Ausgabe 
11.1.1840
 
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tungsvorſtände befördern oder darüber zur gutächtlichen Aeußerung aufgefordert werden, folgende that⸗ ſächliche Verhältniſſe genau zu erforſchen und in Ihren Vorlagen zu erörtern, naͤmlich:

10 Wie alt die Bittſteller und wie ihre perſönlichen Verhältniſſe beſchaffen ſind.

Y Welche Familienverhältniſſe bei denſelben obwalten, ob namentlich deren Familie zahlreich verſorgt,

oder nicht verſorgt iſt.

3) In welchen Vermögensverhältniſſen dieſelben ſind, wie hoch namentlich ihr Vermögen und Einkommen anzuſchlagen iſt, und ob ſik eine Penſion oder ſchon eine andere Unterſtützung und welche, genießen.

4) Ob die Bittſteller keine alimentationspflichtigen Verwandten beſitzen(wozu namentlich wechſelsweiſe Eltern und Kinder, Ehegatten und Geſchwiſter zu rechnen ſind), welche in ſo guten Vermögens ver⸗ hältniſſen ſtehen, daß ſie dieſelben genügend unterſtützrn könnten. Endlich 15

5) Welchen Leumund dieſelben haben und ob ſie durch Trägheit, verſchwenderiſche Lebensweiſe, oder durch beſondere Unglücksfälle und ungünſtige Verhältniſſe, und welche, in ihre dermalige hülfsbedürf

tige Lage gekommen ſind.

Dir Verwaltungsvorſtände der Bezirksarmenfonds werden, wenn ſie mir über Unterſtützungsgeſuche 1

Vorlage zu machen haben, nach vorgängiger Prüfung ſich ebenfalls über dieſelben Veihältniſſe ausſprechn.

Friedberg deu 6. Januar 1840.

Küchler.

g bn Bekanntmachung.

Der neue Vicinalweg von Fauerbach II. über Oſſenheim bis zur Florſtädter Grenze iſt mit Anfang

dieſes Jahres für den Verkehr eröffnet worden. Friedberg den 6. Januar 1840.

Der großh. heſſ. Kreisrath des Kreiſes Friedberg

ü ch ler.

Nachtrag zur Geſchichte des Herrn Wirths zum guͤldnen Kalb.

Alle Wirthe in der ganzen Wetterau haben zu⸗ ſammen nicht ſo viel Unglück erlebt, als unſer Herr Wirth zum güldnen Kalb, und doch hatte vielleicht Keiner den Anſatz zu einem dicken und reichen Manne in ſo hohem Grade als eben unſer Herr Wirth. Aber ſchon in der Bibel ſteht ja:Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Und damit tröſtete ſich auch unſer Herr Kalbswirth nach jedem Unglücke, das ihm widerfuhr. Dießmal will ich dem geneig⸗ ten Leſer zu dem, was er ſchon lange weiß, einen Nach⸗ trag geben, indem ich ihm mittheile, wie derſelbe Herr Wirth, als er eben ſtark darauf los ging, ein reicher Mann zu werden, das Unglück hatte, ſeine

lintlichen Kunden zu verlieren, eine Unglück, das

er, zum Troſte ſey's geſagt, mit Manchem ſeiner Amtsbruͤder theilt.

Daß es in der Welt allerlei Unglück gibt, wor⸗ an man vorher gar nicht dachte, das wiſſen unſere Leſer ſchon aus der Leidensgeſchichte jenes Fuhr⸗ manns, der ein ganzes Jahr lang mit aller nur er⸗ denklichen Mühe und Sorgfalt ſein Pferd gelehrt hatte, ſich ohne Koſt in der Welt durchzuſchlagen, und dem nun das Schickſal zu Theil wurde, daß es gerade zu derſelhen Zeit fallen mußte, als es die Kunſt meiſterhaft il tte. So und nicht anders ergings unſerm wacker Lund biederen Kalbswirthe mit ſeinen Gäſten. Und zwar verhielt ſich das auf dieſe Art: f

Wenn einer ſeiner verehrtenFreunde ſein

Schöppchen oder mehr getrunken hatte und nun den

Kronthaler aus der Taſche zog, um ſeine Zeche zu

bezahlen und den Reſt wieder einzuſtecken, dann war

der Herr Wirth allemal in Gedanken, und gab dann, ſtatt auf einen ganzen, jedesmal nur auf einen halben Kronthaler heraus. Kein Menſch konnt' ihm das übel nehmen, denn es war ein denkender Kopf, der ſich mit höheren Gegenſtänden beſchäftigte, und dem das Geldweſen eigentlich doch nur Nebenſache war und blieb. Dabei gings manchmal in der Wirthsſtube ſo gewaltig drunter und drüber, daß mans einem Wirthe, wie er war, gar nicht verübeln konnte, wenn er ſtatt 1 fl. 40 kr. nur Zwanzig Kreuzer herausgab, oder das Herausgeben ganz ver⸗ gaß. Dieſe zufällige Finanz⸗Operation machte ſich ganz gut für die Taſche, ſo daß er manchen Abend kaum zehn Gulden Auslage und bei vierzig Gulden reine

Einnahme hatte, und auf dem ſchnurgeraden Weg

war, ein ſteinreicher Mann zu werden. Aber die Welt liegt im Argen, und iſt voller Bosheit und Mißgunſt. Denn als ein Paar andere Wirthe, denen er ſchon längſt ein Dorn im Auge war, merk⸗ ten, daß er reich werden wolle, verbreiteten ſie bos⸗ hafter Weiſe überall hin die Nachricht, der Herr Wirth zum güldnen Kalb wäre kein ehrlicher Mann; er gäbe abſichtlich den Gäſten das nicht, was ihnen Rebühre, und wolle mit Trug reich werden. Das war lauter Argliſt und Lüge von ihnen, denn es gab unter der Sonne keinen ehrlicheren Mann als unſer Kalbswirth; er hat's ja hundertmal ſelbſt ge⸗

1279) mittags ut alte Pfart ren Hauſe behalt der Perſteigeru haften Bed Johann E bruch ver wenn ſie karzrechner Oſthei.

(11) M Uhr, wird dahier ein gleichzeitig Ofens in

Friedt

(12) 2 hier ſoll Uhr, in machermei der dahie einer üöffe ſezt werd. Derſel ſtücken, W.