MAreotk
nne
* 311*
Namen, deſſen tiefe, braune Züge andeuteten, daß er unter allen Climaten geweſen, und der, 6 Fuß hoch, über alle Matroſen hinaus ragte, war der Neptun. Mit einbrechender Nacht wurden ſchreck⸗ lich bruͤllende Töne vom Vordertheil des Schiffes vernommen, die der Capitän vom Hinterdeck durch das Sprachrohr in gleicher Weiſe beantwortete. Näher und naher kamen die Töne, und ein Matroſe von dem ſo eben angelangten Boote des Waſſergottes erſchien vor dem Capitän und verlangte im Na⸗ men ſeines wäſſerigen Gebieters den üblichen Tri— but. Der Capitän ließ antworten, Neptun möge ſein Boot näher rücken laſſen, und er wolle für die Sache des Friedens den üblichen Zoll, Ale und Rum, entrichten. Da kam vom Vorder⸗ theil des Schiffes ein mit brennendem Pech ge— füllter Eimer hervorgeſchwommen, das Boot des Neptuns. Wir Alle lehnten uns voll Neugierde über das Bollwerk des Schiffes, um dem Fortgang des Bootes zuzuſchauen, wurden aber von den ver— ſteckten Geſellen des groben Gottes arg mit Waſſer begoſſen. Dieſe rückten uns nun immer näher auf den Leib und wir mußten uns gefallen laſſen, ſo durchnäßt zu werden, daß kein trockener Faden an uns blieb, da ſich der Capitän in die Cajüte davon geſchlichen und hinter ſich abgeſchloſſen hatte, damit Keiner von uns dem Waſſerbade entrinnen möge. Neptun fuhr unterdeſſen davon und ſein brennendes Schiff wurde noch lange, auf den Wellen auf- und niedertanzend, am Horizonte wahrgenommen.
Wir hatten zwiſchen den Wendekreiſen nicht viel von Hitze zu leiden; wenigſtens war ſie erträglich, da häufiger Regen die Luft abkühlte und wir auch ſehr ſchnell den heißen Erdgürtel durchſchnitten. Hohe See haben wir oft gehabt, auch einige ſtaͤrkere Wind— ſtöße, die uns den Spankerboom(den deutſchen Namen weiß ich nicht) wegriſſen und unſer Schiff hin⸗ und hertrieben. So etwas afficirt wenig, na— mentlich wenn man einen ſo trefflichen Capitän hat als wir(Capitän W. Chaffers hatte die Leitung des Entdeckungsſchiffes The Beagle mit Lord Fitz Roy unter ſich). Ich fühle mich im Gegentheile wohler, wie jemals, und bin ſehr geneigt, eine See— reiſe als eine Panacee anzuempfehlen.
Es war unſere Abſicht, uns der kleinen Inſel Trinidad an der Kuſte von Braſilien(nicht der weſtindiſchen) zu nähern und mich, den Naturforſcher, zur Unterſuchung der noch wenig bekannten, ans Land zu ſetzen. Aber die ſtarke nördliche Strömung trieb uns zu weit nach Weſten, und ſo kommt es, daß wir ſeit unſerer Abreiſe von England noch mit keinem Fuße das Land berührt haben. Wir fuhren zwiſchen dieſer Inſel und der Küſte von Braſilien durch, und begannen bald darauf uns nach Oſten zu drehen. Wir hatten dann einige Tage Windſtille und ſelbſt entgegengeſetzten Wind. Windſtille iſt ſchrecklich dem Seemann, aber dem Naturforſcher erwünſcht, da er nur an ſolchen Tagen der See—
thiere, die die reiche Natur in unermeßlicher Menge im großen Ocean hervorbringt, habhaft werden kann. An jenen Tagen wurde auch ein mächtiger Haifiſch geangelt, und da man auf engliſchen Schiffen viel zu üppig lebt, um das übrigens treffliche Fleiſch dieſes Fiſches zu genießen, ſo fiel der lange Kame⸗ rad unter das Sectionsmeſſer des Naturforſchers. Er war gewaltig biſſig, lebte lange und es iſt eine Kleinigkeit für ihn, einen Menſchen mit Haut und 21 5 durch ſein großes Maul durchſpazieren zu aſſen.
Wir ſegeln direkt nach Neu⸗ Seeland, wo wir in 4 Wochen zu ſeyn hoffen. In der Meer- enge, die beide Inſeln trennt, werdet Ihr einen Platz finden, Queen's Charlotte Sound ge⸗ nannt; dort iſt unſer erſter Ankerplatz. Nach Unter⸗ ſuchung dieſes Platzes und nachdem wir den Grund— ſtein für eine neue Stadt gelegt, ſegeln wir um die nördliche der Inſeln herum, zeichnend und unter— ſuchend, und kehren mit dem Anfange des nächſten Jahres in den oben genannten Platz zurück. Von da beginnen wir die Unterſuchung der ſüdlichen In— ſel, und nachdem dieſes geſchehen, begeben wir uns nach Vandiemensland und Auſtralien. Dies iſt im Allgemeinen der uns fürs Erſte vor Augen ſtehende Plan. Ich habe Aufträge gegeben, daß Euch meine Rapporte über dieſe Plätze zugeſendet werden, woraus Ihr am beßten über den Fortgang meiner Reiſe werdet urtheilen können. Uebrigens werde ich jede Gelegenheit benutzen, Euch Briefe zu— kommen zu laſſen. Eine Fahrt nach Auſtralien und Seeland wird jährlich von Hunderten von Schiffen gemacht und die Verbindung zwiſchen dem Mutter— lande iſt beſſer, als zwiſchen Gießen und Lützellinden, obgleich ſie etwas länger dauert. Ich habe nun eine neue und unbekannte Welt vor mir, und es ſoll nicht meine Schuld ſeyn, wenn wir in zwei Jahren nicht mehr darüber wiſſen, als uns ſeit Cooks Zeiten bekannt geworden iſt.
II. Chondy Bay in Neuſeeland, 10. Oktober 1839.
Gute Eltern!
Ich ſende Euch nur einige Zeilen, um Euch zu benachrichtigen, daß ich mich wohl befinde. Wir kamen in Neuſeeland an am 16. Auguſt, und ſeit dieſer Zeit bin ich hart beſchäftigt geweſen mit Ex— curſionen und naturwiſſenſchaftlichen Geſchäften aller Art. Wir gehen von hier nach der nördlichen In— ſel, im Januar hierher zurück, dann nach van Die— mensland, Auſtralien und zurück. Ein von mir ge⸗ meſſener und erſtiegener Berg in Queens Charlotte Sound wurde nach meinem Namen benannt. Ich habe ſo eben einen langen Bericht an die Company beendigt, und ich habe den Secretär gebeten, ihn Euch, ſobald er gedruckt iſt, zuzuſchicken.
Ich fühle mich behaglicher als je unter den wil— den Menſchenfreſſern; ein herrlicher Schlag von


