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„N ſtlichen
urgermeiſter
Intelligenzblatt
für die
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Yberhessen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
338.
Sonnabend, den 19. September
1340.
Die Samſtags⸗Gaͤſte. (Fortſetzung.)
Lorenz war der Sohn eines ganz gewöhnlichen Handwerkers, die eben auf dem Lande von den Bau⸗ ern nicht ſehr hoch gehalten werden. Er hatte bei ſeinem Vater das Handwerk, die Schreinerei, erlernt, was aber mehr werth war, er war von ſeinem Va⸗ ter nicht nur zur Arbeitſamkeit, ſondern auch von ihm und ſeiner Mutter zur Frömmigkeit, Redlichkeit und Biederkeit angehalten worden, hatte dann meh— rere Jahre als Handwerksburſche die Welt geſehen, überall bemerkt und gelernt, wo etwas Gutes zu bemerken und zu lernen war und das Glück gehabt, einen vortrefflichen Meiſter in einer Stadt zu finden, der die glücklichen Anlagen deſſelben erkannte und dafür ſorgte, daß er in einer„Sonntagsſchule“ in dem unterrichtet wurde, was ihm abging, beſon— ders im Schreiben und Zeichnen. Und ſo war er denn als ein erfahrner junger Mann aus der Fremde zurückgekommen, hatte nach dem Tode ſeines Vaters deſſen Geſchäft übernommen, und eine wackere Lebens— gefaͤhrtinn in ſeiner ſanften Eliſabeth gefunden. Da das väterliche Häuschen alt und baufällig war, ſo ließ ers niederreißen, und erbaute ſich eine neue Wohnung. Dieſe Wohnung war nicht größer als die gewöhnlichen Bauernhäuſer; wer ſie aber im In⸗ nern betrachtete, mußte geſtehen, daß ſie geſuͤnder ſey und mehr Bequemlichkeit und Raum darbiete, als Eine Wohnung im ganzen Dorfe, das Pfarrhaus ſelbſt nicht ausgenommen.
Damit war aber Lorenz noch nicht zufrieden. Zum glücklichen Leben gehört, meinte er, nicht nur tüchtige Arbeit, um die Seinigen ehrlich und redlich nähren zu können, und eine freundliche Wohnung, ſondern auch dann und wann eine gute Unterhal⸗
tung mit guten Freunden. Nach und nach hatte er ſich wirklich in ſeinem Dorfe eine Anzahl ſolcher Freunde ausgeſucht, ſo daß ſie ihrer Acht waren, die man darum die Samſtags-Gäſte nannte, weil ſie im Winter alle Samſtag⸗Abend zuſammen⸗ kamen, im Sommer m en überhäufter Geſchäfte freilich nur alle vier Wochen. Zum Theil waren es Schulkameraden von Lorenz, und zwar ſolche, die ſich als ehrlich und redlich bewährt hatten, zum Theil aber auch jüngere Leute; Einer von ihnen war aus der Ferne in das Dorf gezogen. Es be⸗ ſtand die ganze Geſellſchaft aus Leuten, die durch Wort und That bewieſen, daß ſie, wie man im gemeinen Leben zu ſagen pflegt, Männer waren,— die des Sonntags nicht verſäumten, ihren Gottes⸗ dienſt zu beſuchen und der Predigt fleißig zuzuhören, ſich in der Woche durch weder vor einer Arbeit, noch vor einem Menſchen, ſondern nur vor, Gott fürchteten, ihre Kinder zum Fleiße, zur Redlichkeit und Gottesfurcht anhielten, ihre Geſchäfte„mit Gott“ und raſch angriffen und, weil ſie, was einmal ange⸗ griffen war, nicht bei Seite legten, raſch beendeten. Ihr gemeinſamer Wahlſpruch war„Schlicht und recht.“
In der That zeichneten ſie ſich im Aeußeren in Nichts vor ihren Mitbürgern aus; dennoch waren ſie nicht nur von den geiſtlichen und weltlichen Be amten des Dorfes vor Andern geachtet, ſondern hatten auch nachgerade durch Fleiß und Sparſam— keit das Wenige, was ſie von ihren Eltern ererbt oder erheirathet, zu einem etwas mehr als wenig gebracht, das heißt, ſie waren wohlhabend geworden.
Solche brave und redliche und fleißige Leute, wie ſie waren, hat nun wohl faſt jedes Dorf unſers lieben deutſchen Vaterlandes, und vielleicht mehr als ihrer waren, aufzuweiſen; ſie bringen aber nicht den


