Ausgabe 
9.5.1840
 
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Witterungs⸗ Nachrichten aus der Wetterau. (Anfang Mai.)

Wenn man auch ſonſt dem April nicht mit Un⸗ recht Unbeſtändigkeit vorwirft, ſo hat er wenigſtens diesmal dieſen Vorwurf nicht verdient. Sonnenſchein hat er uns genugſam gegeben(Manche meinen ſo⸗ gar, etwas zu viel) und ſeine letzten Tage waren zum Theil Sommertagen gleich. Zuweilen freilich kam noch ein ziemlich ſcharfer Nord⸗Oſt⸗Wind, der, wenn man ſich etwas erhitzt hatte, weder angenehm berührte, noch wohlthätig wirkte. Trotz dieſem drang die Blüthe mit Macht hervor, und gar mancher Baum erfreute das Herz, und prangte ſchöͤner als der ſchönſte Straus, den die Braut am Hochzeittage ür den Kirchgang vorſteckt. Ob dieſen Blüthen auch Früchte folgen werden? Viele bezweifeln es; einige beſonders Aepfelbäume fangen ſchon an zu trauern, da ihnen die Raupe des Froſtſchmetterlings bereits ſtark zuſetzt, und in Kurzem noch ſtärker zuſetzen wird. Wir haben vorher gewarnt. Jetzt iſt für dieſe jede Abwehr zu. ſpät; nur die ſ. g. Krallen⸗- oder Ringelrauͤpe kann noch, wenn ſie beiſammenſitzt, leicht vernichtet werden. Auch ſie zeigt ſich in zahlloſer Menge.

Was wir bisher am Meiſten vermißten, war ein gedeihlicher Regen. Die Winterfrüchte ſtanden zwar durchgehends ziemlich gut, aber es fehlt ihnen die Frühlingsfeuchtigkeit, und ſie verkrüppeln, wenn auch nicht in ſo hohem Grade, wie bei unſern Nach⸗ barn jenſeits des Maines, deren leichter Boden jetzt zum Theil als Staub auffliegt. Dazu kommt noch,

daß zarte Gewächſe, wie Bohnen, und die jungen

Zweige der Eiche und des Nußbaums in den beiden Nächten vom dritten bis fünften Mai hier und da vom Froſte ſtark gedrückt wurden. Aber die Sommerfruͤchte, die Gartengewäͤchſe, die Wieſengrä⸗ ſer, die Kartoffeln alle wünſchen ſich einen an⸗ dern als den bisher faſt immer herrſchenden Wind, und da dieſer andere nicht kommen wollte, ſo ſtieg in Folge dieſes das Heu, es ſtieg das Stroh, es fehlt überhaupt an Streuſel, an friſchem Futter, und eben darum ziehen auch wohl die Preiſe-unſerer Früchte an.

Ach, wir Menſchen ſind gar zu kleingläubig, und fürchten gleich das Schlimmſte, und die Schlauen benutzen das zu ihrem Vortheile. Wenn wir doch

vertrauensvoller zu unſerm himmliſchen Vater blick⸗ ten! Er hat uns ja doch ſchon ſo oft Regen und Sonnenſchein gegeben und zu unſerm Säen das Ge⸗ deihen; er wird auch dies Jahr zur rechten Zeit das Rechte ſenden. Dieſe Sonnenwärme thut gar wohl für die Folge; und wenn im Mai und Juni feuchte Tage kommen, ſo iſt der Boden hinlänglich erwärmt, um fruchtbar zu werden. Es ſteht fuͤr jetzt immer noch ein ſehr gedeihliches Jahr zu erwarten, wenn auch Dieſes und Jenes nicht ſo. wie

wir es früher hofften.

Miszellen.

Unſer europäiſcher Fürſtenverein zählt gegenwär⸗ tig gerade fünfzig regierende Häupter; darunter ſind 3 weibliche, 34 deutſche, 30 proteſtantiſche(die der anglikaniſchen Kirche dazu genommen), 17 katho⸗ liſche, 2 griechiſche und ein mahomedaniſches Haupt.

Wenn man den goldnen Anker betrachtet, welcher einem Gaſthauſe zu Friedberg den Namen gibt, ſo glaubt man nicht, was ein wirklicher Anker an einem großen Kriegsſchiffe für eine gewaltige Maſchine iſt. Um einen guten Anker für ein Schiff von 100 Kanonen zu ſchmieden, braucht man aber wenigſtens ſechs tauſend Pfund Eiſen und dreißig bis vierzig Tage angeſtrengter Thätigkeit von Sei⸗ ten des Schmieden und ſeiner Geſellen. Daher darf man ſich nicht wundern, daß er auf 3 bis 400 Pfund Sterling kommt. Wie viel das in Gulden beträgt, (1 Pf. St. zu 12 fl. gerechnet) gibt eine. Aufgabe für geübte Kopfrechner.

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unſere gewöhnlichen Wegsſtunden kann man

fuͤglich zu 1800 großh. heſſ. Klafter annehmen. Eine

Klafter hat 100 Zoll, eine Elle aber 24 Zoll. Dem⸗ nach würden 1800 Klafter 7500 Ellen machen. Wer aber bei jedem Schritt eine Elle zurücklegen will, muß ſchon gute Schritte machen, ſonſt bringt ers nicht fertig mit 7500 Schritten in Einer Stunde.

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