Ragen(J. B. — gewiß kein
Straßen, Dit hoͤhere deregten Miß⸗ en geſetzlichen druck zu ver,
igen. nen, gebraucht Silden chen Bach, Bäch aber auch die m ausgedrückt beln, lachen, en, brätſeln heißt ribben „ ſeine eigne it, geht darin B üchelchen, den ſüdlichen 1 bemerkt man Dialekte; die
01 ) wie Bühl,
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Bäumle. Dies wird in der Wetterau zum bloßen i, wie Scherzi(Schurzchen), Oeſi(Aeschen.) In der Kinderſprache gibt es noch eine andere ganz eigenthuͤmliche Art zu verkleinern; man wie⸗ derholt nämlich ein und dasſelbe Wort und gibt ihm dadurch zugleich einen liebevollen Beiſatz. So wird der Vater mit Papa und die Mutter mit Mama bezeichnet.(Ueber die Wurzel des erſteren Wortes vgl. Schmitthenner deutſches Wörterbuch unter dem Worte Vater.) So wird das Küch⸗ lein nach dem Tone, welchen es von ſich gibt, mit Bibi, die Gluckhenne aber mit Gluck glück, die Gans mit Wullwull, das Schwein mit Wutzwutz, das Fohlen mit Huſchihuſchi angerufen und gelockt. Hat das Kind eine ſchmerz⸗ liche Wunde, ſo heißt ſie Wehwehz ahmt es das Kochen der Mutter nach, und macht aus Waſſer und Sand ſich einen Brei, ſo heißt derſelbe(wenig⸗ ſtens in den ſuͤdlichern Gegenden) Brabrei, was nichts weiter iſt, als die Verdoppelung Breibrei. Dahin gehört denn auch der Ausdruck Wauwau. Auch die gewöhnlichen Eigenſchafts-(Beſchaffen⸗
heits⸗) Wörter(adjectiva) genügen dem Volke
nicht; es ſucht ſie durch Hinzuſetzung desjenigen Dinges, das die Eigenſchaft oder Beſchaffenheit in hohem Grade hat, oder eines andern Wortes, mit dem es vergleicht, zu verſtärken. Daher ent⸗ ſtehen denn die ſonderbaren Woͤrter kohlraben— ſchwarz oder pechrabenſchwarz, fuchszunder— roth, ſchneehagelweiß, breiweich, knüppel⸗ dick, mutterſeligallein, blitzzwiebelblau, todtſterbekrank, ſaͤuwohl, freßlieb, krotte— voll(oder geratteltvoll), ſtinkfaul, otterfett, bombedick, baumſtark, hundsgemein, arms⸗ dick, haushoch, bolzenſtrack, klimperklein, putſchnaß,(tretſchnaß), lederweich, ſchlok— kerfett ic. Da dieſe Ausdrucke neben dem abge⸗ zogenen Begriffe noch ein Bild geben, ſo muͤſſen ſie auch weit kräftiger und lebendiger bezeichnen.
Der wetterauiſche Dialekt conjugirt folgende Verba(Thätigkeitswörter, Zeitwörter) anders als die Buͤcherſprache: kaufen hat im Imperfectum kief, nach der Buͤcher⸗ ſprache kaufte, friegen hat krog, nach d. Buͤcherſprache kriegte,
agen„ lug,„„. 71 jagte, ragen„ frug,„„ 7 fragte, ſetzen„ ſotzt,„„ 7. ſetzte, fuͤrchten„forcht,„„„ fürchtete, ba,„ blies, ehen„ gung,„„ 2 ging, angen„ fung,„„ 7. fing, hängen„ hung,„ hing,
1 75 ätten hat im 2. Particip gebitt und nach der Zücherſprache gebeten. f Die deutſche Sprache, beſonders die des Volkes, lat noch eine andere eigenthümliche Art, den Aus⸗ rücken Kraft und Leben zu verleihen. Zu dem
Worte nämlich, womit ſie einen Fehler oder eine Untugend bezeichnet, ſetzt ſie den Namen irgend eines Individuums, bei welchem ſie dasſelbe in hohem Grade bemerkt hat. So nennt ſie einen beſonders unreinlichen Menſchen Saulips, d. i. Einer, der ſo ſauiſch(ſchweiniſch) iſt, wie Philipp, oder Dreck⸗ hans; einen zornigen Menſchen nennt ſie Zorn⸗ michel oder Giftmichel oder Zornnickel; einen Freſſer nennt ſie Freß paul, einen Luͤgner Luͤgen⸗ peter. Eben dahin gehören die Ausdrücke Dreh⸗ peter, Schoßbarthel, Hansdappes. Auch weibliche Namen werden ſolchen Bezeichnungen von Fehlern und Untugenden beigefügt: eine Perſon, welche gerne weint, heißt Flennels(aus flen— nen und Eliſabeth zuſammengefügt); eine in Kleidern nachlaſſege Perſon heißt Hannebambelz eine einfältige Perſon wird Gänsbärbel oder Gänslies, eine zänkiſche, brummelnde, Brum⸗ mellore genannt.
Der geneigte Leſer weiß vielleicht aus ſeinem Bereiche dieſen Benennungen noch einige beizufügen, die eben ſo bezeichnend ſind. Wenige oder keine von denſelben ſind in die Schriftſprache uͤbergegangen. Um ſo mehr thut es Noth, daß ſie ſorgfältig' ge⸗ ſammelt werden.
Wo man eine Liebes⸗Gabe gut anbrin— gen kann.
Gar manche unſerer lieben Wetterauer haben dieſen Herbſt eine ſo reiche Kartoffel⸗Ernde gehabt, daß ſie kaum wiſſen, wo ſie den Segen all unter⸗ bringen können. Sie möchten wohl auch mit dem⸗ ſelben ſich gerne dem lieben Gott durch die That dankbar beweiſen, wenn ſie nur wüßten, wer einer ſolchen Gabe wirklich bedürfte.
Dieſen wollen wir verrathen, wo ſie gut ange⸗ wendet wird. Die Kleinkinderſchule zu Fried— berg hat keine Kartoffeln geerndet, und ſind doch gar viele Mäulchen, welchen ſie recht wohl ſchmecken. Dort wird jegliche Gabe, welche fromme Geber von ihrem Ueberfluſſe hinbringen, dankbar angenommen; dort können ſie ſich ein zweites ſchönes Ernd⸗ und Dankfeſt bereiten.
Verbeſſerung. Auf ber 2ten Spalte der 292ten Seite von Nr. 42 unſeres Blattes leſe man ſtatt„Berichtende“— „Berichtigende Bekanntmachung.“ D. Red.
Bekanntmachungen von Behoͤrden. Pflaſtrerarbeit zu Friedberg. (4103) Mittwoch den 18. November d. J., Vor⸗ mittags 10 Uhr, ſollen in dem Hauſe des Herrn Gaſtwirths Hieronymus dahier das Liefern, Anfah⸗


