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dagegen wieder um eine Linie gefallen, und den Dienſtag Morgen der Thermometer auf 12 Grad unter Null, während der Barometer auf 28 Zoll % Linie gewichen war. Bis dahin hatten wir faſt keinen Wind, nur etwas Luftzug von Norden. Von jetzt an warf ſich die Fahne, und der Wind, der meiſt von Suͤden kam, machte den etwas geringeren Grad von Kälte empfindlicher als vorher.
Indeſſen glaubten wir aus dieſen Vorzeichen einem Aufgehen des Wetters entgegen ſehen zu koͤn— nen, fanden aber am 15ten Morgens den Himmel wieder heiter, der Barometer war um eine gute Linie geſtiegen und der Thermometer auf 13“ſcꝗunter Null. Erſt mit Donnerſtag trat die Witterungs— veränderung ein.
Foͤrderung des Geſanges in Vilbel.
So manches Schöne, das uns die fortgeſetzten Friedensjahre bringen, nehmen wir hin, als verſtände es ſich von ſelbſt, ohne zu bedenken, wie glücklich wir ſind, daß wir ungeſtoͤrt des Schönen uns freuen koͤnnen, oder, wie unwürdig wir ſind, daß wir die von der Natur und den Zeitumſtänden dargebotenen Mittel immer und immerfort ſchlummern laſſen. Es dürfte ſchwerlich ein allgemeineres und wirkſameres Mittel zur Erzielung veredelter geſelliger Freuden und wohlwollender Annäherung geben, als den har— moniſchen Geſang. Statt weiteren Beweiſes citire ich nur die Kernſprüche der Alten:„Wo man ſingt, da laß dich nieder, Böſewichte haben keine Lieder;“ und:„Ein ſingendes Volk wird leicht ein froͤhliches Volk und ein fröhliches Volk wird leicht ein gutes Volk.“ 2
Die Genüſſe edleren Geſanges, bis in unſere Tage herab das Vorrecht vom Glück Bevorzugter innerhalb der Ringmauern volkreicher Städte, haben über jene eingeengten Räume hinaus bis zu allem Volke Bahn gefunden. Zwar werden harmoniſche Geſange von einzelnen Muſenloſen als fremde Gäſte griesgramlich angeſehen; dagegen begrüßt ſie der unverdorbene Kern des Volkes mit herzlichem Will— kommen.
Eine erfreuliche Erſcheinung iſt es ſeit einiger Zeit, daß in Vilbel ein kräftiger ſtark beſetzter Männerchor feſt beiſammen ſteht und unter der Lei— tung des Herrn Lehrers Ried als Directors und des Herrn W. Fink gut ausgewählte Männerquar— tette ernſten und heitern Inhalts mit Kraft und Präziſion an verſchiedenen Abenden der Woche aus- führt. Durch vereinte Anwendung des von der Natur ihnen verabreichten glücklichen muſikaliſchen Erbtheils erzielten dieſe beide Herrn ein raſches Gedeihen des Vereins. Auf freundliche Einladung
des Herrn Pfarrer Maas wurde am erſten Chriſt⸗
tage von dem Vereine Bernard Kleins Motette
ſür den vierſtimmigen Männergeſang: Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen ꝛc. bei gefüllten Räu⸗ men des Gotteshauſes zur Erbauung und Freude der Gemeinde vorgetragen. Der einleitende erha— bene Choral:„Macht auf das Thor der Herrlich— keit ꝛc.“ war von ergreifend rührendem Eindrucke auf die Gemüther.
Iſt ſchon dieſes Werk B. Kleins, im beßten Kirchenſtyle gehalten, ſelbſt für Kunſtgeübte nicht ohne Schwierigkeiten, ſo muß man über den beharr— lichen Eifer Derer ſtaunen, die, ohne gerade Muſik zu häufiger Beſchäftigung ſich wählen zu können, ſolch löblichen Zieles ſich freuen dürfen, und vorab 1 dieſer Richtung ihres Sinnes ihnen Glück wün⸗ chen.
Das Wirken des Singvereins zu Butz bach.
Wir verbinden mit Obigen auch die Anzeige von dem Singvereine zu Butzbach, uber deſſen Wir⸗ ken uns eine ausführlichere Mittheilung zugekommen iſt, als unſer Blatt faſſen kann, und die wir des— wegen nur im Auszuge den Leſern geben.
Der vor einem Jahre zu Butzbach unter dem Namen Orpheus in's Leben getretene Singverein beſteht gegenwärtig aus hundert und einigen jün— geren Bürgern und Bürgersſoͤhnen und bewies am 22. d. M. wiederholt, wie Luſt und ſteter Eifer die größten Hinderniſſe zu überwinden und das früher kaum für möglich Gehaltene auszuführen vermögen, indem derſelbe bei einer zahlreichen Verſammlung ſeiner außerordentlichen Mitglieder und deren Fa— milien, zuerſt mehrere Geſange mit Präciſion vier⸗ ſtimmig vortrug.
Nun wurde Sr. Königlichen Hoheit dem Groß— herzoge ein dreifaches Lebehoch gebracht.
Dann wurde der Director des Vereins, gr. Can— tor Eckhard, mit einem ſchönen, in einem werth— vollen goldenen Ringe beſtehenden— Präſent über⸗— raſcht, welches der Singverein ganz in der Stille hatte machen laſſen und nun mittelſt ſeines Vor— ſtandes unter paſſenden Reden, in welchen die Gründe dieſer Handlung ſehr gemüthlich entwickelt wurden, in einem, von einem Kranze aus Immergrün um⸗ ſchlungenen Etui überreichte.
Der ſo freudig Ueberraſchte dankte dem Vereine in paſſenden Worten nicht nur für das werthvolle Geſchenk, ſondern drückte auch ſeine Freude darüber aus, daß der Verein bisher in ſchöͤner Harmonie und ferne von allem kleinlichen Rivaliſiren gewirkt, und hofft, daß er ferner ſo wirken werde.
Hierauf wurde die 2. Abtheilung der Geſänge geſungen und dann gingen die Anweſenden, ſichtbar vergnügt mit dem Wunſche nach Haus, daß dieſer ſchöne Verein noch lauge fortbeſtehen möchte.


