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Intelligenzblatt
für die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
Kreiſe Friedberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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M283.
Sonnabend, den 9. April
1842.
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Beiſpiele edler Geſinnung gegen Freund und Feind.
Der Krieg iſt ein großes Uebel. Nicht nur daß Tauſende kräftiger Manner in den Schlachten ihr jugendliches Leben aushauchen, noch mehrere ver⸗ ſtümmelt oder ſiech durch übergroße Anſtrengungen in die Heimath zurückkehren; auch eine zahlloſe Menge friedlicher Bürger wird um Hab' und Gut gebracht, das Glück vieler Familien wird zerſtört oder doch untergraben, Rohheit wuͤthet, wo ſie kann, gegen die Unſchuld und Reinheit, und die Leiden⸗ ſchaften, die entfeſſelt ſind, treiben ungehindert ihr Spiel. Von dieſer Seite betrachtet iſt auch der ge⸗ rechteſte Krieg etwas Schreckliches; aber er iſt oft ein nothwendiges Uebel. In ewiger Ruhe wuͤrde die geiſtige Kraft der Völker endlich ganz erſchlaffen, weil ſie keine angemeſſene Gelegenheit findet, ſich zu bilden und zu entwickeln; alle Beiſpiele des Helden⸗ muthes, der aufopfernden Vaterlandsliebe, der Ent⸗ behrung und Entſagung würden zuletzt in das Reich der Fabeln geſetzt werden. Und ſo herrlich die Früchte ſind, welche nach einem muthig errun⸗ genen Siege für ein Volk reifen, der ewige Friede würde demſelben Volke den Untergang alles Großen und Erhabenen bereiten. Dieſer Gedanke muß den Menſchenfreund beruhigen und tröſten, wenn er die Nachrichten über die manchfachen und furchtbaren Kriege lieſ't, welche die Geſchichtſchreiber uns über⸗ liefert haben.
Beſonders wohlthuend ſind die einzelnen Züge des Edelmuthes, die ſich oft in dem Getümmel der Schlachten zeigen und die große Seele beurkunden. Wir wollen heute unſern Leſern ein Beiſpiel liefern, das um ſo ſchöner iſt, als es aus nicht gar weiter Ferne brauchte geholt zu werden.
Als im Jahr 1800 die beiden größten Feldherrn der Franzoſen, Buonaparte in Italien und Moreau in Deutſchland, gegen das ehrwürdige Haus Oeſtreich anſtürmten, blieb dieſem keine andere Wahl mehr übrig, als den Sieger von Stockach
und Oſtrach, den gefeierten Erzherzog Karl, wie⸗ der an die Spitze des geſchlagenen und entmuthigten Heeres zu ſtellen, den man nicht außer Wirkſamkeit in der gefährlichen Zeit hätte laſſen dürfen. Denn jetzt war guter Rath theuer, und Manches nicht mehr gut zu machen, was früher wohl noch moͤg⸗ lich geweſen wäre. Eine der erſten Pflichten ſchien dem Erzherzoge die zu ſeyn, ſich bei ſeinem Geg⸗ ner Moreau für ſeinen ehemaligen Lehrer Spa- nochy zu verwenden, dem er ſo Vieles ver⸗ dankte, und der in Feindes Hände gefallen war. Er ſchrieb nun ſelbſt an den franzöſiſchen General und führte unter Andern in ſeinem Schreiben an: „Ich weiß wohl, daß meine Bitte eine ungewöhn⸗ liche iſt; aber ſie macht wohl diesmal eine Aus⸗ nahme, indem ich mich für den Freund meiner Ju⸗ gend, meinen ehemaligen Erzieher, verwende.“— Was that Moreau?— Er antwortete: Spanochy iſt auf ſein Ehrenwort entlaſſen, und in zweimal vier und zwanzig Stunden werden Sie ihn in Wien haben.“ War das nicht ſchön von Beiden? Aber es kommt noch ſchöner! Jenſeits der Stadt Linz ſtieß der Erzherzog auf einige verwundete Krieger, welche von ihren Kameraden getragen wurden, weil, wie man ihm ſagte, die Pferde für Fortbringung der Kanonen gebraucht würden. Da befahl der Erzherzog, man ſolle ſofort die Kanonen ausſpannen, weil es beſſer wäre, daß ſie in feindliche Hände fielen, als daß ſolche wackere Krieger Noth litten. Nicht lange nachher bemächtigten ſich die Franzoſen wirklich der Kanonen. Als aber Moreau hörte, aus welcher Urſache man ſie zurückgelaſſen habe, ſandte er ſie den Oeſtreichern wieder mit der Erklä⸗ rung zurück,„was aus Menſchenliebe geopfert wor⸗ den ſey, könnte er nicht als Beute anſehen.“
War das nicht noch ſchöner von Beiden? Und ſuchte nicht Einer es dem Andern an Biederſinn zuvorzuthun?


