Ausgabe 
23.5.1840
 
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Intelligenzblatt

ſür die

Fropins Dberhessen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

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Sonnabend, den 23. Mai

1840.

Bitte

Die achtzehn Kinder, welche gegenwärtig die Kleinkinderſchule zu Friedberg beſuchen und der Spielzeuge gar ſehr bedürfen, haben dem Einſender dieſes den Auftrag gegeben, begüterte Kinderfreunde und die Eltern derjenigen Kinder, welchen der liebe Gott mehr beſchert hat, als ſie zum Spielen brau chen, freundlich zu bitten, ihnen doch etwas von dem Spielzeuge, was ſie bei Seite gelegt haben, zukommen zu laſſen. Indem derſelbe ſich dieſes Auf⸗ trags hiermit entledigt, verſpricht er zugleich im Namen dieſer Kinder, daß ſie nicht nur von dem, was ſie erhalten werden, einen recht guten Gebrauch machen, ſondern auch für jede Liebesgabe den Ge

bern die Händlein reichen und, ſobald ſie zum lie⸗

ben Gott bäten gelernt haben, dieſelben dankbar in ihr Kindergebät einſchließen wollen.

Das Weib.

Wehmüthig bedachte ich oft, wie wenig erfordert wird, um ſich des Mannes innigſte Liebe ſtandhaft zu erhalten, und wie wenig weiblichen Weſen es doch gelingt. Das ganze Geheimniß liegt in der Kunſt, des Mannes Schöoͤnheitsſinn durch nichts an ſich zu beleidigen, nie in Vernachläſſigung ihrer Ge ſtalt ſich vor ihm ſehen zu laſſen, um dadurch Ekel in ihm zu erwecken. Ich hatte in Lemberg eine ſehr gebildete, eigentlich nicht ſchöne, doch angenehme Frau gekannt, die ſchon in das 9. Jahr mit einem geiſt⸗ und kenntnißvollen Mann verehelicht war, und von ihm wirklich noch mit der Wärme und Innig⸗ keit, wie am erſten Tage ihrer Verbindung, geliebt wurde. Ich pries ſie glücklich und ſchrieb ihr Glück ihrer Geiſtesbildung zu; ſie aber antwortete mir:

wie jung ſind Sie noch in der Erkenntniß Ihres

eigenen Geſchlechtes? Mein Waſchbecken und

mein Spiegel, die heute noch ſo, wie vor 9 Jah⸗ ren, ihren Rang über alle Bücher bei mir behaup⸗ ten, nützen mir hierbei mehr, als alle möglichen Bibliotheken. Sie war auch wirklich an Geiſt, Gefühl und Körper ſo rein, daß ſelbſt der ſcharf ſichtigſte Beobachter keinen Makel oder Geſchmack widrigkeit an ihrem Anzuge, keine Ecke in der Hal⸗⸗ tung oder Bewegung ihres Körpers, kein Wölkchen in ihrem Geſichte, keine Schwerfälligkeit in ihrer Laune, keine Diſſonanz in ihrer Gemüthsſtimmung hätte bemerken können. Ich warf ihr Zeitverluſt vor; ſie lachte mich aus und ſagte:wenn ich die Stunden der Abweſenheit meines Mannes mit meinem Waſch becken und Spiegel zubringe; ſo gewinne ich, daß er keine Minute länger von mir wegbleibt, als von Amtswegen muß. Iſt er dann da, ſo habe ich hundert Fragen in Bereitſchaft an ihn, und dieſe beantwortend lehrt er mich in Einer Stunde mehr, als ich durch tagelanges Bücherleſen lernen würde. Der unglücklichſte Gedanke, der einer Frau je in den Sinn kommen kann, iſt:Der Mann hat mich nun einmal; er muß mich behalten, wie ich bin.

So ſteht Seite 304 in Feßlers Rückblicken. Was er da ſagt, enthält manches Wahre, aber auch manches Halbwahre oder Schiefe. Wir fragen zuerſt: Weswegen putzte, ſich die Frau? und erhalten die ein⸗ fache Antwort darauf: Es geſchah aus Liebe zu ihrem Manne. Mithin war's nicht der Putz, der ihn feſſelte, ſondern die Liebe des Weibes, die ſich in tauſend Geſtalten, folglich auch in dem gewählten, ſaubern Anzuge offenbaret.

Wir erlauben uns, unſere Gedanken hierüber mit einigen Worten darzulegen.

Wohlgefallen an den Formen führt zunächſt zur Liebe des andern Geſchlechtes. Die Phantaſie, die in der Blüthe der Jahre am thätigſten iſt, zau bert alles Liebliche um den Gegenſtand der Ver ehrung, und hebt ihn weit über die Wirklichkeit hin⸗