Ausgabe 
13.7.1842
 
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Intelligenzblatt

für die

Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, f die Kreiſe Friedberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 55.

Die Stadtkirche zu Friedberg.

Unſere Stadtkirche eins der bedeutendern tothiſchen Baudenkmale im Großherzogthum iſt, zuf Beſchluß des Kirchenvorſtandes von den nach ind nach entſtandenen innern Verunſtaltungen be⸗ ſreit und in ihrer urſprünglichen Einfachheit wieder ſergeſtellt worden. Man kann jetzt, nachdem die Emporbuhnen und die mannichfach geſtalteten Pri⸗ tatſtühle entfernt worden, die Schönheit dieſes Bau⸗ perks erfaſſen und ungeſtört auf ſich wirken laſſen ind vernimmt gleichſam jetzt erſt ſeine erhabene Stimme, die ſeither vor dem babyloniſchen Sprach zewirr des bunten Durch- und Uebereinander gar richt zu Wort kommen konnte. Die gothiſche Bau⸗ ert iſt für Gotteshäuſer die geeignetſte und wür⸗ tigſte. Man fühlt weder den Druck der flachen ſchwer aufliegenden Decke, noch die beengende Nähe der glatten Wände, wie in andern großen Gebäuden, ta die Säulen, die oben baumartig auseinander fah⸗ zen, mit Leichtigkeit das Dach zu tragen ſcheinen, und die nackten nahen Wände durch ſchmale hohe Fenſter und verzierte Niſchen verdeckt und weiter hinaus ge nückt werden. Man empfindet in dieſen ſchönen Formen den Reichthum eines tiefen mannigfaltigen kebens in der edelſten Einfachheit dargebildet; die truſte Stille in Mitten dieſer ſteinernen Vegetation lebt mit den aufwärts ſtrebenden Säulen und Spitz logen Blick und Gefübl zu dem Höchſten und Herr⸗ lichſten empor. Es iſt wohl keine Frage, daß man überall beten kann, in der freien Natur, wie im ſtillen Kämmerlein, in der Einſamkeit des Waldes don unſern Voreltern beſonders geliebt wie in der gewöhnlichen Alltagswohnung; daß aber Gebet und Predigt in einer gothiſchen Kirche eine ganz ſeſondere Wärme von der edlen ehrwürdigen Um⸗ zebung erhalten wer wollte dies bezweiflen? Es nüͤſſen fromme und weiſe Meiſter geweſen ſein, die ſolch ſchöne Bauten zu den erhabenſten Zwecken er⸗ ſtehen ließen.

Das jetzt noch durch eine unſchöne Einfaſſung Hheilweiſe verdeckte Altarblatt ein gutes altdeut⸗ ſches Gemälde auf Goldgrund wird wohl gewiß

Mittwoch, den 13. Juli

1842.

von ſeiner Bekleidung befreit und ſeinem Werth an⸗ gemeſſen hergeſtellt werden. Ebenſo dürfen wir auch mit Sicherheit hoffen, daß die Kanzel, die ſeither unzweckmäßig auf der Seite geſtanden, auf den alt⸗ byzantinitchen Querbau vor dem Chor verlegt wer⸗ den wird, den günſtigſten Platz, von wo, nach neuer⸗ lich gemachten Verſuchen, die Worte eines mäßig laut Sprechenden, auch am entfernteſten Ende der Kirche deutlich vernommen werden.

Feſtprogramm für das am 17. Juli 1842 in der Stadt Friedberg in der Wetterau ſtattfindende

Vierte Wetterauer Sängerfeſt.

Vorbereitungen dazu am 16. Juli.

S. 1. Empfang der Kapellmuſiker. Nachmittags 2 Uhr Empfang und Einholung der Großh. Heſſ. Hofkapell⸗ Muſiker von Darmſtadt, ſo wie der ſonſt mitwirkenden Ver⸗ eine und Muſiker, weiche ſchon Samſtag den 16. Juli hier einzutreffen geneigt wären.

§. 2. Muſik⸗ probe. Nachmittags 3 Uhr Muſikprobe in der Stadtkirche.

§. 3. Verkündigung des Feſtes. Abends 8 Uhr Ver⸗ kündigung des Feſtes durch Kanonenſalven und Muſik auf der Schanze.

Feſtordnung am 17. Juli. §. 4. Feſteröffnung. Morgens 5 Uhr Spiel eines Chorals durch die Blechmuſik auf dem Thurm der Burgkirche, dazwiſchen Böllerſchüſſe. §. 5. Empfang und Einzug. Vormittags 8 Uhr Em⸗ pfang der fremden Sänger und Muſiker vor dem Mainzer Thore, und ſofort feſtlicher Einzug in die Stadt Friedberg bis zu dem Stadthauſe. Daſelbſt Begrüßung durch Muſik. Beſchluß vermittelſt Aufpflanzung der Fahnen. §. 6. General-Probe. Vormittags 10 Uhr General⸗ Probe in der Stadtkirche. §. 7. Erholung. Mittags 12 Uhr Erfriſchung der Saͤn⸗ ger und Muſiker auf dem Burgwall. 8. 8. Concert in der Stadtkirche. Nachmittags 2 Uhr großes Vokal- und Inſtrumental⸗Concert in der Stadtkirche. Die Vorträge ſind folgende: Er ſte Abtheilung: 1) Motette für den Maͤnnerchor von B. Klein, mit Be⸗ gleitung von Blasinſtrumenten von K. Schnyder d. War⸗