Ausgabe 
11.4.1840
 
Einzelbild herunterladen

· 108.

dem Baume je länger je mehr Säfte entzieht und am Ende deſſen Abmagerung herbeiführt.)

Dieſe Miſteln lohnen reichlich die Mühe des Abnehmens, indem ſie, als viele Schleimtheile ent⸗ haltend, ein gutes Futter für Milchvieh geben.)

9) Aufgraben, Umhacken, Auflockern und Dün⸗ gen des Bodens um die Bäume herum, in ſo weit es nicht ſchon vor oder im Winter geſchah, und wo⸗ bei Gülle, Jauche, Blut ꝛc., bei feuchtem Wetter aufgebracht, ſchon gute Dienſte leiſten werden.

Dieſes Auflockern des Bodens bewirkt außerdem auch noch die Tödtung der Puppen von Schmetter⸗ lingen und anderen Inſekten, die Reinigung des Bodens von Unkräutern.

10) Sorgfältige Entfernung der Raupenneſter und Raupeneier, wovon hier hauptſächlich folgende zu nennen ſind:

a) Raupen, die des Goldafters,(Weißdornſpinner, Neſter⸗ raupe, Wickelraupe) und die des Baumweißlings (Weißdornfalter), welche wie die des Goldafters mit Eintritt des Winters ſich in zuſammengezogenen Blättern an den Spitzen der Zweige einſpinnen. b) Raupeneier,

die der Ringelraupe(des Weißbuchenſpinners,) welche in grauen Ringen von 150 300 Stück unter ſich verklebt die Zweige umziehen und aus denen die Raupen im Mai hervorkommen.

Wo man eine größere Zahl von Raupen zu be⸗ fuͤrchten hat, gebietet die Vorſicht, mit Abnahme der Neſter ſchon vor und im Winter zu beginnen, in⸗ dem man ſonſt im Frühjahr nicht leicht mehr Herr über die Raupen würde. Sonſt kann es bis zum Erſcheinen dieſer ſelbſt verſchoben werden, weil den Winter über doch manche Neſter durch den Froſt ꝛc. zerſtört und ſo, abgeſehen von der geringeren Mühe, manche Knoſpen und Zweige dem Baume erhalten werden, die im anderen Falle vielleicht ab⸗ genommen worden wären. N

Zum Abnehmen der Raupenneſter bedient man ſich entweder der bekannten Raupenſcheeren oder des

ebenſo brauchbaren, dabei aber zehnmal wohlfeileren

*) Die häufig verbreitete Meinung, als finde ſich die Miſtel nur auf krankhaften Bäumen, und als ſey ſie desbalb ein Vorbote ihres Abſterbens, iſt durchaus unrichtig. Sie entſteht vielmehr aus, durch Vögel übertragenen, Samenkoörnern der Miſtel, viscum album, und wenn die damit behafteten Bäume kränkeln, ſo iſt es meiſtens die Folge des Wucherns dieſer Schmarotzerpflanze, letz⸗ tere ſelbſt aber nicht die Folge eines Krankſeyns des Baumes.

**) Die Futterarmuth des Jahres 1834 hat in vielen Ge⸗ genden dieſe Benutzungsweiſe hervorgerufen und ſo hatte jene Kalamität, wie dieß meiſtens der Fall iſt, auch wie⸗ der ihre gute Seite, indem dadurch eine Menge von Obſtbäumen, ja ſelbſt von Waldbaumen baͤlder von der Miſtel gereinigt wurden, als es unter andern Verhält⸗ niſſen trotz aller Aufforderungen, Prämien c. vielleicht zu hoffen geweſen wäre.

Raupeneiſens, beſtehend aus einem an einer feinen Stange befeſtigten Stück Eiſenbech mit nach oben und unten gehenden gabelartigen Einſchſſften zum Erfaſſen der Zweige. Ungleich schwerer bebt aller, dings die Vertilgung jener Eier, doch belohnt ſich ihr Aufſuchen und Zerſtören um ſo mehr, als mit der Zerſtörung einer einzigen Eierparthie ja eine ſehr große Zahl von Raupen eingeht.

Daß die abgenommenen Raupenneſter zerſtört, d. h. entweder verbrannt oder in Boden getreten werden müſſen, wenn man nicht nachher die Räup⸗ cheg wieder auf die Bäume zurüuckwandern ſehen will, bedarf wohl kaum einer Erwaͤhnung.

11) Anſtrich der von Moos und Rinde gerei⸗ nigten Bäume mit einer Miſchung von 4 Theilen geloſchtem Kalk, 1 Theil Aſche und 1 Theil Lehm, aufgelöst in Jauche, welcher Anſtrich Mooſe, Flech⸗ ten ꝛc. nicht aufkommen läßt und dem Stamme eine geſunde glatte Rinde zieht.

12) Erneuerung der den Winter uber etwa ein⸗ gegangenen Bänder der jungen Bäume, am beßten von Weiden mit einer Unterlage von feinen Holz⸗ reiſern nicht von Stroh, Moos ꝛc. welche nur, zum Nachtheile des Baumes, die Feuchtigkeit an⸗ halten; endlich und

13) der Baumſtickel ſelbſt*) und Einbinden des

Baumes am beßten in Dorne zur Abhaltung der Haſen, Schafe ꝛc.; nicht in Stroh, da dieſes jene nur noch mehr herbeilocken würde. Eben ſo ver werflich iſt der Gebrauch, die Bäume zu Abhaltung der Haſen mit, dieſen widerlichem Fette zu beſchmieren, da hierdurch nur die Poren des Bau⸗ mes verſtopft, und die§. 7 erwähnten Verrichtungen deſſelben gehemmt würden. 5

Am ſicherſten wird übrigens das Geſagt da er⸗ reicht werden, wo, wie in einzelnen Orten der Pro⸗ vinz Starkenburg die Einrichtung getroffen, daß zur Pflege der Bäume einer ganzen Gemarkung ein beſon⸗ derer Wärter aufgeſtellt iſt.

*) Eine längere Dauer laͤßt ſich dem im Boden ſteckenden Theile dadurch geben, daß man ſie in, über eben abge⸗ löſchtem Kalke ſtehendes, Waſſer 2 3 Tage lang ſtellt, nach dem Abtrocknen mit durch 8 Theile Waſſer verdünn. ter Schwefelſäure beſtreicht und dann an der Sonne abtrocknen laͤßt.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

N

Arbeits-Verſteigerung. (294) Dienſtag den 14. April, Vormittags 10 Uhr, wird bei Gaſtwirth Hyronimuß dahier das Brechen, Anfahren und Setzen der zur Erbauung der Provinzialſtraße von Friedberg über Oberros bach nach Homburg erforderlichen Steine aus den Steinbrüchen bei Oberrosbach, fur die Straßenſtrecke