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Zur Feier der Erfindung der Buch— f druckerkunſt.
Die Erfindung der Buchdruckerkunſt iſt in materieller und geiſtiger Beziehung von ſo unge⸗ heuern Folgen geweſen, daß wir ihrer wohl hier mit ein Paar Worten gedenken dürfen.
Ohne Buchſtabenſchrift kann ich meinen Ge⸗ danken keine Dauer geben, kann ich mich dem Ab⸗ weſenden nicht mittheilen; aber ohne Buchdrucker⸗ kunſt bleibt, was die Menſchen je Großes und Wahres und Schönes geſagt und gedacht haben, das Eigenthum weniger Auserleſener. Nur durch ſie wurde Solches Gemeingut der Völker. Daher die außerordentlichen Folgen, die ſie für Kunſt und Wiſſenſchaft brachte; daher der Aufſchwung des menſchlichen Geiſtes ſeit ihrer Erfindung; daher die gewaltige Reform in allen menſchlichen Augelegen⸗ heiten. Während aber die ältere Schweſter, die Buchſtabenſchrift, ſchon vor zwei, drei tauſend Jahren glückliches Eigenthum der Menſchen war, ſchlief die jüngere, glücklichere ruhig im Schooſe des menſchlichen Geiſtes, und jetzt, wo wir ſo glücklich ſind, ſie bei uns zu beſitzen, gehts uns wie den Spaniern, nachdem Columbus Amerika entdeckt hatte. Wir ſind ſo klug und wundern uns, daß der menſchliche Geiſt auf ſo etwas Einfaches nicht fruͤher kam. Hat man ja doch ſchon vor 2 Jahr⸗ tauſenden Siegel mit Buchſtaben abgedruckt; konnte man doch ſchon lange vor Erfindung der eigentli— chen Typographie Bildchen mit Unterſchriften in Holz ſtechen und vervielfältigen!
Aber wer iſt der eigentliche Erfinder der Buch— druckerkunſt und in welches Jahr fällt ihre Erfin⸗ dung? Wir wollen den alten Streit jetzt nicht wieder auffriſchen, da die Kämpfer ermüdet und durch die Ermüdung eine gewiſſe Schlichtung der Parteyen eingetreten iſt. Die Holländer haben ſchon lange ihrem Landsmanne Koſter zu Haar⸗ lem eine Bildſäule errichtet; aber ſie konnten die triftigen Gründe, welche die Mainzer für ihren Mitbürger Guttenberg vorbrachten, nicht wider⸗ legen, und Europa erkennt jetzt in der Buchdruücker⸗ kunſt eine deutſche Erfindung. Nur Strasburg ſtreitet noch mit Mainz um die Ehre, wem der Er⸗ finder gehört. Ein Deutſcher war es; denn Stras⸗ burg war, bis im Jahr 1681 die Franzoſen hin⸗ terliſtig ſich ihrer bemächtigten, eine ehrwürdige deutſche Reichsſtadt, und noch iſt dort deutſche Sitte und Sprache beim Volke nicht verdrängt. Gewiß iſt, daß Guttenberg ſich lange Zeit in Stras- burg aufhielt, dann aber wieder nach Mainz zog. Dort mag er die Sache überdacht haben, hier führte er ſie aus. Mit Recht ſagt daher der berühmte Wach—⸗ ler von der Erfindung der Buchdruckerkunſt:„Sie wurde in Strasburg empfangen, in Mainz gebohren.“ Darum mögen die Strasburger zu
Ehren des Embryo auch eine Guttenbergs⸗Säule errichten; den Mainzern gebuͤhrt die Ehre der Ge⸗ burt und Pflege des Kindes. In Mainz als ſei⸗ ner Vaterſtadt verband ſich der überall verfolgte Guttenberg mit dem reichen Fauſt(Fuſt) und mit dem Gernsheimer Peter Schäfer(Schöffer), ſeinem Schwiegerſohne. Erſt jetzt konnte in der neuen Kunſt gewirkt werden; darum bewies ſich auch erſt jetzt das Vorhandenſeyn der neuen Erfin⸗ dung. Eine Zeitlang war die Sache aus Furcht vor den Mönchen, welche ſie für ein„Werk des Satans“ verſchrieen, weil ſie ihnen die Vortheile des Bücherabſchreibens nahm, geheim getrieben. In⸗ deſſen konnte ſolches nicht lange dauern; die Kunſt verbreitete ſich bald weiter. Aber Guttenberg ſollte die Früchte derſelben nicht ernden. Sein Erde⸗ wallen war das eines Künſtlers, das heißt ein kuͤm⸗ merliches. Faſt vierhundert Jahre ſpäter erfolgte erſt ſeine Apotheoſe. Im Sommer des Jahrs 1837 wurde mit großer Feierlichkeit ſein Bildviß zu Mainz aufgeſtellt, während ſchon früher die Gerns⸗ heimer ihrem Landsmanne Peter Schäfer ein ſeiner würdiges Denkmal errichtet hatten.
Durch Uebereinkunft war der 24. Juni 1440 als der Erfindungstag feſtgeſetzt. So wurde er ſchon vor 100 Jahren gefeiert. So feierte man ihn am 24. Juni 1840 wieder.
Wir wollen indeſſen hier keine Beſchreibung von dem großen Feſte geben, welches die Stadt Mainz zu Ehren des Jubiläums der Erfindung derſelben veranſtaltete; die offentlichen Blätter haben bereits genug davon geſprochen. Aber gerne theilen wir unſern Leſern mit, daß die Mainzer den dreißig Mitgliedern des Geſang-Vereins zu Friedberg, welche zur Theilnahme nach geſchehener Einladung ſich eingefunden hatten, mit ächt deutſchem Bruderſinne entgegenkamen, ſie feierlich empfiengen, mit alter Gaſtfreundſchaft her⸗ bergten und dankbar und gerührt entließen. Die edle Stadt, in deren Mitte das ſeltene Feſt gefei— ert wurde, bewies, wie würdig ſie deſſen ſey, da⸗ durch, daß bei dem außerordentlichen Andrange von viel tauſend Fremden und Einheimiſchen Alles geord— net und in feierlicher Stille vollzogen wurde. Sie bewies aber auch durch die humane Behandlung der eingeladenen Gäſte, daß ſie ihre Stellung erkennt und fühlt. Ihr und ihren Bewehnern der deutſche Handſchlag zum Danke von den Friedbergern!
Miscellen. Wie ſchafft man die Fliegen aus der Stube? ö
Wer noch keine Einquartierung hatte, der weiß nicht, was der Krieg oft für Quälereien mit ſich führt. Heute kommt ein braver Mann in mein Haus, ißt und trinkt und ſpricht und ſchläft mit
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