Ausgabe 
26.9.1840
 
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Intelligenzblatt

6 ſür die

Vrovinz 2

Vberhessen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M39.

Sonnabend, den 26. September

1840.

Mi dem tſten Oktober kann auf dieſes Intelligenzblatt für das letzte Vierteljahr d. J. mit 24 kr. abonnirt werden, welcher

Betrag jedoch voraus zu bezahlen iſt.

Zugleich muß ich wiederholen, daß nur diejenigen Inſerate eine ſichere Aufnahme in derſelben Woche in dieſem

Blatte finden, welche bis zum Donnerſtag Nachmittag um 3 Uhr bei mir eingegangen ſind.

C. Bindernagel.

Die Samſtags-Gaͤſte. (Schluß.)

Die Samſtags⸗Gäſte hatten aber doch auch ihre Gegner und Widerſacher, und unter dieſen keinen bedeutenderen als den reichen Kronenwirth. Dieſer konnte ihnen nicht verzeihen, was ſie ſo gar bei öffentlichen Gelegenheiten über ihn geäußert hatten.Ein Wirth, ſagte nämlich einmal der Lorenz in Gegenwart vieler Leute,iſt ein nütz licher Menſch und ſein Haus, ein nothwendiges Haus, aber nur für die Fremden und Reiſenden; für die Einheimiſchen taugt er nicht viel, weil man in ſei⸗ nem Hauſe nur lernt, wie man die koſtbare Zeit verſchwendet, wie man unnöthiger Weiſe ſein Geld ausgibt, wie man über den Nachbar räſonnirt und ſeine eignen Fehler überſieht, und wie man ſo recht in die Leidenſchaft des Kartenſpieles kommt, bei dem ſich allemal derGott ſey bei uns einſtellt, weils da für ihn am Beßten Gelegenheit zu einer armen Seele gibt Das hatte der Wirth wieder gehört und wußte, daß ſie alle acht ſo dachten, und weil er wohl auch durch ſie eine Abnahme ſeiner Gäſte wahrnehmen mochte, ſo war er allen Samſtags- ſten von Herzen gram, und wenn er ihnen hätte ein Bein ſtellen konnen, ſo würde er's ſehr gerne gethan haben. Es wollte aber bei dem beßten Willen ſeiner Seits lange nicht glücken. Endlich gab's eine Gelegenheit, wie ſie nicht beſſer ſeyn konnte.

In den unruhigen Jahren kam einmal ein frem⸗ der Herr aus der Reſidenz, dem der Wagen ſchad⸗

haft geworden war und der deswegen, vielleicht auch wegen anderer Geſchäſfte, ein Paar Stunden im Wirthshauſe zubringen mußte. Aus langer Weile fragte dieſer den Wirth um allerlei Nachrichten über das Dorf und deſſen Bewohner, wie's manchmal Reiſebeſchreiber machen, die gerne über einen Ort etwas ſagen wollen, von dem ſie nichts wiſſen. Da kramte nun der Herr Wirth, der ohnehin ein Bischen redſelig war, Allerlei aus; beſonders aber machte er ſeinem Herzen über die Samſtags-Gäſte Luft. Es iſt, ſagte er dem Herrn mit ganz wichtiger Miene, hier ſo ein gefährliches Kliekchen, das treibt ſein Unweſen ſchon ſeit einiger Zeit im Dorfe, aber ganz im Stillen, weil's das Tageslicht ſcheut. Ihrer ſind zuſammen acht, die ihre heimlichen Zuſammen⸗ künfte in jeder Woche halten, gerade wie die De magogen in Paris und an andern Orten auch; und haben Geld, wie Heu, ohne daß man weiß, wo's herkommt. Aber mit ehrlichen Dingen geht's nicht zu, und verbotene Bücher leſen ſie auch. Und an ihrer Spitze ſteht der Lorenz, der Schreiner, der lange Zeit als Geſell in der Fremde war, und dort Flöh in die Ohren geſetzt bekam. Wo ſoll das am Ende mit unſerm armen Dörfchen hinaus?

Das merkte ſich der fremde Herr, und als er wieder in die Reſidenz gekommen war, mußte ers wohl vor die rechte Schmiede gebracht haben; denn ehe man ſichs verſah, kam ein Herr Commiſſaͤr, der hatte geheime Befehle. Nun wollte aber das Glück, daß derſelbe ein alter Freund und Schulkamerad