Ausgabe 
26.3.1842
 
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Verſoͤhnung).

Michael Feueberg, Profeſſor am dillinger Gymnaſium, nachheriger Pfarrer zu Seeg im Allgau, hatte im Oktober 1793 den Unfall, auf der Rückkehr von einem Filial⸗Beſuch zu Lengenwang durch einen Pferdeſturz das rechte Bein zu brechen, welches durch fehlerhafte Behandlung abgenommen werden mußte. Nach glücklich beſtandener Operation kehrte auch bald ſein heiterer froher Sinn zurück; ja er meinte, der Beinbruch ſey eine Arznei für ihn geworden, die ihn von dem böſen Geiſte der Me⸗ lancholie, von dem er bei geſunden Tagen zuweilen geplagt worden ſey, ganz geheilt habe.Es iſt, ſchrieb er im Dezember an ſeinen Freund, den Prä⸗ ſidenten von Rubeſch,als wenn ich mein Elend nicht fühlte, es iſt mir ungleich mehr wohl und we⸗ niger weh, als ſonſt. Ich meine, es habe Alles ſo ſeyn müſſen, und trage jetzt keine Sorge mehr, als daß ich auf meinem kuͤnftigen Stelzfuße recht gehen lernen möge. Viele Herzen haben dadurch Anlaß, ſich zu offenbaren; gewiß gewinnen ſie jetzt mehr Zutrauen zu meinem Worte durch meine Leiden, als ich mir durch alles Thun in zehn Jahren hätte ver⸗ ſchaffen können. Aus allen Dem werden Sie ab⸗ nehmen, daß Sie mich nicht gar ſo ſehr bemitleiden dürfen u. ſ. w. Ebenſo rechnete er, noch auf dem Bette liegend, ſeinem Freunde Sailer die Vortheile vor, die er von ſeinem Beinbruche hätte den öconomiſchen Vortheil, daß er von jetzt an nur Einen Schuh und Einen Strumpf brauche, den geſellſchaft⸗ lichen, daß er für die Zukunft von allen Staatsvi⸗ ſiten dispenſirt ſey, als wozu er ohnehin von Na⸗ tur kein beſonderes Talent habe u. ſ. w.

Sowie er nun aus ſeinem Leiden allerlei geiſt⸗ liche Gewinne zog, ſo ließ er ſelbſt ſeinen abgenom⸗ menen Fuß nicht unbenutzt, ſondern dieſer ward ihm in einem andern, als dem gewöhnlichen Sinne des Worts, ein todtes Kapital. Es traf ſich nämlich nach mehreren Jahren, daß an der Stelle, wo er begraben war, ein neues Grab aufgeworfen werden mußte, und das Bein jetzt ausgegraben wurde. Weil alles Fleiſch an demſelben ſchon ganz zu Stanb und Moder geworden war, ſo nahm es ſein Kaplan Bapr aufſein Verlangen mit nach Hauſe. Es wurde abgewaſchen und gereinigt, und bekam als Denkmal der überſtandenen Leiden, und der dabei erfahrenen Hülfe des Herrn unb als ein tägliches memento mori, auf dem Schreibtiſche am Fuße eines Crucifix⸗ Bildes ſeinen Platz. Wenn er nun zur kalten Win⸗ terszeit Beichte in ſeinem Zimmer hörte, oder wenn ſich andere ähnliche Gelegenheiten darboten, ſo benutzte er wohl das daliegende Todtenbein, um ſeinen Wor⸗ ten und Ermahnungen den kräftigen Nachdruck zu geben. Ein Beiſpiel davon iſt folgendes:

Zwei Eheleute lebten in Unfrieden mit einander und drangen auf Scheidung. Feneberg berief ſie zu ſich und bemühete ſich, die entzweiten Herzen zu

*) Mittheilung aus einem gedruckten Werke.

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verſöhnen; aber alle ſeine Vorſtellungen blieben ohne Wirkung. In dem Augenblick fiel dem Pfarrer ſein abgenommenes Bein in die Augen; er nahm es in die Hand, und trat damit vor die entzweiten Ehe⸗ leute hin. Sehet, ſagte er voll Ruͤhrung, ſehet, das iſt mein abgenommener Fuß; wißt ihr, welche Lei⸗ den auch euch in euerem künftigen Leben noch treffen können? und wie nothwendig und erwünſcht dann in ſolchen Zeiten der Noth dem Einen oder Andern von euch eine freundſchaftliche Pflege und Aushüͤlſe ſeyn würde? Und ihr wollt einander verlaſſen? Wie lange wirds mit euch werden auf dieſer Erde, ſo ſterbt ihr; und eine ſo kurze Lebenszeit wollet ihr euch nicht gedulden und euch die Truͤbſale die⸗ ſes Lebens durch Unfriede und Feindſeligkeiten ver⸗ mehren? Ihr ſeyd nun einmal vor Gott zur Ehe mit einander verbunden worden, ſeyd als Mann und Weib Ein Leib geworden; haßt denn auch ein Menſch ſein eigenes Fleiſch? Wirft er eins ſeiner Glieder von ſich, und ſucht er nicht vielmehr alle ganz und unbeſchaͤdigt zu erhalten? Seht da mein abgenommenes Bein, es nützt mir nichts mehr, und doch lieb ichs und behalte es noch bei mir, denn es iſt ein Theil von meinem Leibe und ihr wollt einander haſſen, eins das andere verſtoßen? Ge⸗ ziemt ſich das fuͤr Chriſten? Nun denn, dieſes todte Bein, das mit euren Gebeinen am jüngſten Tage auferſtehen wird, wird mir dann vor Gott Zeugniß geben, daß ich euch eure Pflicht vorgehal⸗ ten und euch zur Beſſerung eures Lebens umſonſt ermahnt habe. Da ſchwieg der gerührte Pfarrer, und die Eheleute ſtanden erſchüttert und ſtumm vor ihm da. Sie wollten jetzt nicht mehr geſchieden ſeyn, ſondern verſöhnten ſich in Gegenwart des Pfar⸗ rers und gingen friedlich mit einander nach Hauſt.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

NWD

Immobilien ⸗Verſteigerung. (308) Dienſtag den 12. April l. J., Morgens 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe die den Schreiner Friedrich Franck'ſchen Eheleuten gehörende Hofraithe und Gärten, beſtehend Pag. und Nr. /s in einem Wohnhaus an Adam Stemmler und Adam Rauſch, ſodann Pag. u. Nr.

201. 19. 45 Ruthen Garten in der 15ten Gewann,

an ſich ſelbſt, gibt in die Rente 17 kr. 201. 18. 22½ Ruthen daſelbſt, an ſich ſelbſt, gibt in die Rente 8 ½ kr., oͤffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 3. März 1842. In Auftrag großh. heſſ. Landgerichts Der Beigeordnete Bender. Garten-Verſteigerung. (379) Da auf den, zum Ludwig Sellin'ſchen Nach⸗ laß gehörenden Garten, in der 11. Gewann am

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