dein I.
Idekaſſt ven A tvater — derg:
er öN on
rene ierten
4
2 287 82 *
1
Intelligenzblatt
für die
Provinz Oberbeſſen in Allgemeinen, Kreiſe Friedberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
—
M45.
Mittwoch, den 8. Juni
—— *
1312.
Nieder-Eiſenhauſen.
Die rege Theilnahme, welche ſich bei den Bewohnern von Friedberg und deſſen Umgebungen für das große Unglück in Nieder⸗Eiſenhauſen offenbart, legt uns die Verpflichtung auf, unſern Leſern einiges Nähere über dieſen armen und un— glücklichen Ort mitzutheilen, was wir einem Schreiben aus dortiger Gegend und zwar aus der Feder eines Mannes ent— nehmen, welchem die Verhältniſſe genau bekannt ſind.
„Niedereiſenhauſen iſt in der That einer der ärm— ſten Orte des Hinterlandes; ich wüßte nicht, welchen Ort man ihm in dieſer Beziehung zur Seite ſtellen könnte. Von allen andern, nur einigermaßen wohl⸗ habenden Orten(wohlhabenden Orten des Hin⸗ terlandes nehmlich) entfernt und durch Berge und ſchlechte Wege davon abgeſchnitten, ſind die Niedereiſenhäuſer lediglich auf den Ertrag ihrer klei— nen und ſterilen Gemarkung beſchränkt; Gelegenheit Etwas zu verdienen, mangelt gänzlich, und ging nicht ein Theil der Einwohner jährlich in die Gegend von Frankfurt, Darmſtadt, Mainz ꝛc. in das Dre⸗ ſchen, ſo müßten ſie verhungern. Die umliegenden Drte, Obereiſenhauſen und Steinperf, Gönnern, Frechenhauſen und Lixfeld ꝛc. immer noch etwas beſſer ſtehend, als Niedereiſenhauſen, ſind jedoch nicht in der Lage, den Einwohnern des letztgenann⸗ ten Ortes die Möglichkeit eines Erwerbs durch Taglöhner⸗Arbeiten zu gewähren. Während denn der Mann einen großen Theil des Jahres auswärts Etwas zu verdienen bemüht iſt, beſtellt die Frau mit den Kindern zu Hauſe die wenigen Kartoffeläcker, und ſucht ſich bis zur Zurückkunft des Erſteren küm— merlich mit den Ihrigen durchzubringen. Dieſer bringt nun zwar ſeine für die hieſige Gegend nicht unbe— deutende Erſparniß mit; allein man bedenke, was hiervon Alles zu beſtreiten iſt!! Hat auch der Mann für ſeine Kuh und Ziege das Futter, für ſeinen Haushalt die Kartoffeln, ſo muß er doch den größ⸗ ten Theil ſeiner Brodfrucht bis zur nächſten Ernde anſchaffen, und Dies ſowie die Abgaben, insbeſon⸗ dere die an die adeligen Gerichtsherrn(Rauchhafer von jedem Hauſe ꝛc.) und an die Commune Schul⸗ lehrer ꝛc.) abſorbiren faſt ſeine ganze Erſparniß.
Und noch iſt der härteſte Poſten nicht beſtritten. Nie⸗
dereiſenhauſen hat keine eigene Waldungen, erhalt aus herrſchaftlichen Waldungen kein Brennholz, und muß ſeinen ganzen Brenndedarf auf Holzverſtei⸗ gerungen kaufen oder— freveln. Und gerade dieſes iſt ein Umſtand, welcher Niedereiſenhauſen zur ärmſten Gemeinde des Hinterlandes macht und auch die wohlhabenden Einwohner daſelbſt gegen die ärmeren anderen hieſigen Gemeinden in Nach⸗ theil verſetzt.
So iſt die Lage der Niedereiſenhäuſer im aller⸗ günſtigſten Falle, d. h. wenn ſie nicht von einem Unglücke, wie das vorliegende, heimgeſucht werden. Durch dieſes Unglück aber ſind dieſelben um ihre Frucht⸗ und Futtervorräthe gekommen; die Kartof⸗ feln in den ſchlechten Balkenkellern ſind verdorben und ungenießbar geworden; Vieh mußte geſchlachtet werden u. ſ. w., und wenn dies auch für Andere wenig zu nennen wäre, ſo iſt es für die Brandbeſchädigten außerordentlich viel; ſie haben Alles verloren. Das Feuer griff ſo raſch um ſich, daß die Kinder ſchlafend aus dem Orte getragen und hinter Hecken gelegt wurden, während die Eltern zum Löſchen zurückeilten.
Sechzehn(16) Wohnhäuſer mit Scheuern und Stallungen ſind ganz, zwei Wohnhäuſer zur Hälfte, ein Wohnhaus zu ½¼ niedergebrannt. Außerdem ſind noch andern Perſonen, deren Wohnhäuſer ver⸗ ſchont geblieben ſind, Scheuern und Stallungen mehr oder weniger beſchädigt worden. Die beſſeren Ge⸗ bäude in Niedereiſenhauſen hat dieſes Unglück, deren Entſtehungsurſache nicht ermittelt worden und vermutk⸗ lich zufällig iſt, betroffen. Die Brandentſchädigung be⸗ trägt circa 12,000 fl., während die Herſtellung aller beſchädigten Gebäude in ihrem vorigen Umfang auf 36— 40 Tauſend Gulden vervoranſchlagt iſt; ein Beweis, wie wenig Glauben manchen Bemerkungen in den Zeitungen, daß die Gebäude in ihrem wah⸗ ren Werthe verſichert ſeien, und deßwegen die Brand⸗ beſchädigten in dieſer Beziehung michts verlieren wür⸗ den, beizumeſſen iſt. Die Prämiſſe iſt falſch; ware ſie aber auch richtig, ſo würde ſie doch noch, nicht zu einer ſolchen Schlußfolge berechtigen. Daß' dergleſe⸗


