Ausgabe 
19.9.1840
 
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E. vierten Theil von dem zu Stande, was unſern Sa m⸗ ſtags⸗Gäſten glückte, und das kommt ohne Zwei⸗ fel daher, weil ſie vereinzelt daſtehen, dieſe Sa m⸗ ſtags⸗Gaͤſte aber für jede Sache von einiger Bedeutung unter ſich verbunden waren. Bei ihnen konnte man ſich ſo recht überzeugen, daß vereinte Kraft ſtark macht, und ohne verbundene Kräfte nichts Großes zu Stande kommen kann. So hatten ſie ſich ſchon längſt unter einander verſtändigt, wie ſie's anfangen wollten, wenn einmal in dem Dorfe ein Brand entſtünde. Sie hatten aber feſtgeſetzt, bei einer ſolchen Noth zuerſt die Menſchen zu retten, dann was feuergefährlich ſey, z. B. Stroh de., wegzu⸗ ſchaffen, und hierauf erſt Geld, Papiere, Weißzeug und anderes Hausgeräth zu retten. Um in einge⸗ ſchloſſenen Räumen das Feuer zu tödten, müſſe man Schwefel anzünden, wenns im Schornſteine brennt, hineinſchießen. Wo das nicht gehe, müſſe die Spritze wirken; ehe aber dieſes geſchehe, müſſe ein Theil von ihnen die Anweſenden in Reihen ordnen oder

die Frauen und Mädchen anhalten, aus den ver⸗

ſchiedenen Brunnen des Orts Waſſer in Zübern herbeizutragen. Helfe aber das Waſſer nicht mehr, dann müſſe ohne Barmherzigkeit niedergeriſſen wer⸗ den, was Gefahr drohe, damit wenigſtens die fol⸗ genden Häuſer gerettet würden. Bei dem Allem gelte nicht lange Federleſens, ſondern wo's Noth habe, müſſe man das Leben für die Brüder wagen, denn Menſchen zu retten, ſey mehr werth als ſein Leben zu erhalten. So war ſchon zweimal durch dieſe Samſtags⸗-Gaſte ein gefährlicher Brand- ohne bedeutenden Schaden gelöſcht worden. Man merkte dabei wohl, daß Einer dem Andern in die Hände arbeitete, aber auch, daß der Lorenz, oder wie ihn die Leute nannten, der ſtarke Lorenz, die Seele des Ganzen war.

Wie ſie aber alle nach und nach wohlhabend wurden, davon lag die Urſache auch in ihrer Ver⸗ einigung. Wenn nämlich andere Hausväter des Abends ins Wirthshaus gingen, ſo blieben ſie zu Hauſe und unterhielten ſich mit ihren Kindern oder ließen dieſe aus einem nützlichen Buche, deren ſie immer Eins oder das andere hatten, vorleſen. Sie rechneten dabei ſo: Unter 4 Kreuzern wird ein ſolcher Gang ins Wirthshaus nicht abgemacht; das ſind den Monat zwei Gulden. Alle Monate nun trug Jeder dieſe 2 Gulden oder was er ſonſt erübrigt hatte, manchmal gar drei oder vier, herbei und die kamen zuſammen in die Sparkaſſe der nahegelegenen Stadt. Nach Verlauf eines Jahres wurden die Zinſen wie der auf Zinſen gelegt, und ehe zwölf Jahre um waren, fand ſich, daß ſie ein bedeutendes Capital beiſammen hatten, das nun getheilt und von jedem beſonders angelegt wurde. Wenns ging, wurde aber auch noch nebenbei alle Monat Ein Kreuzer in eine beſon⸗ dere Spaxbüchſe gelegt, und aus dieſer jährlich ein gutes Buch angeſchafft, das von einer Familie zur andern wanderte.

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Sonſt unterrichteten ſie ſich einander in allerlei nützlichen Dingen, und wenns noͤthig war, etwas Gutes zu betreiben, ſo halfen ſie ſich einander. So ließen ſie ſich in der Art, wie man am beßten die Wieſenbewäſſerung anlege, unterweiſen, und führten das, wenn's wegen der Nachbarn möglich war, bei den ihrigen aus. Die Anlegung einer guten Dung⸗ ſtätte hatten ſie ebenfalls gelernt, und ehe man ſich's verſah, hatten ſie ſich alle 8 dergleichen angelegt. In ihrer Wirthſchaft waren ſie vor allen Dingen auf gutes Rindvieh bedacht. Sie meinten, ohne einen tüchtigen Stall Vieh gebe es keinen Dünger, und ohne Dünger könne man von dem Acker auch auf nicht viel Frucht rechnen. Das Vieh ließen ſie aber nicht, wie die Andern, den ganzen Sommer auf die Weide gehen, ſondern führten die Stallfütterung ein, ohne welche weder auf viele Milch noch auf bedeu⸗ tenden Dünger gerechnet werden könne.

Bei dergleichen Dingen ſchüttelten freilich manche ſonſt brave Dorfbewohner die Köpfe, und meinken, das gieng nicht gut; die Alten wären auch kluge Leute geweſen und klüger als ſie, und wie's die Alten gemacht hätten, wollten ſie's auch machen. Wenn ſie aber nachher ſahen, daß die Samſtags⸗ Gäſte einen beſſeren Viehſtand hatten, daß ihre Fruchtäcker allemal fetter und beſſer ſtanden, als die übrigen, daun wurde doch Manches von ihnen angenommen und nachgeahmt, und es verbreitete ſich im Dorfe ein vermehrter Wohlſtand, wie ſich nachgerade ein beſſerer Geiſt verbreitete, der am Ende Gemeingeiſt wurde.

(Schluß folgt.)

M i see el bei Braunkohlen Ertrag.

Im Jahr 1839 ſollen im Braunkohlen⸗Bergwerk

zu Dorhetm 324,000 Centner Braunkohlen verkauft worden ſeyn. Davon kamen vertragsmäßig an die kurheſſiſche Saline zu Nauheim 120,000 Centner. Die übrigen im Betrage von 204,000 Centner er⸗ hielt das Publikum. Welch' eine Maſſe von Holz wäre nothwendig geweſen, um dieſelben zu erſetzen! Und woher hätte dieſes Holz kommen ſollen?

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Dichter ge

Der Einſender dieſes hat in einem gewiſſen Album, das ihm zufällig in die Hände kam, einen merkwürdigen Erguß eines poetiſch geſtimiaten Her⸗ zens gefunden, den er einem größern Publikum nicht vorenthalten zu duͤrfen glaubt. Schade nur, daß man die Verfaſſerin nicht nennen kann, ſonſt würde es gewiß jeder Leſer für ſeine Pflicht erachten, derſelben ihrer Verſe wegen ein Compliment zu machen. Das Ganze lautet mit diplomatiſcher Ge nauigkeit abgeſchrieben alſo: 8

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