Ausgabe 
21.8.1841
 
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An den Großherzoglichen Phyſikatswundarzt und Geburtshelfer Herrn Sommer zu Butzbach. 046) In dem Friedberger Jutelligenzblatt Nr. 33 haben Sie Anfragen über den thieriſchen Magnetismus gethan, welche ich von Ihnen, der Sie gewiſſermaßen Sachverſtändiger ſeyn wollen, nicht erwartet hatte. Ich mache mir ein Vergnügen daraus, Sie über Ihre Anfragen zu belehren. Vernehmen

Sie daher Folgendes. Ihre erſte Frage:

viſt es moͤglich durch den animaliſchen Magnetismus Krank⸗

heiten zu heilen? anlangend, muß ich durchaus mit Ja beantworten; denn ſchon ſeit Jahrtauſenden wird dies Heilmittel angewendet und wiſſenſchaftlich iſt es beſonders ſeit Mosmer's Zeiten behan⸗ delt worden. Eine Menge Schriftſteller in Teutſchland, be⸗ ſonders aber in Frankreich haben theils eigne Erfahrungen uns mitgetheilt, theils die Heilungen Anderer erzählt und man hat ſich ſeitdem bemüht, die Anwendung dieſes Heilmit⸗ tels allgemein zu machen. Die Moglichkeit, Krankheiten der perſchiedenſten Art durch den animaliſchen Magnetismus zu heilen, wird nicht mehr beſtritten und iſt von allen Aerzten anerkannt. Zum Nachleſen empfehle ich Ihnen die Werke von Hufeland, Wienholt, Paſſavant, Hensler, Klüge de. von den Teutſchen und von den Franzoſen Tardieu, Petetin ic.

Sie fragen weiter:

kann man durch denſelben alle Leiden entfernen, Blinde

ſehend, Lahme gehend machen?

Wenn Sie in den Werken, welche ich Ihnen ſo eben empfahl, nachleſen wollen, ſo werden Sie beſonders aufge⸗ fuhrt finden, daß durch den animaliſchen Magnetismus ſchwar⸗ zer Staar, ſowie Lähmungen an Armen und Beinen voll ſtändig gehoben, alſo Blinde ſehend und Lahme gehend gemacht worden ſind. Sie werden hieraus erkennen, daß eben der animaliſche Magnetismus zu den koſtbarſten Heilmitteln ge hört, welche zur Beſeitigung von Körperleiden angewendet werden.

Ihre Frage:

worin beſteht der Magnetismus und durch welche Mani⸗ »pulationen des Magnetismus treten die magnetiſchen Er⸗ ſcheinungen hervor? veranlaßt mich zu folgenden Bemerkungen. Worin der Mag netismus beſtehe, darüber ſind die größten Gelehrten noch nicht einig; ich ſelbſt kann noch nicht ins Reine darüber kommen, bekümmere mich aber nicht um Erklärungen, die nicht erſchöpfend genug ſind, ſondern halte mich an That⸗ ſachen. Es ſteht einmal feſt, daß er ein Unbeſtrittenes gro ßes Heilmittel iſt und hierbei müſſen auch Sie ſich beruhigen. Wenn Sie aber wiſſen wollen durch welche Manipulationen des Magnetismus die magnetiſchen Erſcheinungen hervor treten, ſo bedarf dieſer Theil Ihrer Anfrage einer kleinen Rüge; denn, ſo viel mir bis ſetzt bekannt iſt, macht der Magnetismus keine Manipulationen. Derjenige macht ſie, welcher den Magnetismus anwendet, der Magnetismus ſelbſt iſt das Heilmittel. Ich will Ihnen dies durch eine Verglei chung aus meiner Praxis deutlicher zu machen ſuchen. Wenn mich Hr. Jemand fragen wollte, was macht der Aderlaß ſchnepper für Manipulationen, wenn er zur Ader laſſen und dadurch die erwartete Wirkung hervorbringen will; ſo würde ich ihm ſagen: mein lieber Freund, Sie fragen verwirrt, der Aderlaßſchnepper iſt abhängig von dem Willen des Aderlaſſers, er iſt das Mittel, wodurch er wirkt. um nun wieder auf den Magnetismus zu kommen und auf das, was Sie ver⸗ muthlich wiſſen wollen, ſo kann ich Ihnen ſagen, daß die magnetiſchen Erſcheinungen entweder gleich bei der Anwen⸗ dung des Magnetismus oder nach kürzerer oder nach länge⸗ rer Zeit auftreten und daß dieſe Erſcheinungen in dem Ge⸗ fühl von Wohlbehagen, erhößter Kraft, Wärme, in Schweiß, Schlaf, aber auch in erhöhten Schmerzen und manchen an⸗ dern auffallenden Symptomen beſtehen, jenachdem die Krank⸗ heit war, gegen welche der Magnetismus als Heilmittel an⸗ gewendet wurde. Uebergehend zu Ihrer weiteren Frage: viſt mehrmaliges Beſtreichen mit der Hand Maͤgnetiſiren zu nennen? oder iſt dieſes Charlatanerie?

kann ich Sie ganz gründlich belehren. Art, wie der Magnetismus angewendet wird, alſo: Beſtrei⸗ chen verſteht ſich mit der Hand Behauchen, Hand⸗ auflegen, Beſprengen dec. Magnetiſiren und was namentlich das Beſtreichen mit der Hand betrifft, ſo kommt es gar nicht auf die Zahl der Striche an, um dieſe Handlung mit dem Aus; druck Magnetiſiren zu bezeichnen. Weil aber der Magnetismus in der ärztlichen Welt einmal Geltung hat, ſo kann das Magnetiſiren durchaus nicht mehr Charlatanerie genannt werden. Dies muͤſſen Sie ganz beſonders merken, mein werther Herr Phyſikatswundarzt und Geburtshelſer.

Was endlich ihre letzte Frage betrifft:

ſollte aber Letzteres der Fall ſeyn, dann frage ich, war⸗

um wird denn nicht durch polizeiliche Einſchreitungen dem

Herumreiſen des ſog. Wunderdocters von einem Orte

zum Andern, und der dann offenbaren Geldprellerei

ein Ende gemacht?? ſo muß ich durchaus den Kopf dazu ſchütteln. Ich habe nehmlich bis jetzt von keinem Wunderdocter etwas vernom⸗ men und bitte Sie recht dringend, ſich näher deßhalb zu er⸗ klären. Es würde mich ungemein intereſſiren, wenn ich einen Mann ſähe, der Wunder verrichten könnte. Das erſte, worum ich bäte, wäre: beſſeres Wetter zu machen. Sie thun mir alſo einen Gefallen erſter Größe und ich verſpreche Ihnen Sie jedesmal umſonſt zu raſiren und zu clyſtiren, falls Sie mir den ſogenannten Wunderdocter namhaft machen. Ueber⸗ haupt bitte ich über dieſe Frage genaue Aufſchlüſſe, die ich um ſo eher erwarte, da Sie in den früheren Fragen ſich offen ausgeſprochen haben.

Friedberg den 17. Auguſt 1841.

Michel Bingler, Chirurgiſcher Gehülfe. Okarber Sauerbrunnen.

(947) Sonntag den 22. d. M. iſt am hieſigen Mineralbrunnen gut beſetzte Harmonie- und Tanz⸗ muſik anzutreffen, wozu mit der Verſicherung billiger und prompter Bedienung höflichſt einladet Georg Havenecker. Einladung.

(948) Künftigen Mittwoch den 25. und Donner⸗ ſtag den 26. Auguſt, als am Tage des Marktes zu Kleinkarben, iſt in dem ſ. g. Hieſigwäldchen bei mir gut beſetzte Harmonie- und Tanzmuſik anzutreffen, wobei ich für gute Speiſen, Getränke und prompte Bedienung beßtens ſorgen werde, und hoffe, daß mich keiner meiner verehrten Gäſte, auch in Hinſicht der angenehmen Lage des Wäldchens unbefriedigt verlaſſen wird. Kleinkarben den 18. Auguſt 1841. Philipp Meiß, Gaſtwirth. Sandſteinerne Treppentritte, Waſſerſteine (949) in jeder Größe, ſowie alle Sorten geſchliffener und ungeſchliffener Sandplatten, Kuh- und Schweine⸗ tröge in großer Auswahl bei Gebrüder Groͤdel. Zu verkaufen. (950) Mehrere Sorten Obſt, beſtehend in Aernte⸗ äpfel und Birnen bei Friedberg. Ph. Sieck. Ein vollſtändiges Logis iſt zu vermiethen bei Nicolaus Windecker auf der breiten Straße.

Man nennt jetzt jede

(951)