Menſchen mit milden und feinen Geſinnungen. Wie viel werde ich Euch zu berichten haben, wenn ich etwas mehr Zeit gewinne. Für jetzt lebt wohl und hofft ein baldiges Wiederſehen
Euers Ernſt. (Mit dem Schiffe der Honduras.)
Eaſtbay in Queen Charlokte Sound Cooks Straets Neuſeeland, 10. Nov. 1839.
Mein theures Schweſterchen!
Ich benutze jede Gelegenheit, Euch Nachricht von mir zukommen zu laſſen. Mir wird ſobald nicht das Glück zu Theil werden, von Euch zu hören; doch, wenn Ihr recht oft ſchreibt, ſo kanndes nicht fehlen, daß mich wenigſtens Ein Brief trifft. Schreibe deß⸗ halb, ſobald du dieſen Brief erhältſt.
Aus dem Briefe, den ich an den Vater von Kapiti aus ſchrieb, habt Ihr vernommen, daß es unſere Abſicht war, zum Zweitenmale in Queen Charlotte Sound zu ſegeln, wo wir vor 12 Tagen in Eastbay, gegenüber unſerm erſten Ankerplas in
Ship Cove ankerten. Wir warten hier in dieſem
Augenblicke auf günſtigen Wind, um nach der noͤrd— lichen Inſel, nach Berg Egmont zu gehen, und von da längs der Weſtküſte, nach dem noͤrdlichen Ende der nördlichen Inſel, wo die Miſſionen ſind. Wenn Alles ſo gut geht, wie bisher, ſo habe ich nichts zu bereuen. Die Welt zu ſehen und die mannigfaltigen Produkte der Natur war von jeher mein Wunſch. Und in Neuſeeland iſt die Ausbeute aus allen Reichen der Natur nicht klein, da die bis jetzt von mir beſuchten Plätze entweder gar nicht oder nur von Georg Forſter, unſerm Landsmanne, der mit Capitän Cook war, unterſucht wurden. Meine Ausbeute an Pflanzen und Vögeln wird täglich größer, da der Frühling gekommen iſt, und die Seiten der Hügel, wo noch der Urwald unberührt ſteht, ſind mit Blumen bedeckt. Vögel finden ſich in Menge hier; wenige nur von glänzendem Gefieder, aber von einer wunderlieblichen Stimme. Ich kann nicht auf⸗ hören zu horchen, wenn ich umgeben von Eingebornen im Buſche in meinem Mautel geſchlafen habe und ihr Geſang mich des Morgens erweckt. Es klingt wie kleine Glasglöckchen oder wie der Ton einer Harmonika.— Ich habe manche neue Arten von Vögeln entdeckt, und bereits iſt eine große Kiſte von Naturalien, die ich geſammelt, an das Muſeum der Neuſeeland-Company in London abgegangen. Die herrlichen Naturkinder von Menſchen, die hier leben, haben mir lebhaftes Intereſſe eingeflößt, und jemehr ich ihre Sprache verſtehen lerne, deſto reicher wer— den meine Erfahrungen uber die Klaſſe von Men⸗ ſchen, die man in gemeiner Sprache Wilde heißt. Es ſind Kinder mit all der Reinheit natürlichen Gefühls, mit allen Eigenſchaften, wie Kinder ſie beſitzen. Welche unerſchöpfliche Quelle der Unter⸗ haltung, wenn ich Dich wiederſehe!
Das Land iſt hier ſehr bergig, und die See
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bricht in gewaltigen Wogen an den klippenreichen Ufern. Das Klima iſt wenig von dem des ſuͤdlichen Europa verſchieden und ſagt mir ganz beſonders zu. Ein ewiges Gruͤn bedeckt die Bäume und baum⸗
artigen Farrenkräuter, die mit ihrer Fächerkrone
das niedere Strauchwerk überragen, geben dem Wald ein etwas tropenartiges Anſehn. Hunderte von Strömchen, mitunter Flüuͤſſe, ergießen ſich von den
Höhen in die See, oft in Cascaden und ihr Weg
iſt durch mächtige Bäume, die in ſie fallen, oft ge⸗ hemmt. Der Wald beſteht aus mächtigen Bäumen, unter welchen herrliche Arten des Fichtengeſchlechts, und iſt faſt undurchdringlich durchflochten mit Sträu⸗ chern, Farrenkräutern und Lianen— Alles, wie wenn es aus den Händen des Schöpfers käme.
(Auf) In der Inſel Mann in Cooksſtraße fand ich einen Landsmann, einen Hannoveraner, der mich gut empfing. Aber wie leicht Einer ſeine Mutter⸗ ſprache vergeſſen kann, ſah ich da, wenn ich kaum einen Satz grammatiſch ſeßte und wir bald plapper⸗ ten engliſch, wofür ich den Göttern des Vaterlandes in meinem Herzen Abbitte that.
In einigen Tagen hoffe ich, der Erſte, Berg Egmont zu beſteigen und zu meſſen; einen hohen Kegel an der ſüdweſtlichen Küſte der nördlichen Inſel, und wahrſcheinlich von vulkaniſchem Urſprunge.
Für jetzt lebt Alle, Alle wohl, und vergeßt nicht den Sohn und Bruder Ernſt.
Bekanntmachungen von Behoͤrden. Edictalladung. (1102) Ueber das Vermögen des Johannes Lung und deſſen Ehefrau zu Södel iſt der Concursprozeß erkaunt und Liquidationstermin auf Mittwoch den 16. December d. J.,
Morgens 9 Uhr, anberaumt worden. In dieſem Termine ſind alle bekannte und unbekannte For⸗ derungen und ſonſtige Anſprüche an die Johannes Lung'ſche Vermögensmaſſe bei Strafe des Ausſchluſſes von derſelben geltend zu machen; auch ſoll alsdann die Güte verſucht und eventuell über die Veräußerung der Maſſe, ſowie über die Beſtellung eines Curators verhandelt werden, in welchen Beziehungen die nicht perſönlich oder durch Bevollmächtigte erſcheinenden Gläubiger als an die Beſchlüſſe der Mehrheit der erſcheinenden Creditoren gebunden werden angeſehen werden.
Schließlich werden alle, welche den Johs. Lung'⸗ ſchen Eheleuten noch etwas verſchulden, hiermit an⸗ gewieſen, ſolches bei Strafe doppelter Zahlung nur an den demnächſt beſtellt werdenden Maſſecurator abzuführen.
Friedberg den 12. Oktober 1840. Großh. heſſ. fuͤrſtl. ſolmſ. Landgericht In Beurlaubung des Landrichters: Brumhard.
laß ausge 5 verfahreng Termin z Fordetun 18. Nove Rechtona bleibende der Mehn erkannt,
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(114 Uhr, ſg heitliche
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