ſür die
berhessen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
ä———
W233.
Sonnabend, den 14. Auguſt
1641.
Amts⸗Jubelfeſt zu Friedberg.
Am Sonntag den 8. Auguſt wurde zu Friedberg, don dem ſchönſten Wetter begünſtigt, ein Feſt ſeltener Art gefeiert; es war das Amts⸗Jubelfeſt des würdigen Oberpfarrers und Dekans, Kir⸗ chenrath Pilger. Wir wollen hierüber unſern geſern nur in der Kürze Folgendes mittheilen, da, wie wir vernehmen, eine beſondere Beſchreibung, welcher auch die dabei gehaltenen Reden ꝛc. beige⸗ fügt werden, bald öffentlich erſcheinen wird.
Den Samſtag Abend um 10 Uhr wurde das Feſt durch einen Fackelzug eingeleitet, welchen der zieſige Sing-Verein dem Jubilar brachte und wobei ein angemeſſener Geſang aufgeführt wurde.
In der Frühe des Sonntags Morgens zog die reifere Schuljugend mit dem Rektor und ſämmtlichen zehrern vor das Haus und brachte dem Jubilar ein Morgenlied.
Um 10 Uhr bewegte ſich, ſobald das Geläute der Glocken begann, der große Zug von dem Rath⸗ vauſe aus nach der Wohnung des Jubilars, um venſelben zur Kirche abzuholen. Voran ging die zeſammte Schul jugend der Stadt, je 4 und 4, ge⸗ ührt von ihren Lehrern. Ihnen folgten, unmittelbar „or dem Jubilar, der großh. Regierungs Commiſſär, Superintendent Simon und Direktor Crößmann, hann kam der Jubilar, geführt von ſeinen Amtsbrüdern, worauf ſämmtliche Geiſtliche der Diöceſe und Nach⸗ harſchaft, die zahlreiche Familie des Jubilars, die n der Stadt wohnenden Behörden, der Stadt-, Kirchen⸗ und Schul-Vorſtand, denen eine Menge Männer von nahe und ferne ſich anſchloſſen. War vorher der Andrang in den Straßen ſchon groß, ſo war er in der, der Feier gemäß einfach ausge⸗
ſchmückten Kirche noch weit größer, und wir ſagen nicht zu viel, wenn wir die Zahl der in der Kirche Anweſenden auf 3000 angeben.
Der Gottesdienſt wurde mit dem Liede„Komm, heiliger Geiſt ꝛc.“ eröffnet. Dann hielt Prof. Fertſch ein Gebät vor dem Altare. Nach dieſem wurden 4 Strophen des 407. Liedes aus dem allgemeinen evangeliſchen Geſangbuche abgeſungen, worauf der Jubilar die Kanzel betrat und ſeine Jubelpredigt hielt, welcher er als Text die Worte, Pſalm 40, Vers 6, unterlegte. Sobald er geendigt hatte, ſtimmte von der Orgel herab der Sing-Verein den Geſang„Gott iſt miein Hort ꝛc.“ an. Unterdeſſen wurde der Jubilar von ſeinen beiden Amtsbrüdern vor den Altar geführt; ſämmtliche Geiſtliche ſchloſſen hier einen Halbkreis. Nun hielt der großh. Super- intendent eine der Feier angemeſſene Rede und endete mit dem ihm gewordenen höchſten Auftrage, indem er nämlich den Jubilar mit dem Orden Philipps des Großmüthigen ſchmuͤckte. Den Beſchluß des feierlichen Gottesdienſtes machte die 1. Strophe des Liedes„Nun danket alle Gott“. Nach dem Gottes— dienſte führten ſämmtliche Geiſtliche den Jubelgreis zu ſeiner Wohnung, wo mehrere weiß gekleidete Jungfrauen, geführt von dem ſtädtiſchen Beigeord— neten Bender, die verſchiedenen zum Theil ſehr koſtbaren Geſchenke unter paſſenden Sprüchen über⸗ reichten.
Um Ein Uhr begann das Feſtmahl im Simon ſchen Gartenhauſe. An demſelben nahmen über dritt⸗ halb hundert Perſonen Theil. Abgeholt wurde der Jubilar von dem ſtädtiſchen Bürgermeiſter Fritz und empfangen von dem geſammten Gemeinderath unter dem Schalle der Muſik. Den erſten Toaſt brachte großh. Superintendent Simon Sr. Königlichen


