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Stadt Friedberg nahmen das ganze Landgerichtsper⸗ ſonal der 4 Landgerichte des Kreiſes Friedberg, eben ſo das ganze Forſtperſonal, faſt ſämmtliche Staats⸗ diener und noch viele Geiſtliche aus dem Kreiſe, die Staatsdiener in Uniform, daran Theil, und es war ein recht erfreulicher Anblick, ſie Alle im bun⸗ ten Gemiſch und in ſchöner Eintracht bei ſo feſt⸗ licher Gelegenheit vereinigt zu ſehen. Die dabei ausgebrachten Toaſte auf das hohe Wohl unſers allgeliebten Landes vaters, des Erbgroßherzogs Hoheit und des geſammten Fürſtenhauſes wurden mit einem Enthuſiasmus aufgenommen, der die innige Liebe und Verehrung des erhabenen Herrſchers und Höchſt⸗ deſſen Familienglieder von Seiten aller derjenigen, welche an dem Gaſtmahle Theil nahmen, ſo recht ausſprach. Abends war in dem zum Feſte aus⸗ erwählten Lokale, dem Garten des Burggraſtats, eine Illumination, welche eine ſchöne Wirkung her— vorbrachte. Der Andrang des geſammten Publikums war überaus groß.
Unſer Militär hat uns ſeit dem 23. Morgens verlaſſen, um zuerſt in den Umgebungen der Reſi⸗ denz mit den übrigen Truppen die Uebungen fort⸗ zuſetzen und ſpäter an dem großen Herbſt⸗Maneuvres Theil zu nehmen, welche dieſes Mal das geſammte achte Armee⸗Corps, das aus den Truppen von Würtemberg, Baden und dem Großherzogthum Heſſen beſteht, in der Gegend von Heilbronn bis nach Schwez⸗ zingen hin vornehmen wird. Wir hoffen, ſie bis Ende September wenigſtens großentheils, das heißt die, welche nicht verabſchiedet oder beurlaubt werden, wiederzuſehen.—
Spruͤchwoͤrter.
Ein Sprüchwort(Manche ſchreiben Sprich⸗ wort) iſt ein irgend wann von Jemanden gethaner Ausſpruch, der durch treffenden Inhalt und kräftige Form ſo ſehr Beifall erlangte, daß er von Andern unverändert beibehalten und endlich Gemeingut wurde.
Es gibt Sprüchwörter, welche ſich faſt in alle verwandte Sprachen eingeſchlichen, faſt bei allen nur einigermaßen gebildeten Voͤlkern einheimiſch ge⸗ macht haben. Dieſe müſſen wohl den meiſten Geiſt, die größte Kraft in ſich tragen. Andere ind mit der Bibel überall dahin gelangt, wo ſie und mit ihr das Chriſtenthum Eingang gefunden hatte. Da⸗
gegen gibt es andere, die nur Einem Volke und ſeiner Sprache eigenthuͤmlich ſind. Ein Volk hat mehr, ein anderes weniger Sprüchwörter, je nach dem mehr oder weniger praktiſcher Sinn und Lebens⸗ weisheit ihm einwohnt. Unter den europaiſchen Sprachen mögen die ſpaniſche und die deutſche
ſich der meiſten Spruͤchwörter rühmen können.—
Wie aber ein Land ſich theilt in Provinzen und ein Volk in Stämme, ſo findet man auch wieder Spruͤch⸗ wörter, die nur in gewiſſen Gegenden und Landes⸗ ſtrichen zu Hauſe ſind, und an jedem Orte giebt es wieder gewiſſe Leute, aus deren Munde man ſelten ein Sprüchwort vernimmt, während Andere faſt nie anders als in Sprüchwörtern reden, wie weiland der edle Sancho Panſa in den Begebenheiten des ſinnreichen Junkers Don Quixote von La Mancha,
oder wie der arme Richard bei Benjamin Frank⸗
lin oder der Meiſterſänger Wirri bei Zſchokke. Viele unſerer Sprüchwörter ſind ſehr alt, und
ob man es ihnen gleich nicht an der Stirne anſieht
oder an den Zähnen, wie viel Jahre ſie bereits zäh⸗ len, ſo möchte doch ſo viel als beſtimmt anzunehmen ſeyn, daß diejenigen, welche einen kurzen, kräftigen Reim(wie„Trau, ſchau, wem?“— oder„Heut roth, morgen todt“) bilden, überhaupt durch Kuͤrze und Bündigkeit ſich auszeichnen, zu den älteſten ge⸗ rechnet werden können, welche unſere deutſche Sprache beſitzt. 5
So viel Erfahrung, Klugheit und Weisheit den Sprüchwörtern im Ganzen inne wohnt, eben ſo viele Vorſicht iſt bei ihrer Anwendung noͤthig. Denn es ſind ihrer gar viele, die ſich geradezu widerſprechen, oder andere, deren Inhalt nur ſehr bedingt wahr iſt, oft ſogar den ganz Unſchuldigen tief verletzt.
Einſender beſitzt eine Sammlung von Sprüch⸗ wörtern, die er nicht aus einem Buche abgeſchrieben ces iſt vor nicht gar langer Zeit wieder eine gedruckte Sammlung erſchienen, die ihm aber nicht zu Geſicht kam), ſondern wie er ſie hörte oder wie ſie ihm ein⸗ fielen, aufgezeichnet und dann alphabetiſch geordnet hat. Daraus theilt er hier dem Leſer ein Proͤbchen von drei Viertel Hundert nebſt der Dringabe mit, und zwar diesmal gerade nur ſolche, die mit wenn und wer anfangen. Der geneigte Leſer mag daraus auf den Reichthum des Ganzen ſchließen. Wenn ihm das Pröbchen behagt, ſo kann gelegentlich mit Mehr aufgewartet werden.
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