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Intelligenzblatt
für die
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ber hessen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Sonnabend, den 10. Juli
1841.
Betrag jedoch voraus zu bezahlen iſt.
Mi dem 1ſten Juli kann auf dieſes Intelligenzblatt für das zweite halbe Jahr mit 40 kr. abonnirt werden, welcher
Carl Bindernagel.
Das Wetterauer Saͤngerfeſt, welches zu Butzbach den 4. Juli d. J. ſtatt⸗ gefunden.
Die Sonne ſchien doch eine rechte Freude an dem Sängerfeſte zu haben; denn während ſie beinahe in der ganzen vorhergegangenen Woche ihr Antlitz ver— hüllte und ſelbſt den Samſtag noch viele Thränen vergoß, ſo lugte ſie den Sonntag Morgen immer mehr unter ihrem Schleier hervor, je näher die ge— ſchmückten Wagen mit den heiteren Sängern und den wehenden Fahnen dem munteren Butzbach kamen; und als nun gar in Niederweiſel die geſchmackvoll gekleideten Abgeordneten des butzbacher Feſt Comités mit Muſik auf zweien Wagen die Sangesbrüder be— grüßten, da konnte ſie nicht länger an ſich halten und zerriß den Schleier, damit ſie, umgeben von himmliſchem Blau, Zeuge des Jubels ſeyn und den ſchönen Zug durch die grüßende Menge vor und in der Stadt geleiten konnte. Sie ließ ſich auch den ganzen Tag in ihrer heiteren Laune nicht ſtören, ſondern leuchtete hell und klar, und begab ſich erſt zur Ruhe, als der ſanfte Mond auftauchte, dem ſie dann auftrug, wach zu bleiben und die Sänger in der Nacht heim zu geleiten.
Es war ein heiterer Tag in jeder Beziehung. Die Geſänge in der Kirche wurden recht wacker vorgetragen von den Vereinen von Butzbach, Frank⸗
furt, Friedberg, Laubach, Lich, Nidda, Ortenberg,
Schotten, Uſingen und Vilbel. Die Solis, welche einige Herren von Frankfurt die Gefälligkeit hatten zu ubernehmen, wurden meiſterhaft ausgefuͤhrt. Herrn Rektor Algeier gebührt beſonderer Dank für ſeine
Leitung; er hat Liebe und Ausdauer für die Sache und ganz beſonderes Talent zu dirigiren.
Nach Beendigung der Geſänge in der Kirche war Mittagstafel im Garten des heſſiſchen Hofs von circa 400 Sangern und Geſangesfreunden, wobei es an Toaſten nicht fehlte. Sie galten: Sr. Königl. Hoheit unſerm allverehrten Großherzoge,„unter deſſen milder Regierung dieſe Feſte ſo ſchön gedeihen“; dem Beſtehen der wetterauer Vereine; dem butz— bacher Orpheus u. ſ. w. u. ſ. w. Allgemeiner Frohſinn herrſchte und die deutſche Gemüthlichkeit gab ſich bei der ganzen Verſammlung kund.
Nach aufgehobener Tafel ſchaarten die Sänger ſich unter ihre Fahnen und zogen, in alphabetiſcher Reihenfolge der Vereine, mit Muſik durch die Stadt einen Hügel hinan auf den ſ. g. Schrenzer. Es war ein impoſanter Zug, den Tauſende von Menſchen umſchwärmten. Das etwas beſchwerliche Erſteigen des Huͤgels in der Sonnenhitze wurde durch die Ausſicht auf demſelben belohnt, denn da lag die geſegnete Wetterau mit ihren vielen Thurmſpitzen und Obſtbäumen ausgebreitet, und ſah man auch keine Rebhügel, ſo rauſchten doch die vollen Aehren und ſprachen:„wir ſind der Segen Gottes; die Heere Gottes gegen des Hungers Noth!“— O Deutſchland, du großes geliebtes Vaterland! welches herrliche Land biſt Du mit Deinen geſegneten Hügeln und Thälern und Deinen biederen, gemüthlichen Men⸗ ſchen, bei denen
„Treue hell vom Auge blitzt „Und Liebe warm im Herzen ſitzt.“
Die Lieder, welche nun im Freien in Mitten
einer Menſchenmaſſe von 6 bis 7000 Köpfen vorge—


