unendlich verſchiede ner. Wem unter den Menſchen dieſer Zweck ſo recht klar geworden iſt, ja wer auch nur eine Ahn dung von den weiſen Abſichten Gottes mit uns Menſchen hat, der wird in jedem Geſchoͤpfe auch ein Geſchöpf Gottes erblicken, dem wird das Leben eines ſolchen theuer und werth ſein.

Seht euch aber einmal um unter Denen, die ihr Menſchen nennt, die für eure Brüder ſich ausge ben, ob ſie wirklich Das ſind, was ſie ſein ſollen? Sie ſind durch ihre geiſtigen Fähigkeiten dem unvernünf tigen Thiere überlegen, und misbrauchen dieſe Ueber legenheit zur Schande und zur Schmach der Schöp fung. Das Kind ſchon läßt man mit Thieren ſpielen und hindert es nicht, ſie zu quälen: der Hund jam mert unter den Streichen des gefühlloſen Knaben; mit dem Schaafe, dem Schweine treibt er ſeinen boshaften Muthwillen; dem Vöglein raubt er er barmungslos ſeine Eier und ſeine Jungen; mit dem Tödten der Fliegen vertreibt er ſeine Zeit; dem Maikäfer rupft er die Beine aus, um ſich zu er

ötzen. Ihr ſeht Das alles, und verhindert ihn nicht, fein gefühlloſes Spiel einzuſtellen; ihr macht ihn nicht darauf aufmerkſam, daß Das Geſchoͤpfe Gottes ſind, die er quält und martert; ihr ſagt ihm nicht, daß ſich der Gerechte auch ſeines Viehes erbarmt. Nun, laßt ihn nur größer werden! Er fühlt dann nichts davon, daß ein Thier auch Schmerz empfindet; es ficht ihn nicht an, wenn es ſich krümmt unter den Qualen Deſſen, der ſich Menſch nennt. Die Sprache iſt dem Thier verſagt; aber der Blick iſt noch im Ster ben gen Himmel gerichtet, als wollte es den Quäler vor dem ewigen Richter verklagen. Wenn ihr,

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die ihr ein fühlendes Herz habt, wähnt, Das ſey zu viel und zu ſtark geſagt, ſo geht nur ein Stünd⸗ chen auf der Landſtraße fpazieren; da werdet ihr hier Scenen erblicken, die wahthaft himmelſchreiend ſind. Hier werden ein Paar Kälber zur Schlacht bank geführt; ſie ſind kaum einige Wochen alt, ſind noch nicht von der Mutterkuh weggekommen und darum können ſie noch keine Wegsſtunden machen, und ſchreien vor Hunger und Durſt und aus Ver⸗ langen zur Nährerinn. Aber der Unmenſch, der ſie führt, kennt und weiß Das nicht; er ſchlaͤgt und ſtößt und hetzt die armen Geſchoͤpfe voran, bis ſie aus Entkräftung niederſinken. Es rührt ihn nicht, wenn der Hetzhund ſie blutig gebiſſen, wenn ihre Zunge ſchmachtend aus dem Maule hängt. Er ver⸗ doppelt ſeine Streiche, ſeine Stöße, um ſie wieder aufzurichten, er hetzt von Neuem, um ſie voran zu bringen. Die Polizei verbietet dergleichen, und der menſchliche Fleiſcher, welcher ſolche Thiere zur Schlachtbank fuͤhren muß, ſcheut ſich ſolche Grau ſamkeiten zu erlauben oder gar ſelbſt zu thun. Aber nicht Alle denken und fühlen ſo. Dort ſeht ihr ei⸗ nen Fuhrmann, der ſeinen Wagen überladen, ſeine Pferde nicht gehoͤrig gefüttert und gereinigt hat, der beim Froſte verſäumte, ſie zu ſchärfen. Und den noch verlangt er, daß ſie über das Eis weggehen ſollen, ohne zu ſtraucheln, daß ſie ziehen ſollen, wie ſolche, die ſich ſatt gefreſſen und ausgeruht haben, daß ſie unter der übermäßigen Laſt nicht erliegen ſollen. Er verlangt das Unmögliche, und wenn die armen Thiere es nicht leiſten können, ſo ſchlägt er auf ſie zu, wie ein Barbar. Man ſtellt ihm zwar vor, daß er ſich dadurch nur ſelbſt ſchade, daß eine übermä⸗ ßige Anſtrengung die Thiere vor der Zeit vernichte und ihn zwinge neue zu kaufen. Aber Zorn und Unvernunft ſiegen uber ſolche Vorſtellungen; das Schlagen und Mißhandeln iſt ihm zur audern Na⸗ tur geworden; er muß ſeinen Ingrimm an den um ſchuldigen und unvernünftigen Thieren auslaſſen, bis er ſie zu armſeligen Gerippen gemacht, oder auf den Anger geliefert hat. d Solcher Scenen gibts noch täglich und noch uber⸗ all, und wird ſobald nicht anders werden, als bis durch Schule und Haus alle Kinder zu fühlenden Menſchen geworden ſind. Die Schule allein machts aber nicht; das Beiſpiel außer der Schule wirkt noch weit mehr und macht oft die Lehren unnütz, die ſie in der Schule erhalten haben. Die Eltern müſſen ſich, ſchon um ihrer Kinder willen, vor aller Mis handlung der Thiere hüten. Es müſſen ſich Vereine bilden, welche alle Mittel anwenden der Thierqua lerei entgegen zu arbeiten. Die Obrigkeit muß wach⸗ ſam ſeyn, und das Geſetz muß eben ſowohl den Thiterquäler beſtrafen und unſchädlich machen, wis den Dieb und den Betrüger. Der Hausherr darf

keinen Knecht dulden, der das ihm anvertraute Vieh

mishandelt. Der Hirte muß ſeines Amtes entſetzt werden, wenn er ſich gegen einzelne Thiere der Heerde Mehr und Härteres erlaubt, als er darf. Es muß durchaus hierin anders werden, und ich

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