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Aus dem Kleinen das Große.
Zweite Darſtellung, oder: entſage einem kurzen ſinnlichen Vergnügen, du kannſt dadurch ein dauerndes geiſtiges gewinnen; die Clermomtiſche Bibliothek zu Butzbach zeugt dafür.
Schon mehrere Male ſind, wie in vielen öffent⸗ lichen Blättern, ſo auch in dem Friedberger Intel⸗ ligenz⸗Blatt Vorſchläge zur Anlegung öffentlicher Bibliotheken in kleineren Städten und größeren Dör⸗ fern gemacht worden. Sie beweiſen, daß das Be⸗ dürfniß empfunden wird, nicht blos dem Körper, ſondern auch dem Geiſte Nahrung darzubieten; nicht blos das ſinnliche, ſondern auch das geiſtige Ver⸗ gnügen zu befördern. Indeß ſcheint es, als ob nur fromme Wünſche ausgeſprochen worden ſind, als ob der Muth, etwas Ungewöhnliches zu Stande zu bringen, an unvorhergeſehenen Hinderniſſen und man⸗ chen Vorurtheilen ſich gebrochen habe; denn von dem wirklichen Aufblühen ſolcher Anſtalten von nur eini⸗ gem Umfange will wenig verlauten
Es möchte daher zweckmäßig ſeyn, den Beweis zu fuͤhren, daß die Möglichkeit vorhanden ſey, mit kleinen Mitteln, aus ſinnlichen Aufopferungen ent⸗ ſprungen, allmählig öffentliche Bibliotheken zu gruͤnden.
Ein Beiſpiel bietet die oben bezeichnete Biblio⸗ 1115 dar, deren Urſprung hier nachgewieſen werden ſoll..
Im Jahr 1762 errichtete der damalige Rector Clermont zu Butzbach, nebſt ſeiner ausdrücklich bemerkten Ehegattin Maria Margaretha, ein Teſtament, worin ihr einziger Sohn als Univerſal⸗ erbe bezeichnet, aber auch ein Legat von 1005 fl. bedungen wird. Dieſes ſoll zum Beßten der Schule, an welcher der treue Lehrer viele Jahre hindurch wirkſam geweſen war, in folgender Weiſe verwen⸗ det werden:
10 alljährlich ſollen 30 fl. bei den offentlichen Schul⸗ prüfungen unter 5 Latein lernende, eine ſchöne Handſchrift liefernde, im Rechnen geübte, ſitt⸗ liche Schüler der 1. Knabenſchule durch den zeitigen Rector als Prämien vertheilt werden.
2) Für 8 fl. ſollen 4 Rieß Papier erkauft und unter die Schüler der 3 Knabenſchulen ver⸗ theilt werden.
3) 2 fl. ſoll der zeitige Rechner des Kugelhaus⸗ fonds, in deſſen Rechnungen die Stiftung be⸗ handelt wird, pro studig& labore erhalten.
4)„Sollte das Kapital, von welchem 825 fl. zu
„4, 180 fl. zu 5 PCt. verliehen waren, ad 5
„Et. ausgeliehen werden können, ſo ſollen als⸗ „dann die überſteigenden zehen Gulden, ſieben „Albus, vier Pfennige in des zeitigen Rectoris „Wohnung in Beiſeyn des Herrn Amtmanns, „des Herrn Centgrafen, beider Burgermeiſter und „des Stadtſchreibers, jedoch incluſive der Herrn
„Geiſtlichen und Präceptoren und zeitigen Kugel⸗ „verwalter, alle Früh⸗Jahr nach gehaltenem „Examine verzehrt werden.“
Im Jahr 1800 trat der erwünſchte Fall ein, daß das ganze Kapital mit 5 pCt. verzinſet wurde und nun einen zu verzehrenden Ueberſchuß von 10 fl. 15 kr. darbot.
Der damalige Rector durfte nun dieſe Summe in Anſpruch nehmen und ſich und ſeinen Collegen, nebſt den übrigen Berechtigten einen fröhlichen Tag bereiten. Er that es nicht, leiſtete fur ſich Verzicht darauf und bewog auch einen Theil von jenen, Ver⸗ zicht zu leiſten. Etlichen aber gelüſtete nach vollen Flaſchen und dampfenden Schüſſeln. Man nahm keine Rückſicht darauf.
Indeß wurde dem Rechte keineswegs entſagt, von jenen 10 ¼ fl. irgend einen beliebigen Gebrauch zu machen. Darüber waren die meiſten der Berech⸗ tigten einverſtanden, daß irgend ein geiſtiger Genuß dadurch herbeigeführt werden ſollte; über die Wahl deſſelben konnte man ſich nicht vereinigen und ſo blieb die zu verzehrende Summe in der Kaſſe des Kugelhausfonds, und wuchs allmählig zuzeinem be⸗ deutenden Kapital herän.
Erſt im Jahre 1827 wurde von der Inſpection bei großh. Kirchen⸗ und Schulrathe dieſer Gegen⸗ ſtand zur Sprache gebrach Nach laͤngeren Ver⸗ handlungen erfolgte die Genehmigung des Antrags, daß alljährlich 18 fl. als Penſion des erwachſenen, dem Kugelhausfonds durchaus nicht gehörigen Ka⸗ pitals, an den Juſpector, der die ganze Verhand⸗ lung geleitet hatte, und den Rector als Nachfolger des Teſtators— verabreicht und von dieſem zur Anlegung einer Bibliothek, unter dem Namen der „Clermontiſchen,“ verwendet werden ſollten.
Kaum 12 Jahre ſind ſeitdem verfloſſen, und die Gründer dürfen getroſt ſagen: kommt und ſehet, was man mit geringen Mitteln in dieſer kurzen Zeit gewirkt hat.“) 6
(Beſchluß folgt.)
4) Der Unterzeichnete kann bei Leſung dieſes Aufſatzes nicht umbin, eine rühmliche Bereicherung zu erwähnen, welche dieſe Bibliothek durch die uneigennutzige Wirkſamkeit der dermaligen Geiſtlichen zu Butzbach erhalten hat. Dieſe wackern Männer verſahen im Jahr 1839 mehrere Monate lang den Unterricht in der l. Mädchenſchule zu Butzbach unentgeldlich, und verwandten die ihnen dafür zu Theil
gewordene Gratifikation von 60 fl. zur Erweiterung der
gedachten Bibliothek. Küchler, großh. Kreisrath.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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Arbeits-Verſteigerung. (254) Donnerſtag den 19. J. M., Vormittags 10 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhauſe 2 Pritſchen
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