Ausgabe 
30.5.1840
 
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jenen Moorbränden beobachtet worden. Der Ver⸗ faſſer hat die hierher gehörigen eigenen und fremden Beobachtungen geſammelt, zum Theil tabellariſch zu ſammengeſtellt und, wie Referent überzeugt iſt, ſeinen Satz zur völligen Evidenz erwieſen. Den haupt⸗ ſächlichen Anſtoß zu dieſen, an vielen Orten zugleich angeſtellten Beobachtungen hat der Oberpräſident von Vink in Weſtphalen gegeben, indem es ſich darum handelte, den Einfluß des Haarrauchs auf Witterung, Temperatur, Geſundheit der Pflanzen, Thiere und Menſchen auszumitteln. In letzterer Hin⸗ ſicht geht jedoch nur ſoviel hervor, daß ein Einfluß auf Witterung nur etwa in Bezug der durch den Moorbrand veränderten Windesrichtung, keineswegs aber auf den Barometerſtand, etwaige Gewitter u. dgl. ſtatuirt werden kann; daß dagegen über den Einfluß auf das pflanzliche und thieriſche Leben noch nicht genug Beobachtungen vorliegen, um etwas an deres zu äußern, als daß auch dieſer, wenn irgend

einer, wenigſtens kein bedeutender iſt. Der Ver⸗

faſſer beginnt ſeine Deduction mit einem kurzen Abriß des bei der Moorkultur in den erwähnten Gegenden üblichen Verfahrens, des bisjetzt noch für unumgänglich nöthig gehaltenen Verbrennens(oder vielmehr, da man die Flamme nie hell werden läßt, Schwelens); erörtert die Zeit, in welcher alljähr⸗ lich gebrannt wird(welche immer mit durch die Umſtände gebotenen Abänderungen zwiſchen Anfang Mai und Anfang Juli, für einige Zwecke auch im Herbſt, jedoch dann nur in kleinen Strecken, zu fallen pflegt), ſowie die Ausdehnung der alljaͤhrlich gebrannten Strecken, welche ſich für die ganze Moor gegend beiläufig auf Quadratmeile berechnen läßt; beſchreibt den Rauch, wie er ſich an der Er zeugungsſtelle ausnimmt, erörtert die Gründe, war⸗ um dabei meiſt Nord-, Nordweſt- oder Nordoſtwind ſtattfindet. Er weiſ't nun weiterhin die Verbreitung dieſes Rauches mit dem Winde in die ſüdlich der Moore gelegenen Länder nach, beſchreibt die Er ſcheinungen des Haarrauchs nach ſeiner verſchiede nen Stärke und geht ſodann auf die Erörterung der Weite ein, bis zu welcher noch der Haarrauch mit ſeinem eigenthümlichen Geruche bemerkt worden iſt (Paris, Voigtland). Darauf vergleicht er nun die Haarrauchtage mehrerer Jahre nach genauen Be obachtungen mit der Brennzeit und den Hauptbrenn⸗ tagen in dieſen Jahren; weiſ't nach, daß der Haar rauch immer nur, mit ſeltenen Ausnahmen, mit einer den brennenden Mooren entſprechenden Wind richtung in einer Gegend erſcheine, und zieht endlich den Schluß der Identität des Haarrauchs und Moor- rauchs, welchen er durch Zeugniſſe mehrerer guter Beobachter vollſtändig befeſtigt. Damit behauptet jedoch der Verfaſſer nicht die alleinige Entſtehung aller in einiger Ausdehnung beobachteten brandig riechenden trockenen Nebel von jenen Moorbränden, ſondern fuhrt vielmehr auch den Einfluß der Heide⸗

brände, des in manchen Gegenden üblichen Ra ſen⸗ brennens und etwaiger Waldbrände(z. B. 1819 in Nordamerika) an. Daß aber der eigentliche Haar⸗ rauch, wegen der Ausdehnung ſeiner Urſache auch ſelbſt die meiſte Ausdehnung habe, iſt natürlich. Die Benennung Haarrauch rührt daher, daß in der Regel nur die Hochmoore gebrannt werden. Die Tabellen enthalten die Wind- und Haarrauchbeob⸗ achtungen vieler Orte von den Jahren 182127. Die Nachträge von Seite 34 an geben die Namen der Beobachter, Beweisſtellen verglichener Acten und Schriften, endlich auch einige Documente, unter an dern die osnabruckiſchen Verordnungen von 1720, in denen das Moorbrennen wegen des daraus ent ſtehenden Haarrauchs verboten, gleich darauf aber, weil es zur Cultur des Moores durchaus nothwen dig ſey, wieder geſtattet wird. Alſo kannte man damals bereits die Urſache!

(Gersdorfs Repertorium f. d. FJ. 1835.

4. Bd. 5. Heft. S. 439.

Beſchraͤnkte Urtheile.

Peter ſland eine geraume Zeit an einem Börn chen und ſchaute in das klare Waſſer hinein, als wenn er über etwas nachdächte. Zu ihm kommt ſein Vetter Jacob und fragt, was er denn ſo ge⸗ ſchäftig da hineinſchaue? Da unten, ſagte der Peter, ſitzt ein Waſſermolch, dem ſeh ich zu, wie er von einer Ecke des Bokns in die andere kriecht, und kommt doch in ſeinem Leben nicht weiter. Was muß ſo ein Thier wenig wiſſen, das gar keine Ge legenheit hat, ſich in der Welt umzuſehen.

Und wie viel wirſt du wiſſen? ſagte der Jacob, der ſchon einmal bis nach Frankfurt am Main ge⸗ kommen war, während Peters größte Reiſe nicht weiter reichte, als von ſeinem Dorfe nach dem zwei Stunden entfernten Landgerichte, wo er vor einiger Zeit hatte einen Eid ſchwören müſſen, den man zur Noth hätte ſparen können. Du weißt noch nicht einmal, was ſo ein Fluß, wie der Main, für ein unvernünftig groß Waſſer iſt.

Während ſie ſo ſprachen, hatte ſich der Michel beigeſellt, und die letzten Worte gehört. O, ſagte er, ihr dummen Menſchen, ihr haltet den Main für ein unvernünftig groß Waſſer! Ihr ſolltet einmal, wie ich, in Amſterdam geweſen ſeyn und nicht weit davon das Meer geſehen haben! Dann würdet ihr ganz anders ſprechen.

Iſt das Meer größer als der Main, fragte der wißbegierige Jacob. Wie breit iſt denn das Meer?

Das Meer, ſagte der verſtändige und gereiſ'te Michel, iſt weiter weiter als von hier bis an's Landgericht.

Ei du allmächtiger Gott, rief Jacob aus, da kann man ja kaum bis ans End' ſehen!

Wenn Einer, der die ganze Erde umſchifft hat,

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