Ausgabe 
7.3.1840
 
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Thorheit verbleudeten Menſchheit? Arme Fiſcher, Zollner, Landleute, Bürgers- und Bergmanns⸗Söhne. Wer die Entdecker neuer Welttheile, neuer Sonnen, Planete und Monde? Männer, die oft nichts Eignes hatten, als ihr Leben, ihren Scharfſinn und ihre Beharrlichkeit. Wer gründete viele Waiſenhäuſer, die Zufluchtsorte für Hunderte verlaſſener Kinder, wer viele der Krankenhäuſer, die Leidenden aller Art ſich öffneten und ihre Wehklagen ſtillten? Jener Hermann Franke zu Halle, jener Senkenberg in Frankfurt, einzelne daſtehende Männer, glänzen unter ihnen wie helle Lichter und rufen uns zu: ſo viel kann der Einzelne wirken, wenn Gottes- und Menſchenliebe ſein Herz erfüllen, ſeine Thatkraft erhoͤhen. Und wie duͤrften wir hier uͤberſehen das uns ſo beſonders merkwürdige Mathildenſtift, bei deſſen Betrachtung jedem von uns, der zu ſei⸗ nem kleinen Anfange ſein Schärflein beitrug, das Herz freudiger ſchlägt, das auch aus kleinem dann zu elnem Schatten darbietenden Baume erwuchs und ferner noch Segen verbreitend wachſen wird.

In ähnlicher Weiſe mögen in vielen Orten In⸗ ſtitute vorhanden ſeyn, die der Aufmerkſamkeit wür⸗ dig ſind; aber weil ſich ihr Urſprung in längſt ver floſſene Zeiten verliert und weil es an Perſonen fehlet, die dem Urſprunge nachforſchen und ihn dann nachweiſen, ſo bleiben ſie in Dunkel gehüllt, unbe⸗ achtet, und es naht ſich ihnen die Gefahr, in dem Dunkel ganz zu verſchwinden. f

Der Verfaſſer dieſer Zeilen wünſcht Dieſem zu begegnen. Er gedenkt in einigen kleinen Aufſatzen aus dem Kreiſe ſeines eignen Wirkens überzeugende Beweiſe für ſeinen Hauptſatz,ſein Motto, dem Publico vorzulegen und ſich dadurch zugleich das Verdienſt zu erwerben, wenig Bekanntes hervorzu heben und wo möglich dem Streben, wohlthätig auf die Umgebungen zu wirken, das im ewigen Kampfe mit dem Egoismus in Gefahr iſt, zu unterliegen, wenn ſeiner ſinkenden Kraft nicht durch das Vor halten nachahmungswerther Beiſpiele Nahrung gege ben wird, regere und lebendigere Spannkraft zu ver ſchaffen.

Aber nicht zur müßigen Betrachtung möchte ich

dieſe Andeutungen geben, ſondern dazu, weiter noch

in unſerer Umgebung Aehnliches aufzuſuchen, theils zur beſſeren Kenntniß des Nahegelegenen, theils zur Förderung des Guten und Nützlichen, wenn wir wahrnehmen, daß man nur guten Willen haben muß und einzelne Opfer nicht ſcheuen darf, um Wohlthäter ſeiner Brüder zu werden.

Erſter Beweis des Satzes: aus dem Kleinen das Große! aus der Sackiſchen Stiftung zu Butzbach.

Eine gewiſſe Jungfer Katharina Sack, deren

Verhältniſſe durch keine Urkunden nachzuweiſen ſind,

die aber um ihrer Stiftung willen neben manche 8

Legendenheilige geſtellt werden darf, und deren An denken ſtets im Segen bleiben wird, lebte zu Butz bach in jener denkwürdigen Zeit, wo das Licht des Evangeliums einen neuen Glanz erhalten hatte, und wo der hohe Beruf des Chriſten, in wahren Liebes werken den Sinn des großen Meiſters auszudrücken, den er von den Seinen verlangt, einer todten Werk heiligteit gewichen war, in der Blüthezeit der Re formation.

Sie erblickte um ſich her manche Noth, manche ſorgende Familienväter, manche rathloſe Wittwe; denn Arme werden wir immer bei uns haben. Wie ſie der Noth abhelfen, wie ſie drückende Sorgen ver ſcheuchen möge, beſchäftigte in der Zeit, wo ſie ihres Scheidens von der Erde mit beſonderem Ernſte ge dachte, ihren nach Chriſtus gebildeten Geiſt. Nicht wie ſo viele andere Stifter von Legaten verlangte ſie, daß die Zinſen ihres Stiftungskapitals alljähr lich an ihrem Namens- oder an ihrem Sterbetage in der Nähe ihres Begräbniſſes oder auf ähnliche nur von Eitelkeit und geringer Umſicht zeugende Weiſe ſollten geſpendet werden. Nein, ihre im Jahr 1551 gegründete Stiftung ſieht weiter, iſt ganz eigen thümlicher Art.

Eben im Beſitze von 100 Mltr. Korn, übergibt ſie dieſe ſtiftungsmäßig den Armenpflegern unter folgender Bedingung:

Dieſe Frucht, damals im Werthe von 100 fl., ſoll im Sommer um die Erndezeit, wo die Brod früchte ſelten und theuer zu ſeyn pflegen, um billi gen Preis und etwas wohlfeiler als um den lau fenden Preis an dürftige Bürger verkauft werden. Nach der Ernde ſoll der günſtige Zeitpunkt abge wartet werden, wo die Früchte um billigen Preis zu erkaufen ſind und die aus dem vorhergehenden Verkauf erlöſ'te Summe, ſoll wieder zum Ankauf von 100 Mltr. Frucht, oder ſo viel das Kapital ertragen kann, verwendet werden, und ſo ſoll durch alle Zeit verfahren werden.

Welch ein ſchöner Gedanke, durch alle Zeiten hier dem Mangel vorzubeugen und die Sorgen thä tiger Hausväter zu mindern!

Indeß war es nicht möglich, die Stiftung buch ſtaͤblich auszuführen. Es kamen Zeiten, wo beinahe gar keine Veraͤnderungen in den Fruchtpreiſen ein traten, da war Niemanden durch die Stiftung ge dient; es kamen andere, wo zur Erndezeit und im Herbſte, wo der Kauf der Früchte beſorgt wurde, die Preiſe höher waren, als im folgenden Sommer, und wo mit Verluſt für die Stiftung verkauft wer den mußte. Da ward denn beſchloſſen, die vor handene Summe einzuziehen, als Kapital verzinslich anzulegen und die Zinſen ſachgemäß zu verwenden. Dies geſchah durch jährliche Abgabe von 5 Malter Korn und 23 fl. an die wöchentliche Armenpflege, zuweilen auch durch Erkaufung und Verabreichung bedeutender Quantitäten Frucht nach dem Buchſtaben