Ausgabe 
5.12.1840
 
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Intelligenzblatt

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im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M49.

Sonnabend, den 5. Dezember

. Die Kirchen zu Friedberg.

Wenn wir ältere Städte ſehen, ſo wundern wir uns gewöhnlich ül er die Menge ihrer Kirchen,) und ſind geneigt, von ihnen auf die große Zahl von Bewohnern derſelben zu ſchließen. Ein ſolcher Schluß iſt indeſſen falſch; die Menge der Kirchen beweist nur den frommen Sinn unſerer Väter und ihren Glauben, man könne für das Heil ſeiner Seele nicht beſſer ſorgen, als wenn man von ſeinem ir⸗ diſchen Vermögen recht viel den Kirchen vermache. Unſer Friedberg hatte ehemals nicht weniger als neun Kirchen und Capellen, von denen wir hier unſern Leſern einiges Wenige mittheilen wollen

19 Die Pfarrkirche. Sie iſt als Gebaͤude zwar nicht das älteſte, doch das bedeutendſte der ganzen Provinz und eine der merkwürdigſten Kirchen des ganzen Großherzogthums Heſſen; um ſo mehr dürfen wir bei ihr etwas länger verweilen.

Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß da, wo ſie ſteht, früher ein älteres Gebäude ſtand; wenigſtens finden ſich Steine an der jetzigen, welche von einem früheren Gebäude herrühren; ſogar ſind Säulenknäufe an einem Platze eingemauert, wohin ſie nicht gehören und die nach einem älteren Geſchmacke bearbeitet

*) Hierin kam keine Stadt Deutſchlands der alten freien Reichsſtadt Cöln am Rhein gleich, von der man ſonſt rühmte, ſie habe ſo viel Kirchen als Tage im Jahr ſind. Wahr iſt's, ſie hatte 19 Pfarrkirchen, 49 Capellen, 9 Collegiatſtifte, 2 adelige Fräuleinſtifte, 2 Abteien, 17 Mönchs⸗ und 39. Nonnenklöſter. Da kommen doch wohl über die 100 gottesdienſtliche Gebäude heraus! Etliche und vierzig konnte man noch in neueren Zeiten aufzählen.

1840.

ſind. Auf dieſes frühere Gebaͤude mag ſich wohl jene bekannte Urkunde) vom Jahr 1251 beziehen, welche beſagt,die Kirche zu Friedberg ſey eine Tochterkirche der zu Strasheim(einem aus⸗ gegangenen Dorfe in der Nähe von Friedberg). Wann die jetzige Kirche, deren Größe den Beſchauer eben ſo anſpricht als die Verhältniſſe der einzelnen Theile die ſchönſte Harmonie verrathen, erbaut wurde, darüber hat ſich bis jetzt ſo wenig etwas urkunblich aufgefunden als über den Baumeiſter, welcher den Plan dazu entwarf.) Indeſſen laͤßt ſich hierüber doch Einiges angeben. 1) Schon aus anderweitigen Nach⸗ richten geht hervor, daß Entwürfe von Gebäuden die⸗ ſer Art im Mittelalter ſelten von einem einzigen Manne gemacht wurden, ſondern in der Regel von einer ganzen Corporation ausgingen, die ihre Künſtler und Haad⸗ werker in ihrer Mitte hatten, welche zu prüfen ver⸗ ſtanden. So mag es auch hier der Fall geweſen ſeyn. 2) Das Ganze ſowohl als die einzelnen Theile verrathen den reinen Geſchmack der ächt go⸗ thiſchen Baukunſt, wie er am Ende des dreizehnten

0 Joannis spicill. I., 459.

*) Zwei Hauptthürme waren urſprünglich für die Weſtſeite. beſtimmt und außerdem ſollten 5 Nebenthürmchen ſie zieren, wovon Einer auf der Spitze des Chordachs an⸗ gebracht war. Wenn etwas fehlerhaft in der Anlage erſcheint, ſo ſind es die beiden Thürmchen, welche an beiden Seiten des Kreuzes ſtehen. Wären ſie in der Ecke zwiſchen dem Chore und Kreuze erbaut worden, ſo würden ſie dem Ganzen eine größere Feſtigkeit ge⸗ geben haben. Dort iſt der faule Fleck, weswegen auch im Jahr 1821 die beiden Fenſter am Chore zugemauert werden mußten.